Die Kommunikationswelt tut sich derzeit schwer, wirklich gute Beispiele für gelungene (deutsche) Social-Media-Kommunikation anzuführen. Sicher, es gibt eine ganze Menge “lustiger” Kampagnen, die Facebook, Twitter, Blogs & Co. einbinden. Aber dass einmal ein deutsches Unternehmen konsequent auf Social Media setzt – dafür fehlen nach meiner Ansicht die wirklich guten Beispiele.
Der geschätzte Kollege Stefan Schanz von pr+co hat einen eigenen Twitter-Channel eingerichtet (http://twitter.com/beeftweet) und ein Blog angelegt, in dem er gute Beispiele sammelt. Ein paar nennt auch Christian Bölling in seinem Blogeintrag, und auch Cem Basman hat über einen Blogeintrag einige Vorschläge gesammelt. Bisher waren die aber für mich nicht wirklich überzeugend. Das Social Media Engagement ist entweder halbherzig oder von zu kleinen Unternehmen, sodass die Relevanz fehlt. Und so überwiegen in der Debatte um Social Media die eher negativen Beispiele, jene, die Furore gemacht haben, und das waren fast immer die Geschichten der Krisen: Vodafone, Jack Wolfskin, Jacko, United Airlines usw.
Heute Gestern (also am Samstag) Morgen habe ich ein Unternehmen entdeckt, von dem ich denke hoffe, dass es vielleicht der erste positive Case ist, der Furore macht: Die noa bank. Die Idee der noa bank in aller Kürze: Die Bank will nicht wie sonst üblich mit “ethisch zweifelhaften” Investitionen Geld verdienen, sondern mit Projekten, die Gutes bewirken. Auf den ersten Blick ist die Kommunikation zwar möglicherweise etwas zu “gefühlsduselig”, das will ich aber gar nicht bewerten. Die Grundidee ist faszinierend, die Kommunikation greift sehr gut die drei wichtigsten Grundprinzipien von Social Media auf und setzt sie nahezu perfekt um: “Humanizing”, “Partizipation” und “Transparenz”. Und noch mehr…
Folgendes fällt mir auf:
- Das Produkt ist “social-media-kompatibel”. Das ist natürlich bei einer Neugründung leichter, aber ich halte das schon lange für ein wichtiges Wirkungsfeld der Kommunikation. Auch bestehende Unternehmen können das Feedback ihrer Stakeholder und Dialoggruppen nutzen, um ein “social-media-affines” Produkt zu entwickeln. Das ist nichts weiter, als sich für den Kunden zu interessieren, und den Kunden mitreden zu lassen. Und das geht überall. Meine These ist: Wer das nicht schafft, wird es in Zukunft schwer im Wettbewerb haben. Nicht wegen fehlender “Social Media Kommunikation” (die ist langfristig nur eine Konsequenz), aber wegen einer “social-media-kompatiblen” Positionierung. Das Schöne ist: Kommunikation und Positionierung bedingen sich. Man kann also mit beidem anfangen.
- Social Media und “Corporate Social Responsibility” scheinen zwei Disziplinen zu sein, die sich sehr gut ergänzen. Eigentlich auch klar: CSR hebt die Debatte auf eine höhere (gesellschaftliche) Ebende als “Unternehmen” oder “Produkt” – und Debatten sind die Essenz von Social Media.
- Die noa Bank nutzt alle releventen Social Media-Kanäle von “Kampagnenwebsite” über Blog, Twitter und Youtube bis zu Facebook. Einzig im Bereich “Presse” schwächelt die noa Bank etwas: Die Presseseite ist klassisch und kein “Social Media Newsroom”.
- Es fehlt der noa bank an der letzten Konsequenz, was mich verwundert: Die Bank trennt scheinbar “normale” Kommunikation und “Social Media” Kommunikation: Unter anderebank.de findet fast ausschließlich Social Media Kommunikation statt, und auf noabank.de das “normale”. Und auf noabank.de gibt es keinen Link auf die Social Media Aktivitäten. Ich bin gespannt, ob das so bleibt.
- Die Kommunikation ist persönlich, der Chef, Francois Jozic, bloggt (noch?) selbst.
Noch kann man natürlich nicht viel über den Erfolg oder die Dialogbereitschaft sagen. Das Unternehmen und die Kommunikation haben heute erst gestartet. Formal redet die noa Bank jedenfalls schon mal mit den Menschen, bindet sie in die Kommunikation mit ein, zeigt sich transparent und menschlich. Das ist schon mal ein sehr guter Start. Aber der Reihe nach…
Die Anzeige
Diese Anzeige hat die noa bank am Samstag in der Süddeutschen Zeitung geschaltet. Ganz schlicht. Eine ganze Seite. Die angegebene Webadresse ist nicht die eigentliche Bankenseite noabank.de, sondern die Adresse der “Social Media Website” anderebank.de. Ich finde das bemerkenswert. Die Strategie ist konsequent und richtig: Die Bank nutzt die Reichweite einer bundesweiten Tageszeitung (noch dazu am Wochenende, wo die Leser mehr Zeit haben), und versucht, diese Reichweite über Social Media auszubauen.
Die Kampagnenwebsite
Die Domain auf der Anzeige (www.anderebank.de) führt zu einer Kampagnenwebsite mit einem sehr prominenten Video. Ich persönlich finde das Video etwas “zu emotional”, aber auch hier ist das Prinzip richtig. Die Philosophie der Bank wird verständlich vermittelt und das komplexe Thema gut transportiert. Gleichzeitig adressiert die noa bank das Prinzip “Humanizing”, es sind viele Menschen zu sehen, und der Gründer der noa bank, Francois Jozic, kommt ausführlich zu Wort. Er ist auch auf anderen Medien präsent und dient somit gut als Identifikationsfigur. Auch das zweite Kernprinzip von Social Media “Partizipation” ist integriert: Am Ende des Videos ist die deutliche Aufforderung “Machen Sie mit”. Zusätzlich wird von der Startseite prominent auf die sonstigen “Dialogischen Brand Outposts” verwiesen, insbesondere Twitter und Facebook, über die sich die Kunden am Gespräch beteiligen können. Und die noa bank bietet einen RSS Feed und ein Newsletter Abonnement. Auch das letzte Grundprinzip von Social Media, Transparenz, ist im System enthalten: Das ist unmittelbar im Geschäftsmodell der Bank ausgedrückt. Leichte Ansätze zur Kritik: Ich persönlich finde den Link zum Blog oben in der Zusatznavigation nicht prominent genug platziert und es fehlt auch ein Link zu dem bestehenden Youtube-Account.
Der Twitter-Account
Über den Twitter-Account lässt sich noch nicht viel sagen. Es ist bisher noch zu zu wenig passiert. Bemerkenswert finde ich, dass der Account bisher (Status: Sonntag, 08.11. um 12:00 Uhr) nur 44 Follower hat. Klar, die noa bank ist erst vor einem Tag gestartet, aber wenn man bedenkt, dass die Bank eine (rund 30.000 EUR teure) Anzeige geschaltet hat, die auf eine Social Media Kampagnenseite geht, erscheint mir das als Benchmark nicht wirklich überzeugend. Zu den den Followern gehören aktuell überwiegend andere Social Media Berater und ein Journalist. Interessant die “Following-Strategie” der noa bank – wenn sie denn eine hat: Aktuell folgt sie zwei Bloggern, die etwas über die noa bank geblogt haben (ich werde wohl auch bald dazu gehören
) sowie einer weiteren “alternativen” Bank, der Quirin Bank (http://twitter.com/quirinbankAG). Ich bin gespannt, ob die noa bank ab der kommenden Woche Twitter dazu nutzt, gezielt Beziehungen zu relevanten Influencern aufzunehmen – da ist die Following-Strategie von entscheidender Bedeutung.
Das Blog
Auch zum Blog lässt sich bisher wenig mehr sagen, als dass es da ist, und dass es ansprechend gemacht ist. Bisher gibt es nur einen Kommentar – und der ist nicht positiv. Sehr nett ist der Link zu einer Video-Bürgerbefragung (http://www.anderebank.de/blog/media). Die aktuellen Artikel sind okay, aber mit Luft nach oben. Ich persönlich empfinde beispielsweise die Bilder zu dem persönlichen Hintergrund zur Gründung der Bank als zu marketinglastig. Auf der anderen Seite ist erfrischend, dass Francois Jozic ganz bewusst sehr persönlich blogt. Das verstärkt die Positionierung der noa bank, transparent zu sein. Man merkt aber noch eine gewisse Unsicherheit. Und ich persönlich habe auch ein paar Zweifel, ob das wirklich zu einer Bank passt. Diese Art von (persönlicher) Transparenz entspricht so wenig zu dem Bild, dass wir (das ich) von Banken habe(n). Ich wünsche mir, dass die potenziellen Kunden den Mut und die neue (um nicht zu sagen: innovative) Art anerkennen.
Die Unternehmenswebsite
Die (Haupt-)Website der noa bank (www.noabank.de) ist sehr schön und modern gemacht. Sie gefällt mir. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass sie überhaupt keine Links auf die Social Media Websites enthält. Mich würde die Strategie dahinter interessieren. Das erscheint mir als sehr halbherzig. Das wiederspricht auch der sonstigen Postionierung: Als einzige Kontaktmöglichkeit bietet die Website neben dem üblichen Kontaktformular einen Newsletter.
Die Presseseite
Etwas schade finde ich, dass die noa bank auch beim Thema “Presse” etwas inkonsequent ist. Die Presseseiten auf www.noabank.de sind sehr “konservativ”, und auch der Presse-Link von der Kampagnenwebsite verlinkt (der Einfachheit halber) auf die Presseseiten auf der Website. Hier wäre ein “Social Media Newsroom” state-of-the-art gewesen. Allerdings ist das eher ein kleiner Schönheitsfehler. Wenn man das Prinzip von Social Media ernst nimmt, dann nutzen natürlich Journalisten (zumindest perspektivisch) auch das sonstige Social Media Angebot eines Unternehmens. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass für Journalisten auf der Website wenig getan wird.
Eine Sache findet man allerdings auf der Pressewebseite, von der ich schade finde, dass sie nicht auch den sonstigen Interessenten zur Verfügung gestellt wird, nämlich eine Grafik zur Funktionsweise der noa bank. Ich finde sie sehr schön und gut verständlich.

Der Facebook Account
Okay. Die noa bank hat auch einen Facebook Account. Das Wochenende hat etwas zwei Dutzend “Fans” gebracht. Das ist ein Anfang. Allerdings merkt man, dasss noa Facebook noch nicht so richtig ernst genommen hat. Da hätte man schon zum Start etwas mehr machen können – ich meine: müssen.
Der Youtube Account
Das, was für Facebook gilt, gilt auch für YouTube. Gut ist, dass die noa bank einen YouTube Account hat. Aber auch der scheint mir etwas mit der “heißen Nadel” gestrickt. Also abwarten, was die noa bank noch daraus machen machen wird.
Fazit
Ich jedenfalls werde auf jeden Fall Kunde der noa Bank werden. Schon weil es mich interessiert. Und weil ich mir wünsche, dass das Konzept aufgeht.
Ansonsten bietet das Vorgehen der noa bank eine “Blaupause” für moderne Social Media Kommunikation. Wer sich daran orientiert (und es ernst meint) hat schon einmal eine sehr, sehr gute Grundlage. Es gibt (natürlich) noch einiges, was die noa bank besser machen könnte – dazu fällt mir vor allem eine valide und konsequente Strategie für die Follower- und Fangenerierung ein. Ich hätte der noa bank auch empfohlen, jetzt schon am Wochenende an den Rechnern zu sitzen, um den Start gut hinzulegen. Zudem hätte man etwas mehr Mühe aufwenden können (ein paar Stunden hätten gereicht), um die Kanäle richtig vorzubereiten.
Aber das ist alles nicht wirklich “mission critical”. Das wird sich alles zeigen und wachsen. Unter der Strich bleibt: Ich halte das Gesamtkonzept für das bisher am besten gelungene in der deutschen Kommunikationslandschaft von Unternehmen. Warten wir mal ab, wie die noa bank jetzt weiter macht.










