Der (schmutzige?) Kampf um die Deutungshoheit – Generation Upload trifft Generation Polemik

Posted by mirkolange on Juli 11, 2009 at 11:41 pm.

Ich bin seit gut zwei etwa vier Stunden unruhig. Ich ärgere mich. Warum? Ich habe eine Replik von dem Verfasser eines FAZ-Artikels zum Thema “Vodafone” bekommen, den ich kommentiert hatte. Und ich bin aus dem Kopfschütteln irgendwie nicht mehr raus gekommen: Die reinste Polemik, persönlich, unsachlich, ja sogar nahe an Verleumdung. Von einem (vermeintlichen) FAZ-Journalisten! Jetzt habe ich das recherchiert und verstehe es viel besser. Und ich schreibe darüber in diesem Blog, weil es für mich viel von dem Millieu verdeutlicht, in der Meinungsbildung aktuell stattfindet. Er schließt fast nahtlos an einen der letzten Blogbeiträge “Waffengleichheit” an. Man kann daraus lernen.

Der FAZ-Journalist heißt “Don Alphonso”. “Aha!  Don Alphonso”, wird vielleicht manch einer sagen. Ich kannte bisher flüchtig seinen Namen, aber nicht seine Historie. Don Alphonso heißt mit bürgerlichem Namen Rainer Meier. Er war mal ein bekannter Blogger. Glaube ich zumindest. Oder er ist es noch.  Interessant zu Don Alphonso finde ich den Beitrag von Stefan Niggemeier: “Don Alphonso will kein Dreckschwein sein” sowie den von Peter Turi in Lexikon2.de: “Er selbst hält sich für den Paten der Blogs, andere sehen ihn ihm eher einen Troll und Taugenichts”. Egal, jedenfalls schreibt Don Alphonso seit einiger Zeit auch für die FAZ.

Und Don Alphonso alias Rainer Meier schreibt für die FAZ nicht nur Glossen oder Kommentare, er schreibt auch richtige Beiträge. Journalistische. Zumindest im redaktionellen Teil. Da steht einfach irgendwo sein Name, und der unerfahrene Leser denkt sich nichts besonderes dabei. Wie heute bei seinem Beitrag mit dem Titel “Vodafone lädt auf und eckt an“. Dieser Artikel ist nicht in der Rubrik “Blogs” erschienen, auch nicht unter der Rubrik “Glosse” oder “Meinung”, sondern unter “Aktuell | Feuilleton | Medien”. Und der Artikel liest sich auch wie ein journalistischer Bericht.

Aber ist er es auch? Ein journalistischer Bericht? Oder ist es Vodafone-Prügel von einem fundamentalistischen Blogger, der geschickt die – praktischerweise ja vielfach vorliegenden – negativen Berichte in der Bloggersphäre nutzt, um seine Meinung zu transportieren? Don Alphonso ist nämlich parteiisch. Sehr parteiisch. Er ist befangen. Seine Geisteshaltung sieht man sehr schön an den Beiträgen in seinem Blog, besonders schön der Beitrag “Das angeblich originale vodafail blogposting” (s.a. Kommentare). Darf so jemand einen Beitrag in der FAZ schreiben? In einem Leitmedium? Da diskutiert die Welt über die zunehmende Bedeutung der klassischen Medien für die Orientierung in einer Welt voller zweifelhafter Informationen im Social Web, und dann schreibt in einem Leitmedium jemand über ein Thema, über das er sonst sonst nur Häme und bissigen Spott verbreitet. Damit mich keiner missversteht: Die Meinung von Don Alphonso ist mir heilig. Er darf Vodafone und die Aktionen finden wie er will. In vielen Dingen gebe ich ihm sogar recht. Aber ich frage mich, ob so jemand der richtige Mann ist, um die Meinungsbildung verantwortungsvoll zu “leiten”. Denn er nimmt genau die Kritik in den Blogs auf, ohne (auch) den Kontext darzustellen.

Sei es drum, es ist ja auch Teil des Meinungsbildungsprozesses, dass Debatten geführt werden. Dass zusätzliche Aspekte von anderen Diskussionteilnehmern aufgezeigt werde. Ich empfand den Artikel von Don Alphonso (ohne da schon seine Geisteshaltung zu kennen) spontan als einseitig, weil er den Aspekt “Öffnung durch Vodafone” völlig ausklammert (s.a. Holger Schmidt in seinem Beitrag: Vodafone und die Blogger). Er vermittelt aus meiner Sicht einen falschen Eindruck von dem, was bei Vodafone stattfindet. Und so verfasste ich eben diesen Kommentar:

Generation Rumgemecker
Ich muss sagen, dass mir ein “Was immer Du startest, es kann die Welt bewegen” deutlich mehr gefällt als ein “Pass bloß auf, es könnte ein Debakel werden”. Lieber “Herr Alphonso”, warum reihen Sie sich auch in die Reihe derer ein, die über Vodafone herziehen? Weil das die Wahrheit ist? Ist sie nicht. Ich widerspreche. Ich war auch in der Pressekonferenz, und in den Bemerkungen waren auch eine ganze Menge sehr anerkennende Worte. Würde es die journalistische (oder auch ethische) Pflicht nicht gebieten, BEIDE Seiten darzustellen? Ganz ohne Frage hat Vodafone Fehler gemacht. Aber es ist trotzdem extrem anerkennenswert, dass sich Vodafone (als erster?) Consumer-Konzern dieser “Generation Upload” stellt, die sie empowern will. Und das ist ein sehr guter und sehr lobenswerter Schritt. Ich habe das ja schon an anderer Stelle gesagt (http://blog.talkabout.de) und dort ist es auch schon reichlich diskutiert worden. Jede Veränderung beginnt mit einem Dialog. Ich würde mich freuen, wenn wir in Deutschland eine Kultur entwickeln könnten, die auf Öffnung und Anerkennung fußt. Alle fordern das immer ein, aber wenn es mal jemand macht, dann wird nach Kräften drauf eingeschlagen. Ich finde das schwach. Und verlogen. Denn das ändert nichts.

Ich meine das wirklich. Ich glaube, dass die Welt besser wird, wenn sich Unternehmen den Menschen im Diskurs offen stellen. Und Vodafone tut das. Natürlich ist das nicht “die Wahrheit”, aber es ist zumindest ein Aspekt, über den man trefflich (und sachlich) diskutieren kann. Stattdessen bekomme ich (öffentlich!) folgende Replik:

Generation Egopromotion
Lieber Herr Lange, ich wäre Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie bei solchen Äusserungen einen Hinweis einflechten könnten, wer und was Sie sind: Ein PRler nämlich, der nun schon, wie andere Kollegen der Branche, etwa Herr Lünenburger von Edelman, seit einiger Zeit durch diverse Blogs zieht und Stimmung für Vodafone macht. Ihr selbstgebastelter Blogeintrag ist übrigens der Freundlichste, den ich finden konnte, und zugleich auch jener, den Vodafone selbst als einzigen unter bichstäblich tausenden negativer Reaktionen verlinkt hat. Ich muss gestehen, dass ich mich dem Urteil eines Ihrer Kollegen, der diese Haltung – die auch ih Ihrem Kommentar zum Ausdruck kommt – mit dem schönen Wort “Beratungsgeier” belegt hat, nicht ganz verschliessen kann (http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2009/07/vodafone-wir-haben-nichts-verstanden.html). Ich empfand diese Form der Eigenwerbung bestenfalls als marginal, insgesamt aber ganz sicher nicht als zitierenswert. Vodafone ist selbst breit zu Wort gekommen. Ein Testimonial von Vodafone ist zu Wort gekommen. Insofern fände ich es reizend von Ihnen, mir keine Belehrungen zum Journalismus zu erteilen; ich gebe Ihnen ja auch keine Seminare in schamloser Egopromotion.

Man ziehe sich das mal rein. Vodafone ist mit der Kritik deutlich professioneller umgegangen. Nicht der kleinste Ansatz vom Don, auf die inhaltliche Frage einzugehen. Vielmehr persönlich beleidigt sein, Fragen als Belehrungen verstehen und ansonsten reine Polemik. Wobei das, was Don Alphonso macht, eigentlich nicht einmal den Namen “Polemik” verdient. Zitat Wikipedia zu “Polemik”: “Gegebenenfalls bedeutet dies auch die – mehr oder weniger – subtile Beschuldigung des Opponenten, keineswegs jedoch den Verzicht auf sachliche Argumente.” Don Alphonso verzichtet komplett auf die Argumente und beschränkt sich darauf, mich als Person zu diskreditieren. Und dabei schreckt er auch vor Populismus – und ich würde fast sagen: “Stigmatisierung” – nicht zurück. Alleine, dass ich ein “PRler” bin, scheint mich zu disqualifizieren. Er erweckt damit sogar den Eindruck, dass ich nur deswegen positiv über Vodafone rede, weil ich von Vodafone bezahlt bin – oder fast noch schlimmer: es gerne wäre. Abgesehen davon ist es schlichtweg falsch, dass ich “seit einiger Zeit Stimmung für Vodafone” mache. Ich habe vor zwei Tagen einen (!) differenzierten und durchaus nicht kritikarmen Blogbeitrag geschieben – wobei PRler ja scheinbar nicht schreiben (so wie echte Blogger oder Journalisten), sondern “selbstbalsteln” (s.o.). Und offensichtlich braucht er inhaltlich auf meine Fragen nicht einzugehen, weil ich ja nur “schamlose Eigenpromotion” betreibe.

Ich fände so etwas okay, und würde mich gar nicht beschweren, wenn ich mich “auf der Straße” bewege, also wirklich in der tiefen Blogosphäre. Da gehört *dieser* Ton vielfach zum *guten* Ton. Im Umfeld der FAZ hätte ich allerdings etwas anderes erwartet. Inzwischen geht meine Irritation allerdings mehr in Richtung der FAZ, dass sie Don Alphonso ein Forum gibt. Irgendwie finde ich das gar nicht so weit weg von dem aktuellen Aufreger, wo PRler verdeckt einseitig *positive* Beiträge in fundamentalistischen Blogs schreiben. Dass fundamentalistische Blogger jetzt quasi verdeckt einseitig *negative” Beiträge in klassischen Medien schreiben, finde ich eine interessante Variante.

Aber zurück zum eigentlichen Thema, zur “Generation Polemik”. Ich finde die aktuelle Situation in Deutschland einfach nur bedauerlich. Wir haben keine Kultur des Respekts vor Engagement. Keine Kultur der Anerkennung. Keine Kultur der Differenzierung. Überall wird sofort Raffgier und rein wirtschaftliches Interesse vermutet, streng nach dem Motto: “Vodafone tut ja nur so, als ob sie sich öffnen, damit sie uns besser bescheißen können – aber nicht mit uns!” Ich wiederhole hier noch einmal, was ich schon vorher gesagt habe: Ich finde, Vodafone hat Anerkennung verdient. Sie haben keine Anerkennung für eine tolle “Social Media Aktion” verdient, die war tatsächlich schlecht. Und ich halte die Testimonials auch für nicht unbedingt glücklich gewählt.

Aber Vodafone wagt etwas. Sie stellen sich, sie setzen sich mit dem Feedback auseinander. Sie verstehen “Social Media” noch nicht wirklich, auch nicht, was jetzt hier gerade mit ihnen vorgeht. Das ist okay. Wer versteht “Social Media” schon? Aber sie wollen es. Und das finde ich bemerkenswert. Mir ist egal, wie sehr man mich als “Beratergeier” tituliert oder mir “schamlose Eigenpromotion” vorwirft: Ich werde weiterhin jeden anerkennen, den ich anerkennenswert finde. Und ich werde weiterhin in diesem Blog Fehler und Alternativen aufzeigen, so ich denn meine, welche zu sehen.

Ich persönlich will mich von diesen (sehr geschickten) Polemikern nicht ins Bockshorn jagen und mundtot machen lassen. Ich werde weiterhin sagen, was ich denke, und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Unternehmen transparenter werden, offener und authentischer kommunizieren, und: AUCH FEHLER MACHEN DÜRFEN! Und ich möchte jeden anregen, es genau so zu tun. Ich mag den Begriff “Generation Upload” nicht, er ist mir viel zu wenig “dialogisch”. Aber noch viel weniger mag ich die “Generation Polemik” oder die “Generation Nörgler”.

P.S. Ich will noch darauf hinweisen, dass talkabout mal für Arcor gearbeitet hat, die ja heute in Vodafone aufgegangen sind. Wir wurden im März 2008, als Arcor noch eigenständig war, mit Pressearbeit für den Geschäftskundenbereich von Arcor beauftragt. Von “Social Media” haben wir nicht mal ansatzweise besprochen. Die Zusammenarbeit wurde im Zuge der Überahme Arcors durch Vodafone Anfang des Jahres eingestellt. Hier gibt es keinerlei Zusammenhang zu der aktuellen Diskussion. Und mir wäre es wirklich egal, ob das Vodafone, Pampers oder die Kamps-Bäckerei wäre.

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  • Ach ja die Neidkultur. Auf was bitte schön soll man denn bei den Leuten die sich an Vodafone und Zensursula verkauft haben neidisch sein? Das ist Quatsch und bevor du weiterhin solchen Blödsinn erzählst, lies bitte einmal diesen Text.

    http://martina-kausch.de/index.php?/archives/46...

    Sascha Lobo und Nico Lumma sind einfach ein paar kleine schmierige Geschäftemacher, die weder Ehre noch Charakter kennen oder beides zumindest nicht zeigen.

    Die beiden hatten bis heute nicht den Mut, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Die beneidet keiner, sondern sie werden weitgehend verachtet und das zu recht.
  • Don Alphonso ist natürlich so ein Fall für sich. Oft trifft er mit seiner Kritik auch meinen Nerv, aber in den seltensten Fällen drückt er es so aus, wie ich es ausdrücken würde. Soll aber egal sein, solange er das auf seiner Plattform macht. Genau da möchte ich Dir nämlich beipflichten, Mirko - beängstigend, dass er in dieser offensichtlichen Befangenheit auch "normale" Artikel für die FAZ verfasst und Leser-Reaktionen genauso schroff wie auf seinem Blog abwatscht. Das lässt einen schon ins Grübeln kommen.
    Auch bei der "Generation Polemik" gebe ich Dir Recht. In Deutschland trifft man eher auf Missgunst und Neid als auf Respekt und Anerkennung. Irgendein Mensch hat mir mal erzählt, was einer der Unterschiede zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wäre: "Wenn jemand mit einem dicken Auto in Deutschland an der Tankstelle steht, tuschelt man, dass er bestimmt heute Papis Auto fahren darf oder den Wagen geschenkt bekommen hat. In den Vereinigten Staaten gratuliert man ihm offen zu dem schönen Auto und fragt ihn danach, was man vollbringen muss, um sich ebenfalls ein so außergewöhnliches Auto leisten zu können."
  • mirkolange
    Hallo Katrin,

    gibt es wirklich nur schwarz/weiß? Ohne Frage kann Vodafone deutlich mehr in Sachen machen, als sie jetzt tun. Wie jeder immer mehr machenkann, als er gerade tut. Aber sie machen bereits jetzt deutlich mehr als jeder andere Consumer Konzern im Social Web. Und es ist zu kurz gesprungen, sich nur die missglückte Pressekonferenz anzuschauen. Inzwischen hat ja Vodafone auch zu vielen in der Pressekonferenz angesprochenen Themen Stellung genommen. Und ich glaube nicht nur aufgrund des Drucks der Kritiker.

    Und ich tue die geäußerte Kritik mitnichten als "Rumgemecker" ab. Im Gegenteil. Ich teile sie größtenteils. Ich werbe nur für eine differenzierte Betrachtungsweise. Nicht mehr und nicht weniger. Gerade wenn es um neue oder komplexe Sachverhalte geht. Gerade von einem "Leitmedium" wie der FAZ erwarte ich das. Denn Dinge differenziert zu betrachten und den Leser darüber zu informieren ist die einzige Daseinsberechtigung für die "alten Medien". News, Meinungen und einseitige Beiträge findet man in den "neuen Medien" mehr als genug. Als "kritischer Journalist" nur die negativen Aspekte zu beleuchten ist genauso verwerflich wie als PR-ler nur die positiven Seiten zu nennen.

    Und wenn ich jemanden persönlich diskrediterit haben sollte, täte es mir leid. Ich wüsste aber nicht, wo ich das getan hätte. Dawäre ich über einen Hinweis dankbar.
  • Mirko Lange
    Danke, Sascha. Alles weitere hoffentlich bald f2f.
  • Hi Mirko,

    die Gelegenheit finden wir sicher. Und ja, es ist keine Kleinigkeit, die stattfindet. Recht überzeugend hat das u.a. Dirk Baecker, Professor an der Zeppelin University in seinem Buch "Studien zur nächsten Gesellschaft" beschrieben. Ein zentraler Begriff darin: Sinnüberschuß. So wie ich das verstanden habe: Durch unsere Debatten reduzieren wir das Zuviel an potentiell Sinnvollem, auf das für uns erträgliche Maß. Der Furor dabei mag daher rühren, dass wir uns gegenüber Anderem (und Anderen) umso schärfer abgrenzen müssen, je näher und vor allem fast ebenso sinnvoll es ist/sie sind. (In anderem Kontext sprechen Psychologen von einem "Narzismus der geringen Differenz" und erklären damit u.a. die Heftigkeit im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern). Du siehst, auch ich kann das große Fass aufmachen.

    Im Fall Vodafone (und im Disput mit Don) wäre es m.E. jedoch besser, sich zu fokussieren. Zum einen impliziert die Headline "Doch wer hat sie beraten?" auch für mich, dass Du überzeugt bist, es hätte jemand besseres sein können. Zum anderen halte ich Deine vermischte Kritik an Don und der FAZ für Web 0.1ig, denn eine für mich entscheidende Perspektive des neuen Internets ist die Stärkung der Autoren (die sich noch nicht in der Bezahlung widerspiegelt) und die Stärkung des Publikums. Die - verkürzt gesagt - Kritik an der FAZ, was für einem windigen Autor sie denn da ein Podium gäbe, offenbart da einen leichten autoritären Reflex. Und die Selbstbeschreibung als "nur PR-Berater" finde ich auch zu defensiv. Wir sind Autoren, wir arbeiten (in der professionellen Rolle) im Auftrag, wir wollen unterhalten, wir legen unsere Interessen offen, wir nehmen unser Publikum ernst und wir müssen journalistisches Handwerkszeug drauf haben. Nur so entsteht Qualität. Und wenn die Journalisten all das besser können, wird das Publikum sie mehr lieben. Verstecken müssen wir uns dennoch nicht.
  • Katrin Minkmann
    Hm, Sie schreiben davon, dass Vodafone sich dem Dialog stellt, aber genau das haben sie ja nicht getan:Tausende Bemerkungen, Kommentare, Blogposts etc. kommen herein und die meisten kritisieren die Englischen Worthülsen, die falschen Tarife und die Zusammenarbeit mit Zensursula.

    Das tun Sie als "Rumgemecker" ab. Was bitte schön ist denn das fpr ein Dialog?

    Und genau darum geht es Don Alphonso.

    Übrigens interessant: Sie beschweren sich darüber, dass er sie als Person diskreditiert und tun es selbst doch auch.

    Ist das Dialog? Nee, das ist Kindergarten.
  • mirkolange
    Hi Sascha, hmm...

    ich reflektiere, ob das wirklich so ist, dass die ganze Geschichte übertrieben ist. Für sich genommen - wohl ja. Wenn man das größere Bild betrachtet - nein, dann halte ich eine Debatte doch für wichtig.

    Was im Moment stattfindet ist keine Kleinigkeit. Es gab nie in der Geschichte der Menschheit auch nur annähernd eine solche Explosion an Ausdrucksmöglichkeiten für Menschen. Und die nehmen sie wahr. Die Zahl der veröffentlichten Meinungen explodiert. Und Menschen lesen das und bilden sich auf der Basis eine Meinung. Und wir sehen, dass es viel "unauthentische" Informationen gibt: Fake-Accounts, PR-Aktionen, Trolle und, und, und. Es wird also enorm schwierig, sich eine angemessene Meinung zu bilden. Aber diese Meinung ist die Grundlage für Wahlen und Entscheidungen. Also letztlich für unsere Demokratie. Wie gesagt, das ist nicht meine Meinung, sondern das ist ganz einfach im Grundgesetz so verankert: Presse- und Meinungsfreiheit gehören zu den wichtigsten Grundregeln unseres Staatssystems - und die regeln genau die Meinungsbildung.

    Was allerdings auch wahr ist: "Zweifelhafte" Meinungsmache gibt es schon lange, Stichwort "Bild Dir Deine Meinung". Und vielleicht sind die Menschen intelligtenter als ich (bzw. als "man") meint, und sie können damit umgehen. Ich bin mir aber da wirklich nicht sicher. Das Thema kam so schnell und so gewaltig, und Menschen sind im allgemeinen nicht so (schnell) anpassungsfähig.

    Und auch noch ganz wichtig in diesem Zusammenhang. Ich halte hier keine Vorträge: Ich reflektiere. Und ich freue mich, wenn eine Debatte zusammen entsteht. Ich lese die Antworten, nehme sie sehr ernst und mache mir darüber Gedanken. So bilde ich mir meine Meinung. Und Menschen die das interessiert, können die Debatte verfolgen und sich vielleicht auch eine (differenziertere) Meinung bilden.

    Und ich finde es richtig, wenn Leute wie Lobby-Control oder Don Alphonso (und viele andere) jeden Manipulationsversuch öffentlich kritisieren. Die manipulativen PR-Aktionen der Bahn wurden ganz breit diskutiert. Ebenso die (angeblichen) des Bauernverbandes.

    Was aber enorm wichtig ist: Es muss eine DEBATTE zustande kommen. Und in dieser Debatte werden idealerweise alle (relevanten) Aspekte eines Sachverhaltes diskutiert. Nur so entsteht ein differenziertes Bild. Und die Welt ist heute so kompliziert, dass ihr nur ein differenziertes Bild gerecht wird. Ich glaube jedenfalls sehr daran, und ich bin für mich sehr bemüht, Dinge differenziert zu sehen.

    Dass ich so viel über Vodafone geblogt habe, liegt einfach daran, weil Vodafone exemplarisch für "Corporate Social Media" steht. Das ist mein Beruf. Also frage ich mich, was ich daraus lernen kann und teile meine Überlegungen - ganz social-media-like - mit anderen Menschen. Hier ist das ein "PR-Fach-Blog". Dass ich dann Don Alphonso kritisert habe hat eine andere Grundlage: Hier wurde versucht, in einem Leitmedium eine Debatte mit unlauteren Methoden verhindert. Das ist ganz schlechter und unkultivierter Stil. Ich finde das ähnlich kritikwürdig, wie ein Manipulationsversuch der PR-Leute - nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Auch "PR-ler" haben Rechte. Auch die können ihre persönliche Meinung sagen. Auch sie können Argumente anbringen.

    Ein weiterer Gedanke: Mein Kollege Stefan Oßwald (@denQuer) sagte letzten zu mir im Rahmen dieser Debatte: So ist das eben in der Blogosphäre. Da wird schnell mal drauf eingeprügelt. Vielleicht bin ich noch nicht lange genug in der Szene. Aber ich ich finde das problematisch. Prägt das vielleicht unsere Kultur? Und was passiert denn im richtigen Leben, wenn man nicht besonnen die verschiedenen Aspekte abwägt, sondern erst mal losprügelt?

    Und noch etwas, und bitte verstehe mich da nicht miss: Ich habe für mich bzgl. des Blogs eine Entscheidung getroffen. Ich nutze das Blog, ich sagte das auch schon zu Ralf Schwartz, in seinem ursprünglichen Sinne: nämlich als "Tagebuch". Ich schreibe auf, was mich bewegt. Und die ganze Geschichte hier beschäftigt mich. Wenn das jemand lesen will und interessant findet, dann ist das schön. Wenn nicht, na ja, dann gibt es ja keinen Grund, das zu lesen. Ich bin ein unbedeutender kleiner PR-Berater. Mehr nicht (keine Ironie!).

    So, sorry Sacha, wenn ich dich dazu missbraucht habe, diese Gedanken aufzuschreiben. Aber sie beschäftigen mich einfach. Ich bin gespannt darauf, dich irgendwann mal persönlich kennen zu lernen.
  • mirkolange
    Och Mensch Ralf, woher meinst Du, mich so gut zu kennen? Ich meine das nicht als Vorwurf, aber ich frage mich, ob Du nicht eigene Motivationen auf mich projezierst.

    Das hier ist ein Blog, das kommt - Du weißt das - von Webtagebuch. Ich schreibe hier auf, was mich bewegt. Wie in einem Tagebuch. Niemand muss das lesen. Und das Thema bewegt mich. Eine "Kampagne" ist das nicht.

    Und auch @JochenHoff: Ich weiß nicht, ob hier irgendwie ein Missverständnis vorliegt. Weder ich noch talkabout haben irgendetwas mit der Vodafone Kampagne oder mit der Vodafone PR zu tun.

    Und wir sind uns auch völlig einig, dass man "Lernen" muss. Und ich kritisiere ja selbst ganz vieles - auch an Vodafone. Und deren Beratern.

    Ich kann also echt nicht folgen. Ich würde wirklich ungern Deine Kommentare einfach ignorieren. Weil ich das nicht gut finde: ignorieren. Wenn wir aber nicht irgendeine Ebene für einen Dialog finden, wird das schwierig. Was sind denn genau Deine Argumente außer dass ich mich produzieren will oder einäugig bin?

    Wier gesagt, oft lässt sich das leichter f2f ausmachen. Wenn Du aber wieder meinst, dass ich das nur tue, um "meinem Publikum" recht zu werden, habe ich leider auch keinen Plan mehr.

    Vorsorglich bitte ich Dich um Entschuldigung wenn ich mich weiter hier im Netz ausdrücken werde. Bitte versuche das dann doch einfach zu ignorieren, wenn es dich stört.

    Danke.
  • @mirko lange: So lange Du für ein Publikum bzw. eine Kulisse schreibst und nicht für Dein Gegenüber, wird das wohl nichts mit dem (zum 2. Male angeregten "persönlichen Gespräch", weil Du selbst es gar nicht willst - sondern vor Deinem Publikum nur so erscheinen möchtest.

    Und: Wer nicht zu seinem 'Mist' stehen kann, kann auch nicht daraus lernen.
    Mein Deutschlehrer in der 5. Klasse hat schon gesagt: "Wer sich selbst nicht zum Besten halten kann, der gehört nicht zu den Besten!"
    Es macht also keinen Sinn, immer größere Keulen auszupacken, und sich damit immer lächerlicher zu machen!

    Sinn macht nur, Fehler einzusehen, aus Fehlern zu lernen, bescheiden und ruhig zu bleiben und es beim nächsten Mal einfach besser zu machen.

    Du würdest Dir, Deinen Kunden und uns allen einen großen Gefallen tun. Denn niemand hat in den letzten Tagen eine derart persönliche, und gleichzeitig überflüssige Kampagne gefahren wie Du.
    Dieser Rat ist kostenlos.

    Ich folge Jochen Hoff.
  • So, so, es geht um den Kern unserer Demokratie. Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Schön, wie so ein im Grunde nichtiger Anlass dazu führt, dass Du uns allen dein Weltbild präsentierst. Das ist eine Debattenstruktur wie am Stammtisch, nur intellektuell etwas höher anzusiedeln und erinnert mich an Bücher von Ulrich Wickert.

    Wobei einiges stimmt ja wirklich: »Wir haben keine Kultur des Respekts vor Engagement. Keine Kultur der Anerkennung. Keine Kultur der Differenzierung.« Und wir sind innovationsfeindlich.

    Wie sehr, zeigt weniger die Debatte an sich als vielmehr ihr Auslöser, denn die eigentliche Respektlosigkeit ist die inhaltslose Vodafone-Veranstaltung.
  • Ach Mirko Lange. Vor langen Jahren fuhr ich mal mit einem Kollegen über eine nächtlich nasse Straße im Sauerland. Er fuhr zu schnell, weil er mir beweisen wollte wie gut er auch betrunken fahren konnte. Es kam wie es kommen musste. Wir knallten in eine Brückenmauer. Nicht weiter tragisch, ich brach mir einen Fuß.

    Weißt du wer schuld war. Ich. Ich hätte eben nicht mit dem Menschen den ich eigentlich so gut kannte, dass ich die Dinge hätte vorhersehen müssen, zu dieser Zeit betrunken im Auto sitzen sollen. Es gab auch in diesen grauen Vorzeiten schon Taxis.

    Ihr habt die Vodafone Kampagne voll vor die Wand gefahren und nun sind die Leute schuld, die sich kaputtlachen. Dabei lachen die gar nicht. Die sind pisswütend. Im Grunde genommen wartet nämlich die ganze Szene auf eine Möglichkeit, Bürgerjournalismus mit Werbung zu einem Minigeschäft machen zu können, das seinen Mann und Frau, wenigstens grundlegend ernährt.

    Diese Chance ist jetzt wieder einmal für lange Zeit vorbei, weil ein paar völlig unprofessionelle Trolls für schnelles Geld, jedes Denken abgeschaltet haben. Aber so wie du die Zensur von Vodafone für ein paar Silberlinge übersehen hast, wünscht du dir das die FAZ, den Don kritisiert. Hättest du nur eine Sekunde deine Pflicht getan, dann hättest du dich vorher informiert.

    Es stand alles schon lange im Netz und wer mit Sascha Lobo schwimmen geht, muss wissen, dass er schon untergegangen ist. Das Netz vergisst nichts. Es wird auch dieses Desaster nicht vergessen. So gerne du es auch möchtest. Aber das Netz verzeiht. Gib einfach zu dass ihr Mist gebaut habt und man kann weiter diskutieren.
  • mirkolange
    Was ich mit "Corporate Social Media" meine, wird hier am besten deutlich: http://blog.talkabout.de/2009/06/20/das-pr-trai...

    Alles, was Du sagst, teile ich. Und natürlich ist das, was Vodafone akuell macht, noch nicht die Erfüllung. Aber es ist (hoffentlich) der Beginn eines langsamen Wandels. Weg von der einseitgen Hau-Drauf-Kommunikation zu einem direkteren Austausch.
  • Tut mir Leid; soweit ich zu verstehen glaube was › Corporate Social Media‹ sein soll (denn auf die schnelle finde ich dazu nichts erhellend Erklärendes), bin ich dem Konzept gegenüber seeehr skeptisch. Klingt für mich nach einem weiteren Versuch, als Großunternehmen die Kunden gleich selber einzuspannen was Werbung und Marktforschung betrifft. Der Start des Blogs macht keine Hoffnung: irgendwelche Tüdel-Konzerte und Formel 1. Danke, aber solch seichter Schmu ist der Grund, weshalb ich im Netz nur sehr selektiv unterwegs bin und seit 15 Jahren kein TV gucke.

    Was Vodafone macht, ist mit 180 Millionen Aufmerksamkeit heischen. Nebenbei: Warum denkt keiner daran, die Steuern auf Werbung zu erhöhen. Ganze U-Bahn-Stationen in Frankfurt sind zugekleistert mit den Vodafon-Gedöns. Ich finde das einfach nur obszön. — Mit so viel Kohle kann man, auch als Unternehmen a la Vodafone, Klügeres machen.

    Ach ja: wo sind eigentlich die konkreten Produktangebote? Davon bekomme ich nirgendwo etwas mit. Es geht Vodafone derzeit wohl nur darum zu posaunen: »Wir empowern jetzt die Netzgemeinschaft, so die uns denn will«.

    Und gebashed werden ist nun mal die Gefahr für alle, die sich breitbeinig mitten in der schönsten Gesellschaft an den Flügel setzten und drauf los klimpern. Natürlich ist es schön, wenn jemand Musik machen möchte, denn Musik ist etwas zutiefst Feines. Aber dann sollte man auch musikalisch sein, ein Instrument spielen können und die Mukke spielen, die zur jeweiligen Gesellschaft passt. Oder um bei Douglas Adams-Metaphern zu bleiben: ›die Netzgemeinschaft‹ ist eher Zaphod Beeblebrox, und Vodafone führt sich halt auf wie Vogonen. Kein Wunder, dass Zaphod genervt abschätzig reagiert.
  • Ich habe mir inzwischen den ersten Teil der Vodafone-Pressekonferenz angeschaut. Ich finde: Fehler wurden ganz unabhängig von Web 2.0 gemacht.

    Fehler 1: Vodafone realisiert noch nicht genügend, wer seine Kundschaft ist. Sind das vorrangig Menschen, die zum ersten Mal die Buchstaben DSL hören – oder eher Menschen, die vorhaben, demnächst (weiter) exzessiv Web, Handy, Telefon zu benutzen? Wie spricht man solche Menschen an? Gar nicht? Dann braucht die PK nicht übers Web laufen. Eben doch? Dann muss man DEREN Sprache sprechen: auch optisch. Im Ernst: Was sollen dunkle Anzüge und langweilige Krawatten heute noch? Biedere Scheitel? Niemandem an den Karren. Aber für slche Auftritte muss man Leute engagieren, die, wen ich das so sagen darf, »barrierefreier rüberkommen«.

    Fehler 2: Da gibt es offenkundig einen Verkaufshitt (oder einer, der es werden soll). Das berühmte Kästchen, das via Plug&Play die neue Verbindung sofort funktionieren lässt (»der Kunde merkt nicht mal, dass das DSL dann später freigeschaltet wird). Bravo, wenn das bisher ein Problem gewesen war! Aber warum beschreibt man diesen Kasten nur mit Händen und Füßen – statt in live zu zeigen und vorzuführen? Warum nicht eine stinknormale Telefonleitung nehmen, das Modem dazwischenschalten und sofort allen Anwesenden zeigen: »Es funktioniert«? Es muss keine Apple-Show werden. Aber bisschen davon, das ist heutzutage immer gut. Wenn es nicht gekünstelt ist.

    Fehler 3: Für solch einen Neuauftritt wählt man einen etwas großzügigeren Raum. Man lässt die Gäste nicht krumm auf Hockern sitzen, man sorgt dafür, dass den Vortragenden nicht die Decke auf den Kopf fällt, und man leuchtet so aus, dass nicht ständig ein Billigschatten im Hintergrund mittanzt. Bei 180 oder 200 Millionen hatte man hierfür kein Geld? Warum überhaupt eine Pressekonferenz nur für Presseleute – wenn man das Geschehen dann doch ins Web stellt? Warum sich nicht was ausdenken, was auch den Kunden anzieht – und ihn mit einladen? Das Wort kann man in den Frageminuten ja dann trotzdem den Leuten von der Presse erteilen, erst einmal!

    Also alles ein bisschen lockerer, freizügiger, großzügiger und freudiger. Es ist doch was, wenn eine Firma einen Neustart versucht! Das ist wie Geburtstag. Da lässt man etwas springen – und teilt gute Laune aus. Aber so …

    Aber vielleicht wissen das Scholz & Friends alles noch nicht – und wollten es sich auf diese Weise sagen lassen. Ich glaube allerdings: Die Regie für diesen Auftritt – lag bei den Vodafone-Leuten selbst. Hey, Leute, lasst auch hier die Profis ran!
  • mirkolange
    Hallo Herr Ralf, oder Herr Schwarz. Ich befürchte, wir werden nicht mehr so richtig Freunde, oder? ;-) Oder vielleicht doch, wenn wir uns mal persönlich treffen.

    Ich will das hier nicht völlig unkommentiert lassen. Ebenso wenig wie Ihren oder Deinen letzten Blogbeitrag (http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2009/07/voda...).

    Aber es fällt mich schwer, darauf zu reagieren, da ist so wenig greifbares oder sachliches drinnen. Ich finde da eigentlich nur Polemik. Jede Debatte, die geführt wird, ist relevant. Würde sie nicht relevant sein, würde sie nicht geführt.

    Ich finde, es geht um VIEL mehr als um eine Werbekampagne. Es geht darum, wie Unternehmen in Zukunft mit Menschen sprechen - und mit ihnen umgehen. Und es geht auch um das Millieu in Deutschland. Deutschland ist innovationsfeindlich, durchzogen von Lobbyisten und wenig veränderungsbereit. Das hat auch damit zu tun, dass immer und überall gemeckert und genörgelt wird. Ich persönlich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Unternehmen etwas wagen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass sie immer gleich alles richtig machen. Aber ich finde, man sollte toleranter sein, und anderen eine Chance geben - auch Unternehmen. Und dabei sollte man natürlich nicht vergessen, dass auch in Unternehmen MENSCHEN arbeiten.

    Und es geht um noch mehr: Nämlich um den Kern unserer Demokratie. Es geht um die Berechtigung von Medien. Es geht um Meinungsbildung. Früher war das geregelt. Da waren für die Meinungsbildung einige wenige verantwortlich. Heute haben wir Anarchie. Niemand beherrscht mehr die Meinungsbildung. Alle können auf sie Einfluss nehmen. Ich finde das grundsätzlich gut. Aber in einer Anarchie spielen Werte und Ethik eine große Rolle. Und darüber muss man debattieren. Ich nehme mir in dem Kontext der anarchischen Meinungsbildung das Recht raus, eine Debatte anzuregen. Sie können gerne an ihr konstruktiv teilnehmen. Aber Sie müssen ja nicht.

    Mein Nervenkostüm ist übrigens total in Ordnung. Ich habe Emotionen, ich ärgere mich, ich bin betroffen, ich freue mich, ich bin begeistert. Je nachdem. Ich bin ganz einfach ein Mensch und lebendig. Auch als PR-ler.
  • mirkolange
    Ich glaube das nicht. Menschen sind im Allgemeinen deutlich weniger hinterlistig, als viele immer behaupten. Und ich glaube auch, dass es in der FAZ ein Gespräch mit Don Alphonso geben wird. Nicht wegen des Artikels, aber wegen des Kommentars. Ich bin überzeugt davon, dass es bei der FAZ einen Kodex gibt. Und ich bin auch überzeugt davon, dass da nicht dem FAZ-Kodex entspricht.
  • mirkolange
    Vodafone hat ja deutlich mehr gemacht, als eine Absichtserklärung abzugeben. Sie sind ja faktisch da, im Social Web, und sie stellen sich dort den Menschen.

    Was den Fundamentalisten angeht. Ich bezog mich da auch auf http://lexikon2.blog.de/2007/01/05/lexikon2_mey... "Don Alphonso: (eigentlich: Rainer Meyer) wortgewaltiger Anführer der Blog-Fundamentalisten; schießt gegen alle, die im Web unsaubere Geschäfte machen wollen." Ich finde auch "Fundamentalisten" kein Schimpfwort. Falls es doch jemand so empfinden sollte, oder falls ich damit Don Alphonso Unrecht tue, dann nehme ich das gerne zurück.

    Das mit Arcor ist tatsächlich leicht missverständlich, weil ja Arcor inzwischen zu Vodafone gehört. Wir wurden im März 2008 von Arcor mit Pressearbeit für den Geschäftskundenbereich beauftragt. Damals war Arcor noch eigenständig. Die Zusammenarbeit ist im Zuge der Übernahme Arcors duch Vodafone nicht fortgesetzt worden, weil Vadofone (angeblich) im Bereich PR keine fremden Agenturen beauftragt. Aber ich finde, das tut auch nichts zur Sache. Was ich hier tue, gehört zu meinem Wesen und zu meinen Werten. Ich kritisiere hart (aber sachlich), bin aber auch immer auf der Suche nach dem, was anerkennenswert ist. Das ist für mich der Schatz des Lebens.

    Befangen bin ich viel eher aus einem anderen Grund: Ich glaube an Corporate Social Media, und ich finde es bedauerlich, wenn Unternehmen, die sich für die Öffentlichkeit öffnen, öffentlich gebasht werden.
  • mirkolange
    Hallo Regine. Bin 100% Deiner Meinung. Märkte sind Gespräche, und man lernt insbesondere aus Debatten. Allerdings nur, wenn sie einigermaßen sachlich geführt werden - gerne auch mit Emotionen. Aber Polemik hilft niemals weiter, weil sie sach- und inhaltsfremd ist. Okay, man kann auch mal polemisch sein, das ist eigentlich eine feine Redetechnik. Aber dann wieder zu sachlichen Argumenten zurückkehren. Meine Kritik bezieht sich auch nicht darauf, dass z.B. Don Alphonso Vodafone kritisiert. Da gibt es viel Grund zur Kritik. Meine Kritik bezieht sich darauf, wenn die anerkennenswerten Elemente verschwiegen werden - oder deren Vertreter durch Polemik diskreditiert werden.
  • mirkolange
    Das geht nur, wenn einzelne klar zu Werten stehen, über sie dabattieren und dabei Polemik vermeiden. Und wenn sie dabei authentisch sind. Ich sehe eine große Chance inden sozialen Median, weil sich dadurch mehr Menschen artikulieren und vernetzen können. Kultur entsteht aus meiner Sicht immer aus den Menschen heraus, die klar für diese Kultur stehen - seien es am Anfang auch nur einzelne.
  • mirkolange
    Ja. Medienkompetenz gehört meines Erachtens nach sogar als eigenes Fach in die Schule. Dass Medien und die freie Meinungsäßerung wie -Bildung zu den Grundsäulen unserer Gesellschaft und unserer Demokratie gehören, ist ja auch in unserem Grundgesetz klar geregelt.

    Ich finde es gut, das irreführende Werbung und untransparente oder gar manipulative PR scharf gerügt werden. Aber wir müssen so langsam auch mal auf alle möglichen anderen Medien schauen. Und wir müssen insbesondere dann aufmerksam werden, wenn es sich umMedian handelt, die als Leitmedien gelten.
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