Warum Twitter zum Pflichtprogramm für jeden Kommunikator gehört

Posted by on Februar 15, 2009 at 11:15 am.

Das Thema „Social Media“ erlebt aktuell eine rasante Karriere. Die Debatte ist in vollem Gange. Selten stand „Kommunikation“ so im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung: Obama, Online Mobbing, Twittern im Hessen-Wahlkampf, das PR-Desaster der Bahn im Umgang mit dem Blog netzpolitik.org, die Notwasserung auf dem Hudson-River – seit etwa drei Monaten schreiben sogar Leitmedien wie das Handelsblatt, die FAZ, der Focus oder der Spiegel im Wochentakt über die neue Form der Massen-Kommunikation. Und wenn selbst RTL2 in den Zwanzig-Uhr-Nachrichten über Twitter berichtet, und das auch aus dem Blickwinkel der politischen Diskussion, muss man konstatieren: die Debatte ist in der Masse angekommen. Dabei ist Twitter ohne Zweifel der Shooting-Star unter den sozialen Medien. Twitter wächst derzeit nicht nur am schnellsten, Twitter nimmt auch den meisten Raum in der Berichterstattung ein. Sind soziale Medien, ist Twitter nur ein Hype, die schnell wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden? Oder wird uns (in Deutschland) das Thema noch länger erhalten bleiben?

Twitter repräsentiert einen radikalen Wandel in der Kommunikation

Für zweites spricht: Twitter hat das Potenzial für einen Massenmarkt, es kann von jedem völlig ohne Probleme bedient werden, und durch die Ähnlichkeit zu dem bekannten Kommunikationsmedium SMS versteht auch jeder Twitter. Twitter wird zudem sehr intensiv von der „Informations-Avantgarde“ genutzt, die aus eigenem Interesse für das Thema trommelt. Und wir befinden uns im Vorwahlkampf, in dem Twitter mit Sicherheit (Vorbild: Obama!) eine Rolle spielen wird. Aber in Twitter vereinen sich auch eine ganze Reihe typischer Mechanismen moderner Kommunikation, und das macht Twitter zur perfekten Fallstudie des Medienwandels: Die Kommunikation wird immer verkürzter, Meinungsbeiträge werden immer weniger differenziert, jeder kann in den öffentlichen Meinungsbildungsprozess eingreifen, die Masse der Nachrichten nimmt enorm zu, die Menschen vernetzen sich, und Informationen verbreiten sich rasend schnell.

Halbherzige Gehversuche in Deutschland

In Amerika ist der „Change“ in vollem Gange. Barak Obama nutzt souverän die neuen Medien inklusive Twitter. Er erreicht damit die Menschen. Nicht viele, aber wichtige. Unternehmen und Politiker in Deutschland machen erste und überwiegend halbherzige Gehversuche, und die scheitern überwiegend entweder an der fehlenden Akzeptanz der Community oder erreichen aus anderen Gründen nur eine Reichweite, die keinen (klassischen) Kommunikationsentscheider überzeugt. Ein schönes Beispiel ist T-Mobile, die zwar einen Twitter-Channel für die Einführung des „G1“ nutzen, die aber nicht konsequent genug sind, ihren Twitter-Kanal auch über andere Medien zu kommunizieren. Das Ergebnis: rund 700 Follower (Update: 750), also Menschen, die sich dafür interessieren, was T-Mobile zum G1 auf Twitter zu sagen hat. Wo ist das Problem? Hat T-Mobile nicht genug interessantes auf Twitter zu sagen? Gibt esnicht mehr interessierte Twitterer? Oder weiß keiner von dem Twitter-Channel?

Twitter als Übungsfeld

Ohne Frage: Twitter hat noch strukturelle Probleme. Es herrschen irrelevante Beiträge vor, und es gibt keinerlei Verzeichnisse, über die man interessante Inhalte finden kann. Auch ist die Reichweite von Twitter heute noch viel zu gering, als dass sie (aus dieser Perspektive) irgendeine Relevanz für Unternehmen hätte. Aber es ist letztlich gar nicht wichtig, ob Twitter tatsächlich einen Durchbruch erlebt. Wenn es nicht Twitter ist, dann wird es etwas anderes sein. Twitter repräsentiert einen radikalen Wandel in der Kommunikation und in der Art, wie sich Menschen eine Meinung bilden, noch viel wichtiger: Wie immer mehr Menschen zur Meinungsbildung anderer beitragen. Und dieser Wandel findet statt, das ist sicher, er ist in vollem Gange. Kommunikationsfachleute müssen sich deswegen mit dem Thema auseinandersetzen. Egal, ob sie im Auftrag eines Unternehmens, einer Organisation, einer Partei oder in eigener Sache (professionell) kommunizieren. Twitter gehört zum Pflichtprogramm für jeden Kommunikator. Nicht erst in ein oder zwei Jahren. Sondern heute. Gerade heute. Denn Twitter schult auf einfache Weise den Umgang mit moderner Kommunikation. Kein anderes soziales Medium kann so einfach aufgesetzt und mit so wenig aufwand geführt werden. Und gerade weil Twitter heute noch keine so große Bedeutung hat, kann der Umgang mit einem noch relativ geringen Risiko geübt werden.

Social-Media-Relations muss neu gelernt werden

Fest steht: Der Umgang mit neuen Medien muss gelernt werden: Social-Media-Kommunikation ist keine Technik, die man bei Bedarf schnell dazu kaufen kann. Social-Media-Kommunikation kann auch nicht beliebig outgesourced werden. Social-Media-Kommunikation erfordert eine Authentizität, die bisher kaum zum Ausbildungsprogramm der Kommunikatoren gehört. Der besondere Charakter erfordert vielfach sogar, diese Authentizität auch – zumindest teilweise – in den persönlichen Bereich auszudehnen. Auch das ist neu für professionelle Kommunikation. Social-Media-Kommunikation erfordert zudem eine spezifische strategische Planung sowie Disziplin, sonst verliert sich das „gezwitscher“ schnell in Belanglosem und wird zum Zeitfresser ohne Wertschöpfungsbeitrag. Hier gibt es keine Übung mit dem neuen Medium. Weiterhin erfordert Social-Media-Kommunikation eine persönlichere und intensivere Art des Zuhörens und der Interaktion. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, offen und souverän mit öffentlicher Kritik umzugehen. Und Social-Media-Kommunikation ändert die Art, wie Unternehmen ihre Kommunikation organisieren, ziemlich radikal, weil die Kommunikation unmittelbarer wird, und nicht alles von der Pressestelle freigegeben werden kann. All das braucht Zeit. Wer nicht heute anfängt, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen und souverän im Umgang mit sozialen Medien wird, läuft Gefahr, schon bald überrollt zu werden – oder wird schlichtweg außen vor bleiben.

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  • http://www.baumarketing.org RK

    In der Öffentlichkeit positiv, authentisch und klar positioniert rüber zu kommen ist das wichtigste Geheimnis bei der Benutzung des social network (internet 2.0)

    Die Mehrzahl der Twitter, XING´ler, Blogger oder Benutzer sonstiger Angebote beherrscht genau dieses Thema nicht. Somit wird mindestens 80 % trash produziert und die Produzenten dieses trash sind im Internet für ewig archiviert.

    Die Mehrzahl der Menschen ist mit multioptionalen und komplexen Welt überfordert.

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  • B.Koenig

    Die Statistik hat mich auch interessiert,
    deshalb habe ich seit 1.3.09 die Daten gesammelt:

    1.3. User = 1.448.103 (start)
    2.3. User = 1.462.264
    3.3. User = 1.476.669
    4.3. User = 1.491.014

    also ein Zuwachs von rund 14.300 Usern/Tag.

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  • http://mirkolange mirkolange

    Klar, wenn unter den 750 viele Meinungsbildner dabei sind, dann sind 750 okay, ja. Wäre interessant, die Follower zu analysieren. Es kommt also auf die Strategie an. Ist der T-Mobile-Twitter-Channel ein “spitzer Meinungsbildner-Kanal”, oder soll er (auch) Reichweite generieren. Vielleicht sogar Reichweite unter den Meinungsbildnern? So oder so habe ich nicht das Gefühl, als ob T-Mobile Twitter auch nur annähernd konsequent startegisch nutzt. Aber ja, ich kann mich irren, und das ist genau das, was sie wollten.

    Und ja, eine Statistik über das Wachstum von Twitter wäre spannend, generell Quellen. Die sind ja leider rar, aber umso mehr. Werde mich auf die Suche begeben.

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  • http://amendedestages.blogspot.com Christian

    “Artikel in BLogs möglichst so anlegen, dass man verlinken kann.”

    Besser nicht. Das würde Dir den Ruf der Zitat Link-Sagichliebernicht einbringen. Verlinken, wo es nötig und sinnvoll ist. Z.B. würde mich interessieren, ob Twitter tatsächlich die Zahl her hast, die bestätigt “Twitter wächst derzeit nicht nur am schnellsten”. Nicht, dass ich sie anzweifle (zumindest nicht, wenn Du über prozentuales Wachstum sprichst), aber so eine Statistik wäre ja spannend.

    750 Follower für einen Marken-Account finde ich übrigens ziemlich Ok. Für die meisten Marken fallen viele Inhalte von Twitter – insbesondere markige Sprüche – weg. T-Mobile wird damit bei Twitter aber viele wichtige Meinungsbildner erreichen.

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  • http://mirkolange mirkolange

    Danke Sachar! Ich bin ja auch noch dabei, den “Umgang mit den neuen Medien” zu perfektionieren :-) Blöd ist in dem Fall allerdings: Es gibt auch eine Welt außerhalb des Internets. Und die kann man so schwer verlinken. Bei den Artikeln meinte ich vor allem Print-Titel. Und der RTL2-Beitrag ist auch nicht online. Oder welche “angeführten Beispiele” meintest Du? Okay, zum T-Mobile-Twitter-Account habe ich verlinkt. Ich lerne: Artikel in BLogs möglichst so anlegen, dass man verlinken kann.

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  • http://www.massenpublikum.de Sachar

    Der Beitrag wäre noch ein wenig glaubwürdiger, wenn die angerführten Beispiele auch verlinkt wären.

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