Authentizität und PR – ein (noch) zwiegespaltenes Verhältnis

Posted by on März 8, 2009 at 2:40 pm.

Im letzten Blogeintrag habe ich mich für Authentizität und Transparenz in der PR ausgesprochen. Die Stimmen (online und offline) waren vielfältig: Von Zustimmung über Zweifel, ob Unternehmen jemals authentisch sein könnten, bis hin zu Meinungen von PR-Strategen, dass Authentizität keinen Raum in der PR hat. Jetzt, einige Tage und viele Debatten später, sehe ich das Thema differenzierter: Ja, wer authentisch kommuniziert, erreicht Menschen besser, gewinnt Fürsprecher und erzeugt Good-will. Das ist eine große Chance besonders für die Kommunikation in sozialen Netzwerken, die immer bedeutender für die Meinungsbildung werden. Aber: Wer ein Unternehmen so zeigt wie es ist, und offenlegt, was seine Motivation ist, bietet Angriffspunkte für Gegensprecher und schwächt gegebenenfalls seine Verhandlungsposition. Das ist nicht gewünscht und kann dazu führen, dass ein Unternehmen seine Interessen nicht mehr durchsetzen kann. Wie hält man es also mit der Authentizität? Letztendlich ist das wohl auch eine Frage des Verständnisses der Meinungsbildung und des Selbstverständnisses der PR.

Der Status Quo ist: Entgegen den alten, aber noch immer gültigen Kodizes des Berufsstandes und den Regeln des Standesverbandes DPRG stellen PR-Profis heute nicht mehr den Dienst an der Öffentlichkeit ganz nach vorne. Vielmehr bekennen sie sich immer mehr dazu, zuvorderst Interessenvertreter ihrer Mandanten zu sein (siehe z.B. der Code of Conduct des Marktführers PLEON). Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Authentizität: Agenturen bekennen klar, wofür und für wen sie stehen.

PR als Interessenverteidiger

In vielen Fällen besteht diese Interessenvertretung darin, Interessen zu verteidigen. Hier gleicht die Tätigkeit eines PR-Profis der eines Strafverteidigers. Seine Aufgabe ist, die Interessen seines Mandanten vor Angriffen von Gruppen zu schützen, die als Gericht die Öffentlichkeit wählen: politische Widersacher, kritische Journalisten, engagierte Bürgerinitiativen, ambitionierte Gewerkschaften, anarchische Blogger und sensationsgierige Boulevardmedien sind nur ein Ausschnitt. Auch wenn öffentlich hervorgebrachte Vorwürfe im Kern ihre Berechtigung haben, bringen die gegnerischen Parteien dabei (natürlich) vor allem die Argumente vor, die ihrem eigenen Interesse dienlich sind; nur in seltenen Fällen bilden diese die Wahrheit ab. Der Prozess einer solchen Auseinandersetzung läuft ähnlich ab wie ein Prozess vor Gericht: Jeder stellt den Sachverhalt möglichst in seinem Sinne dar, versucht Fürsprecher für seine Darstellung zu finden und die Entscheider in ihrer Deutung der bekannten Sachverhalte zu beeinflussen.

Authentizität scheint hier tatsächlich ein strategischer Fehler zu sein: Wer sich öffnet, wer Hintergründe erklärt und Motivationen, liefert seinem Gegner möglicherweise Munition für weitere Angriffe, wenn nicht gar den Hinweis, der einen überführt. Immerhin kämpfen die Gegner mit harten Bandagen: Schnell wird jede noch so kleine vermeintliche Schwäche aufgegriffen, dann populistisch überhöht, es werden die Medien (und die Community) raffiniert eingesetzt, und schon hat das entsprechende Unternehmen fast keine Chance mehr, die eigene Position angemessen darzustellen. Denn die Dinge sind meist sehr differenziert. Und Differenziertes lässt sich in der Welt der schnellen Medien kaum noch vermitteln. Also doch lieber kontrollieren, taktieren und unnahbar sein?

Wer Menschen für sich gewinnen will, sollte zeigen, wer ist.

PR hat aber noch andere Aufgaben, als die Interessen ihrer Klientel gegen andere Interessen zu verteidigen. Insbesondere wenn es um Produkte oder Marken geht, um neue Mitarbeiter und Innovationen oder die Kommunikation junger, bisher unbekannter Unternehmen. Dann ist es die Aufgabe der PR, Interesse zu generieren und nachhaltig zu bewahren. Hier gibt es keine Gegner oder aggressive Vorwürfe. Hier ist der Gesprächspartner weder Richter noch potenzielle Bedrohung. Hier ist er ein Partner. Wenn man Menschen gewinnen will, ist Authentizität von zentraler Bedeutung, insbesondere in der Online-Kommunikation, wo “Authentizität” ein großes Stück der immanenten “Virtualität” ausgleicht.  Wer an der Authentizität dessen zweifelt, der einen gewinnen will, der wendet sich ab, nirgends geht das einfacher als im Web.

Unternehmen im Allgemeinen und PR-Leute im Besonderen tun gut daran zu verstehen, dass Täuschen und anderen etwas vormachen ihnen nicht dabei hilft, nachhaltig Menschen für sich zu gewinnen. Wir fahren bei allen Meinungsführern, egal ob Journalisten, Blogger oder der Twittersphäre, einhundert Mal besser, wenn wir den Bullshit-Generator auslassen und einfach, klar und deutlich mit den Leuten sprechen. Auch über Schwächen, wenn sie relevant sind. Auch über Probleme. Man kriegt was man gibt: Das gilt für Anerkennung ebenso wie für Respekt. Aber eben auch für “Verarschung” und nicht ernst nehmen. Deswegen lohnt es sich, das Risiko einzugehen und sich zu öffnen. Indem man sich zeigt, wie man ist, wird man sicherlich auch Kritik ernten, und man wird bestimmt auch einige Anhänger verlieren. Aber man wird klarer erkennbar, und man gewinnt deutlich mehr Anhänger dazu.

Langfristig: Mehr Fürsprecher gewinnen als Gegensprecher

Das Web 2.0 verändert die Art, wie sich Menschen eine Meinung bilden, grundlegend. Eine Zeit lang mag sich der Konflikt zwischen Unternehmen und den Interessengruppen verschärfen. So wie sich die Unternehmen Profis zur Seite holen, um ihre Interessen zu verteidigen, so rüsten auch die Interessengruppen auf: Mit den Waffen des Web 2.0 in einem Guerilla-Krieg. Das ist ein Krieg, den die Unternehmen langfristig nicht gewinnen können. Der Fall von “Bahn vs. netzpolitik.org” zeigt, dass man als Unternehmen gegen gut vernetzte Interessengruppen wenig Chancen hat, wenn man sie als Gegner begreift. Gute PR-Profis verstehen schon lange, dass es keinen Sinn macht einen “Krieg” zu führen; denn meistens verliert auch der Gewinner an öffentlicher Reputation.

Social Media sind eine sehr große Chance für Unternehmen und die PR, Konflikte positiv zu lösen, indem sie sich nicht darauf konzentrieren, Gegensprecher abzuwehren, sondern Fürsprecher für sich zu gewinnen. Fürsprecher bedeuten Stärke. Der Weg, Fürsprecher zu gewinnen, führt über zuhören und die Interessen der anderen ernst nehmen. Je authentischer das ist, je mehr echte Menschen in echten Dialog treten, desto glaubwürdiger und erfolgreicher ist das.

Je schneller sich ein Unternehmen darauf einlässt, mit Menschen in einen ehrlichen Dialog zu gehen, desto schneller werden sich Menschen für das Unternehmen bekennen: Durch Empfehlungen, followen in Twitter, positive Kommentare, Fanship in Facebook, Bewertungen in Blogs und vieles, vieles mehr. Je mehr Fürsprecher ein Unternehmen für sich gewinnen kann, desto stärker wird es, und desto ungefährdeter kann es authentisch sein. Ein kleiner Nebeneffekt: Je authentischer sich ein Unternehmen mit dieser Kultur auseinandersetzt, desto mehr ist es dabei. Meinungen werden immer mehr im Netz gemacht. Und nur wer dabei ist, darf mitreden.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
  • Pingback: logbuch:caasn:de » Blog Archive » authentisch öffentlich beziehunggsgemäßes

  • Pingback: Featuring: Jean-Pol Martin – 7 Fragen an… oder: Was bleibt, wenn Du tot bist… « Die Göre lebt – das Blog zu 7 Beruf(ung)en

  • Pingback: Wir haben Euch (auch) lieb | PRlen

  • countUP (Arnold Melm)

    So inhaltsleer ist der Begriff “Authentizität” nicht mehr, wenn man hier die Kommunikationsmodelle von Schulz von Thun sowie von Watzlawick im Hinterkopf hat. Dann geht es dabei weniger einzig um eine Eigenschaft des Kommunikators oder dessen Mandanten, sondern um das ganze Beziehungsgeschehen. Es muss vom Gegenüber her gedacht werden: Wie kommen die Botschaften dort an? Und da ist es eben nicht so, dass Sachinformationen nur sachlich sind. Sondern sie werden genauso als Aufforderung, Hinweis auf die Beziehung oder als Selbstdarstellung verstanden. Das hat Mirko in seinem anderen Beitrag sehr schön dargelegt. Aber diese Erkenntnis muss Konsequenzen haben. Wir können eben die Zielgruppen nicht mehr mit dem Nürnberger Trichter füllen. Sender-Empfänger-Modelle haben ausgedient. Wir müssen beim gemeinsamen Verstehen beginnen. Und das meint für uns: Mindestens ebenso das Verstehen des Anderen mitdenken. Zuhören können. PR muss empathisch werden. Man kann es auch aphoristisch ausdrücken wie Sascha Lobo es gerade twitter: “Bei zwischenmenschlichen Problemen sollte man stets die Möglichkeit in Betracht ziehen, selbst total bescheuert zu sein.” Nur so können Dialoge zu Win-Win-Situationen werden.

    Noch eine Bemerkung zu PR und Verkauf. PR hat ein anderes Ziel als den unmittelbaren Verkauf. Sie ist Wertschöpfung des gesamten Unternehmens, der Marke … durch geplante Kommunikation. Ein Unternehmen (eine Marke etc.), das bekannt ist, dem geglaubt wird, dem Vertrauen entgegengebracht wird, das sich Interessen anderer stellt, das sein Image pflegt und aufbaut hat ein anderes Standing in der Öffentlichkeit, sodass dessen Produkte auch höheren Absatz haben werden. Das alles kann PR und nur sie. Das unterscheidet PR von Werbung, die nur eines will: Verkauf. Wobei beide am effektivsten sind, wenn sie gemeinsam daher kommen als integrierte Kommunikation, in der sich die Ziele nicht widersprechen.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Isabelle Wapnitz

  • Pingback: mike kess

  • Pingback: Detlev Brechtel

  • Pingback: Mirko Lange

  • Pingback: Mirko Lange

  • Pingback: Sind PR-Berater 2.0 zwangsläufig die besseren Kommunikatoren? | PRlen

  • http://logbuch.caasn.de Carsten

    Teile ich voll und ganz, was du da schreibst. Ich befürchte nur, der Begriff “Authentizität” birgt ein Problem. Ohne ethische Konnotation, ohne eine individuelle, private Haltung, kann man ihn verwenden, was für viele aber in den Bereich Täuschung fällt, also ein taktisch motivierter Umgang mit Wahrheiten. Es ist bei Prof. Merten schön zu sehen, was für eine Lawine der Ungehaltenheit wegen seiner seltsamen Verwendung des Wortes “Lizenz” aufkommt.

    Das Ganze soll doch einen transparenten PR-Knigge ergeben, der für Käufer und Verkäufer optimale Fairness bietet. (Was in der Philosophie seit 30 Jahren auf die Ideen von John Rawls hinaus läuft.)

    Wäre sicherlich nutzvoll, kenne ich bislang nicht und könnte vielleicht auf den Begriff der “Authentizität” verzichten, weil er viele reizt, ihn nur nach den eigenen Vorstellungen zu verstehen. Da wäre ein neuer Begriff vielleicht besser.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Mirko Lange

  • http://logbuch.caasn.de Carsten

    Ja, also ich bin leider noch so viel Philosoph, dass ich grundsätzliche Ausgangspunkte gar nicht teile. (Auch der andere Text ist gut gegliedert und geschrieben, btw.)

    Problematisch ist folgendes:
    a) Begriffliche Unklarheiten
    b) Die Vermischung von Ethik und Wirtschaft, d.h. die Vermischung von Wissenschaftlichkeit und Organisationseinheiten, die dem Maßstab von Wissenschaftlichkeit, der da ist, der Wahrheit verpflichtet zu sein, nicht notwendig unterliegen müssen.

    a) ist bei Prof. Marten schon zu finden, der insofern Recht hat, als dass es sicherlich der Fall ist, dass das In-Kauf-nehmen von Täuschungen durch Wirtschaftsakteure zu deren Repertoir gehört. Der Begriff ‘Lizenz’ ist wenn nicht irreführend, dann falsch. Falsch insofern, als dass hier etwas eigentlich Verbotenes erlaubt sei. Irreführend, wenn damit gemeint ist, es sei eine akzeptierte Technik. Den Begriff ‘täuschen’ verwendet er so, als könne man ihn ausschöpfend behandeln. Es liegt aber an Fähigkeiten einzelner, wie und wie gut sie täuschen und wie und wie gut sie getäuscht werden können. Ich zweifel, dass man das allgemein darstellen kann. Meine gebliebene Kritik an der Verwendung des Wortes “Authentizität” haben hiermit und mit b) zu tun.

    b) Ich kenne keine sinnvolle Herleitung der Ansicht, dass es einen speziellen Bereich der Ethik gibt, die sich eigens auf wirtschaftliche Dinge bezieht. Während Ethik das Handeln von menschlichen Akteuren sich selbst und anderen gegenüber regeln soll, sofern ihre Handlungen Gefahr laufen, in die Freiheiten anderer unrechtmäßig einzugreifen, werden in der Wirtschaft Handelsbeziehungen geregelt. Es geht dort um Handel, nicht um die individuell verantwortete Sittenbeachtung Einzelner. Insofern kann man von diesen wirtschaftlichen Handelsbeziehungen von einem Spiel sprechen, dass gespielt wird. Natürlich kann es in Situationen, die wegen wirtschaftlichen Interessen zustande kommen, zu etischen Problemen zwischen diesen Individuen kommen, aber das ist nicht Gegenstandsbereich von Wirtschaft. Denn diese hat dem moralischen Verhalten Einzelner nichts zu sagen, da dieser alleinverantwortlich ist und seine Verantwortung weder rechtlich noch seinem Gewissen gegenüber ablegen kann.

    Einen Kodex für PRler bezüglich des fairen Umgangs miteinander auszuklügeln, ist sicherlich reizvoll, scheitert aber als Wahrheitsannahme meines Erachtens an Grundannahmen, die nicht gerechtfertigt sind. Nochmal: So gut die Texte dazu auch formuliert sind. Ein kategorischer Imperativ bezogen auf wirtschaftliche Handelsbeziehungen ist nicht ratsam, weil er in einer Allgemeinheit für die einzelnen Beschäftigten nicht denkbar ist. Diese müssen selbst wissen, wie sie wirken, wie sie überzeugen, wie sie etwas gut verkaufen. Denn an letzterem, an einem äußeren Zweck, werden sie gemessen. Ethik steht und fällt nicht mit einem derartigen äußeren Zweck. Ob jemand ehrlich ist, kann höchstens jeder alleine wirklich feststellen, niemand von außen.

    Als Spielregel kann man sowas lassen. Dann würde ich aber enorm viel Platz lassen für die individuellen Ausgangslagen. Da du aber schon von einer “praktischen Beschreibung” von Authentizität sprichst, kommt das dem, was ich Spielregeln nenne nahe. Praktische Beschreibungen scheinen keinem Wahrheitsanspruch zu unterliegen, sondern hier sollen sich Einschätzungen in der Praxis bewähren. Damit ginge ich d’akkord. “Authentizität” als “Glaubwürdigkeit” ohne notwendigen Wahrheits- oder Wissenschaftsanspruch, was nicht im Umkehrschluss heißt, dass notwendig gelogen oder bewußt getäuscht werde.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
    • http://mirkolange mirkolange

      Hallo Carsten,

      wenn Du mit ethischen Dimensionen Probleme hast, dann sind wir absolut beieinander. Ich versuche ja gerade, die Diskussion aus der Ethik in die Praxis zu holen. Ich meine alles, was ich sage, absolut pragmatisch. Da ist kein erhobener Zeigefinger dabei, da geht es in keiner Weise um ein “Das macht man so”. Das ist genauso als ob ich schreibe, man sollte einen Pressetext mit dem Wichtigen anfangen.

      Ich fordere schon länger (ganz konkret), in der PR-Ausbildung nicht nur ein paar Stunden über Kodezies zu lehren, sondern Techniken, wie man authentisch kommuniziert, und Techniken, wie man sich gegen einen möglichen Auftrag (nicht Lizenz) zu täuschen wehren kann. Oder anders gesagt: Wie man Alternativen zum Täuschen entdeckt. Ich denke, dass ist (auch) Handwerk. Man kann das lernen. Und man muss das lehren.

      Auch Deine Kritik an begrifflichen Unklarheiten teile ich. Ich kann es leider nicht besser. Nicht im Sinne des Ausdrucks, die Begriffe sind einfach im Sprachgebrauch sehr unklar. Wie schade, dass wir nur linear sprechen können.

      Und weil ich eben praktisch argumentiere und nicht ethisch, muss ich meines Erachtens nach die Frage nicht perfekt klären. Ich will vielmehr zu ersten konkreten Schritten animieren und eine Dabatte anstoßen. Jemehr sich ein Mensch über Authentizität Gedanken macht und über seine Wirkung, desto mehr hat er die Chance, etwas mehr Authentisch zu sein. Das ist nicht digital.

      Wenn sich PR-Menschen (eigentlich jeder, aber bleiben wir mal bei der PR) nur etwas mehr über ihren Rolle, über ihre Verantwortung und über ihre Beziehung zu ihrem Gesprächspartner bewusst werden, ja sich ÜBERHAUPT mal bewusst werden, dass sie mit konkreten menschlichen Wesen sprechen, desto besser wird ihre Arbeit.

      Fazit: Ich spreche nicht über Ethik. Ich spreche über Qualität.

      VN:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
      VN:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0 (from 0 votes)
  • http://www.twitter.com/dieGoerelebt Dörte Giebel

    Ja, die Frage nach Authentizität wird in der PR eine immer größere Rolle spielen – weil das Versteckspiel nicht zuletzt durch Web 2.0 immer schwieriger wird. Kommunikative Einbahnstraßen sind längst schon keine mehr, doch viele Unternehmen wundern sich tatsächlich noch über den Gegenverkehr…

    Doch noch ist es sogar als einzelner (PR-)Mensch unglaublich schwer, sich des wachsenden Authentizitätsdrucks bewusst zu werden und sich ihm zu stellen. Gerade beim Twittern mache ich die Erfahrung, dass ich mich nicht wirklich gut aufspalten kann in meine verschiedenen Rollen. Und es wird zur immer größeren Herausforderung, mit der “Veröffentlichung meiner Person” klar zu kommen. Das ist also schon als Einzelwesen schwer, wie kompliziert ist es da für eine ganze Organisation, die ja aus hunderten und tausenden von Einzelwesen besteht…

    Was Unternehmen jetzt mal ganz schnell begreifen müssen, ist, dass alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längst oder aber ganz bald ganz schön öffentlich kommunizieren werden – nämlich in den sozialen virtuellen Räumen, die sie zunehmend nutzen. Darüber wird meines Erachtens noch viel zu wenig geredet, da wären PR-Agenturen jetzt eigentlich gefragt: als Berater und Trainer und Coaches.

    Vielleicht schweife ich jetzt schon zu weit ab, angeregt von dem wirklich guten Artikel, der meines Erachtens den Nerv der Zeit sowas von trifft!

    Ich habe keine Lust mehr, mit meinen Kunden über vertriebsunterstützende Produkt-PR zu reden, über Reichweiten und Zielgruppenaffinität, über PR also, die immer noch als eine Abart von Werbung missverstanden wird. Ich möchte über Kommunikation im Sinne von Dialog reden, Dialog zwischen Menschen, zwischen Menschen und Organisationen, die sich auch nur aus Menschen zusammensetzen, die anderen Menschen etwas bereitstellen.

    Dialog funktioniert eben grundsätzlich nur, wenn er mit größtmöglicher Authentizität geführt wird. Der Empfänger spürt schnell, wenn sich der Sender verstecken will. Das ist ja nicht erst so, seit es das Web 2.0 gibt. Zu glauben, irgendwo fände Kommunikation frei von Eigeninteressen statt, ist ja blauäugig. Auch im Privaten empfinde ich es dabei übrigens als Manipulation, wenn mir jemand zu hartnäckig sein persönliches Interesse verheimlicht hat bzw. dies erst im Nachhinein offensichtlich wird. Manipulation ist für mich – mal ganz unwissenschaftlich gesprochen – der Gegenpol zur Authentizität. Und den Mut zu haben, weniger zu manipulieren, sondern sich authentischer im Dialog zu zeigen, das ist DIE Herausforderung für Menschen und Organisationen gleichermaßen in diesen Zeiten.

    Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun in dieser Konsequenz auf die Unternehmenskommunikation anzuwenden, halte ich für längst überfällig. Danke Mirko!

    Ich belasse es jetzt bei diesen eresten Gedanken und lasse weitere folgen, wenn ichs noch ein bisschen mehr sortiert habe.

    Es grüßt herzlichst
    die PR-Göre Dörte Giebel

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • http://www.text-raum.de Sabria David

    Nur eine Anmerkung: Für ein Unternehmen authentisch zu kommunizieren, heißt nicht, ALLE Informationen preiszugeben. Es bedeutet, dass die Aussagen, die getroffen werden, echt sind.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
    • http://mirkolange mirkolange

      Hallo Sabria. Absolut. Soweit es Sachinformationen angeht, ja. Da darf man Authentizität nicht mit “Transparenz” gleichsetzen. Ich meine aber, dass mann zur Sachinformation (die man gibt) nicht darüber täuschen darf, als was man spricht, wie man zu seinem Gegenüber steht und was man bezweckt. Genau DAS verstehe ich unter Authentizität (s.a. http://bit.ly/xZCfH)

      VN:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
      VN:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0 (from 0 votes)
    • http://www.cloos.at Jean-Lou Cloos

      Hierzu eine Ergänzung. Helmut Schmidt hat einmal gesagt:”Man muß nicht alles sagen, aber es muß das, was man sagt, wahr sein.”

      VA:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
      VA:F [1.9.22_1171]
      Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Dörte Giebel

  • http://logbuch.caasn.de Carsten

    Der Text ist gut lesbar, soviel will ich mal voran schicken. Für einen kleinen Schönheitsfehler empfinde ich, dass der Begriff “Authentizität” nicht geklärt wird, nur in Richtung “Ehrlichkeit” geschubst wird. Nun besteht hierin aber gerade die Cruix. Ein PRler hat wie auch immer die Aufgabe, einen Verkaufsvorgang zu unterstützen. Es wäre also von einem angesprochenen, potentiellen Käufer etwas naiv, nicht im Hinterkopf zu haben, dass da gerade jemand etwas verkaufen will, auch wenn diverse Informationen, die der Verkäufer hat, stichhaltig sind. So ist von Produkt zu Produkt, von Firma zu Firma, von Verkäufer zu Verkäufer immer neu zu erkennen, in wie weit eine Verkaufsstrategie Rücksicht auf “Authentizität” nehmen sollte.
    Gewinnt der Angesprochene den deutlichen Eindruck, die vorgegebene Ehrlichkeit sei nur Teil einer Verkaufskampagne, und damit nur Heuchelei, kann der Schuss sehr simpel nach hinten gehen.

    Grundsetzlich kann man aber sagen, dass man nie sicher sein kann, dass irgendein Käufer einen Verkäufer gänzlich für authentisch, und somit für einen ausgewiesenen, unparteiischen Sachberater hält. Dazu wäre sehr viel persönliches Vertrauen nötig oder viel Naivität.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Dörte Giebel

  • Pingback: Mirko Lange