Das iPad als Ausdruck von Konsumenten-Bedürnissen? Oder: Fett und faul im Web-Schlaraffenland?

Posted by mirkolange on Januar 31, 2010 at 3:43 pm.

Eines möchte ich vorwegschicken: Ich liebe Technologie. Ich liebe Innovationen. Ich liebe Gadgets. Und ich finde das iPad super. Ich werde es mir definitiv kaufen. Aber, so toll wie ich das auch finde: Ich glaube, das iPad zeigt ein Problem auf weit über das “technische Gadget” hinaus. Zumindest wenn man das iPad als alleinige “Zukunft des PC” ausruft. Denn aufgrund der Hardware und der Apple-App-Politik ist das iPad ein Gegenentwurf zu der grade aufkommenden Kultur des Web 2.0: Offenheit, Partizipation und Vernetzung. Laut Apple hält man mit dem iPad das Internet in der Hand – aber vor allem zum Zugucken. Nicht zum Mitmachen. Das iPad zeigt tendenziell einen Weg zurück zum (edit: kontrollierten) Informations-Konsum, nicht nach vorne zum Dialog. Aber trotzdem gibt es einen Hype.


Worum geht’s? Apple hat einen neuen “Computer” vorgestellt. Das iPad. Vielfach wird es jedenfalls als eine ganz neue Art von Computer bezeichnet. Und Frank Schirrmacher hat einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschrieben. Heute, am 31. Januar. So weit, so gut. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es hier um mehr geht als einen Computer. Es ist eine Debatte um die Art, wie wir mit der rasant zunehmenden Komplexität der Welt umgehen. Und mit der damit einhergehenden Komplexität der Meinungsbildung. Sie ist aber auch eine Debatte über die Teilnahme an der Meinungsbildung. Denn bezeichnenderweise hat Apple beim iPad seine ganze Genialität nur in die Optimierung des Abrufens von Informationen gesteckt, nicht in das (Mit-)Teilen: unkomfortable Texteingabe, keine USB-Anschlüsse, keine Spracherkennung (wie z.B. Googles Nexus), keine Kamera und und und.

Und Schirrmacher applaudiert. Wie üblich klingt er einerseits vernünftig und fundiert, aber er hinterlässt auch viel Nebel im Kopf. Was bei mir hängen bleibt ist die These, dass das Internet jetzt zum neuen Fernsehen werde und der iPad dessen Fernbedienung. Schirrmacher zitiert Nicholas Carr, der mutmaßt, dass der Hype um das iPad mehr über neue Kommunikationsbedürfnisse aussage als über neue Technologien; das iPad befreie beispielsweise davon, “sinnlos Präferenzen einzustellen”. Schirrmacher mutmaßt, dass das iPad deswegen ohne Tastatur auskomme, weil “das Netz der Zukunft womöglich viel weniger partizipativ ist, als man heute glaubt”. Und er glaubt, dass sich Menschen “womöglich über ungezählte schnell und aufmerksamkeitsoptimierte Apps” (anstatt über den Browser) im Netz bewegen. Und ganz Schirrmacher, der der “neuen Vielfalt” kritisch gegenübersteht, sieht er in diesem Prozess eine (offensichtlich wünschenswerte) Restriktion: “Wer zahlen muss, überlegt sich stärker, was er eigentlich braucht”. Klar. Schirrmacher ist Verleger. Er will zurück zur Macht der Medien, und dass sich der Bürger auf das konzentriert, was er soll und doch eigentlich nur will: Konsumieren, was ihm vorgesetzt wird. Ich hoffe, dass Schirrmacher Unrecht hat. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Meinungsbildung ist anstrengend

Das alles kommt in einer Zeit, wo sich das “Mitmachweb” (scheinbar) als neue Macht etabliert. Ich halte Schirrmacher für einen Populisten. Er spricht aus, was viele Menschen denken. Und ich glaube, er ist ein sehr guter Populist. Auch Apples (potenzieller) Erfolg ist eine Art Populismus. Sie entwickeln, was viele Menschen wollen: Mit dem iPad kann man viel leichter das Internet konsumieren – ganz ohne Aufwand, ganz ohne etwas tun zu müssen. “Passiv im Web” sozusagen, mit schön aufbereiteten Inhalten. Wie fernsehen. Wie zappen. Wie McDonalds. Nicht, dass es einen dazu zwingt. Aber es macht es leichter. Daniel Lüders schreibt in einem Kommentar auf Facebook zu einem Tweet heute Morgen: “Vielfalt ist so ein schönes Wort, meint hier aber Chaos. Wer will schon ins Restaurant gehen und sich seine Speisekarte selbst zusammensuchen. Die Menschen wollen eine überschaubare Ordnung. Apples Weg ist etwas diktatorisch, aber schafft Übersicht.” Wie im Schlaraffenland: Alles was wir wollen, ganz ohne Aufwand. Nur: die Annehmlichkeiten des Schlaraffenlands sind teuer erkauft. Nichts mehr tun zu müssen führte dazu, dass wir fett und faul werden. Gilt das auch für die Kommunikation? Und für die Meinungsbildung?

Das Ende des Web 2.0? Das Ende des Browsers? Ist das das Ende der Vielfalt?

Wo führt es hin, wenn “die meisten Menschen es einfacher haben wollen und nicht ertrinken wollen in der Flut der Daten und Befehle”? Führt der Wunsch nach “Bequemlichkeit, Übersichtlichkeit und Virenfreiheit” tatsächlich dazu, dass sie das auch wollen “zum Preis einer neuen Zentralregierung”, wie Schirrmacher schreibt? Ich ergänze: Führt die Ablehnung von “User Optionen” der “Einstellung von Präferenzen” nicht zu einer immer weiter zunehmenden Standardisierung? Was bedeutet das, wenn man das weiter denkt? Ist “Fernsehen” wirklich ein Benchmark für das Internet? Der Erfolg des Fernsehens lässt das befürchten. “Einfachheit” ist der Schlüssel für einen Masssenmarkt. “Einfachheit” bedeutet aber immer auch mehr “Konformität”. Oder nicht? Im Fernsehen scheint es jedenfalls so zu sein.

Die ganze Debatte ist definitiv keine, wenn das “sowohl als auch” gewahrt bleibt. Wie viele Menschen beschäftigen sich sehr intensiv mit der Komplexität und nutzen zusätzlich die Einfachheit des iPhones. Nicht umsonst ist das iPhone grade in der Blogosphäre sehr beliebt. Es geht aber doch um mehr: Denn wenn die These richtig ist, dass der Hype um das iPad vor allem die Konsumentbedürfnisse wiederspiegle, dann ist es nicht weit zu der These, dass der Desktop-PC ausgedient habe – zumindest beim Konsumenten. Und dominiert das “System iPad” dann auch in höheren Maße die Meinungsbildung der meisten Menschen? Also derer, die ein iPad und einen PC nicht kumulativ sondern alternativ nutzen? Wie gesagt: Das iPad ist offensichtlich ein geniales Tool, um Medien zu konsumieren – in Sachen “Beiträge leisten” ist es nahezu das Gegenteil.

Apps sind wie ein Fernsehprogramm

Aber es sind nicht nur die fehlenden Eingabemöglichkeiten. Es sind auch die Apps. Der Erfolg des iPhone (und voraussichltlich auch des iPad) beruht zu einem ganz großen Teil auf den Apps. Apps sind sehr einfach. Apps bieten eine deutlich bessere Usability – zumindest wenn man sie mal installiert hat. Sie bieten eine deutlich besser Optik. Und sie bieten für den Anbieter eine einfache Möglichkeit, Geld zu verdienen. Aber letztendlich sind ein ganz großer Teil der Apps nur anders aufbereitete Internet-Angebote – in einer eigenen Anwendung. Und das Besondere am iPad ist, dass zum ersten Mal auch diese Apps auf ein PC-ähnliches Gerät übertragen werden.

Aber Apps fehlt etwas ganz Entscheidendes, was der Schlüssel des WWW ist: Die Hypermedialität und Vernetzung. Informationen sind im WWW vernetzt. Sie verweisen aufeinander. Und sie sind über Google noch einmal zentral im Kontext verbunden. So sieht man ein Thema aus vielen Perspektiven. Und das führt zu Vielfalt… und ja, schnell auch zu Chaos. Das WWW ist chaotisch, ja. Apps reduzieren dieses Chaos. Sie sind nicht – oder in einem deutlich reduzierten Maße – hypermedial. Dürfen sie nicht sein. Und können sie auch nicht sein. Sie dürfen es nicht, weil sie damit ein Thema wieder kompliziert machen, und sie können es nicht, weil ein Link aus einer App auf ein Angebot im Worldwide Web ein Systembruch wäre. Interessant auch, dass man bei Apple Apps nicht gleichzeitig öffnen. Wie im Fernsehen. Man wird zum App-Zapper.

(edit: Oliver Lauer weist im Kommentar darauf hin, dass es technisch kein Problem sei, Apps hypermedial zu machen und zu vernetzen. Stimmt. Aber wenn ich mir die jetzigen Apps anschaue, sind sie das nicht. Und das ist systemkonform. Die Hersteller der Apps wollen nicht, dass die Leser aus dem Kontext gehen. Und es ist auch schlechte Usability, weil es einen Bruch der Darstellung bedeutet.)

Es ist immer schwierig, aus dem eigenem Verhalten zu abstrahieren. Aber ich merke an meinem eigenen Bedienverhalten, dass ich auf dem iPhone kaum noch den Browser verwende. Wann immer ich eine App habe (Banking, Google Maps, Focus, Kino.de, Bild, Handelsblatt, SZ… die Liste ist endlos lang), nutze ich sie und nicht den Browser. Und wann immer ich den Browser verwende, vermisse ich die Einfachheit und die Übersichtlichkeit der App. Ich glaube, ich würde das genauso auf dem iPad machen. Mit zunehmendem Erfolg des iPhones und des iPads werden immer mehr Unternehmen zusätzlich zu ihrem Internetangebot Apps anbieten. Und zusätzlich zu ihrer URL auch die App kommunizieren. Ist das der schleichende Tod des Browsers?

(edit: Grade flattert mir eine Pressemitteilung der Marktforschungsgesellschaft Flurry per E-Mail rein. Zitat: “Während über 140.000 iPhone-Applications verfügbar sind, nutzt der durchschnittliche User nur fünf bis zehn der Programme regelmäßig. [...] Vergleichbar sei dies mit TV-Konsumenten, die zwar hunderte von Programmen empfangen können, schließlich aber doch zwischen einigen, wenigen hin- und herzappen würden.”)

(edit: Die Faz schreibt am 03. Februar sehr ausführlich über die möglichen Konsequenzen des System “Apple-Apps”)

(edit: Kam grade über Twitter rein. Geschichte, wie Apple eine App für die Aufnahmen in der App-Store abgelehnt hat. Interessant auch die Kommentare, wie oft da das Wort “Kontrolle” fällt)

Und was hat das alls mit PR und Kommunikation zu tun?

Mich beschäftigt das Thema auch deswegen, weil ich eigentlich ein neues Paradigma zu sehen glaub(t)e. Der Wechsel von “Public Relations” zu “Public Engagement”. Die Rolle und die Aufgabe von Unternehmen ist es in den veränderten Bedigungen der Meinungsbildung nicht mehr, einseitig Informationen bereitzustellen, dachte ich. Sie müssen vielmehr an Debatten teilnehmen. Und sie müssen Menschen “engagen”, also dazu motivieren, einen Beitrag zu leisten. Diesen Beitrag anzunehmen, bedeutet Wertschätzung, führt zu größerer Bindung, führt zu Dialog, zu Verständnis, zu… und und und. Und wenn das Unternehmen ernst nehmen, wenn sie die Beiträge ernst nehmen, liegt in diesem Dialog eine ungeheure und sehr marktrelevante Macht: Sie nähern sich ihren Kunden an, und das ganze gute Verhältnis zum Kunden ist für jeden öffentlich sichtbar. Das ist eine neue Dimension von “Öffentlichkeitsarbeit”.

Ich persönlich fände diese Entwicklung ausgesprochen begrüßenwert. Nicht, weil ich mit dieser neuen Art der Öffentlichkeitsarbeit mein Geld verdiene. Es ist eher so, dass ich mit dieser neuen der Öffentlichkeitsarbeit mein Geld verdienen will, weil ich diese Entwicklung ausgesprochen begrüßenwert finde. Mich überfordert die zunehmende Komplexität der Welt nicht. Mich fordert sie heraus. Ich freue mich, dass ich mich durch sie weiterentwickeln kann. Mich stören keine zusätzlichen Optionen, sie geben mir die Freiheit, mir meine (technische) Welt so zu gestalten, wie ich sie will. Mich überfordert es nicht, wenn die Filterfunktion der Medien wegfällt, und ich mich auf die Suche machen kann, weitere Meinungen, Aspekte und Perspektiven zu entdecken.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Apple diese Entwicklung behindert. Oder besser gesagt: Der Hype um das iPad lässt mich vermuten, dass das “Mitmachweb” wirklich ein deutlich kleinere Bedeutung hat, als gehofft. Das iPad geht zurück zum Konsum, nicht nach vorne zum Dialog. Genauso werden Unternehmen ermutigt, über Apps wieder stark einseitige Informationsangebote zur Verfügung zu stellen: Entertainment statt Dialog. Denn dadurch, dass die App-Umgebung anders als das WWW nicht vernetzt ist, geht auch der Druck für die Unternehmen verloren, an der öffentlichen Debatte teilzunehmen.

Ich würde mich freuen, wenn wir mehr darüber sprechen können, wie man Menschen aktiver macht. Nicht bequemer. Ich würde mich über Debatten freuen, wie Menschen differenzierter denken, nicht einfacher. Aber vielleicht hat Schirrmacher ja auch total Unrecht. Und vielleicht tritt genau das Gegenteil ein: Dass das iPad nur die “technische” Komplexität reduziert, und wir dadurch in die Lage versetzt werden, die Komplexität der Welt besser zu verstehen.

Wobei ich eine am Schluss auch noch sagen will: “iPad” ist für mich ein Synonym für eine neue Art der Informatione und Kommunikation als Gegenentwurf zur Vielfalt des WWW und des Web 2.0. Nicht ein Produkt.

Edit 1: Im Handelsblatt von heute (Montag, den 01. Februar) gibt es einen sehr interessantes Thema, das eigentlich genau das Thema betrifft. Unter dem Titel “Wenn viel zu viel Auswahl überfordert – oder auch nicht” berichtet Handelsblatt Redakteur Felix Holtermann über die neuesten Erkenntnisse der “Too Much Choice” Forschung. Und die klingt für mich wie eine (alternative) Antwort auf Scchirrmacher und den (vermeintlichen?) Lösungsansatz von Apple. In dem Artikel heißt es ganz am Ende: “‘Eines ist doch unbestritten’, sagt Iyengar: ‘Unsere Welt ist in den vergangenenen Jahren komplizierter geworden.’ Das Ziel könne daher nicht sein, die Vielfalt zu verringern, wie radikale Kritiker der Konsumgesellschaft fordern. “Wir müssen die Menschen zu Auswahl-Experten machen!” sagt Iyengar. Die Schule beispielsweise müsse lehren, woran man vertrauenswürdige Sachverständige erkenne. Diese könnten helfen, rasch auch gleichen Möglichkeiten die bessere herauszufiltern, und so die Entscheidung zu erleichtern.” Ich persönlich meine, dass im Web 2.0 eine große Chance liegt: Wir können nicht mehr zurück, sondern nur nach vorn. Und die Lösung ist nicht “weniger Content”, sondern mehr Debatte – als Orientierung. Dafür könnte man Lösungen finden, wie “der Schwarm” die Informationen bewertet. Und je mehr bei der Bewertung mitmachen, desto besser.

Edit 2: Die FAZ vom  02. Februar berichtet wie folgt: “Der Apple-Chef glaubt nicht an das Web 2.0 und will Google stürzen. Mit dem iPad verabschiedet Apple nicht nur den Computer, sondern greift auch die Idee sozialer Netzwerke an. Während sich Google und Apple zunehmend in direkte Konkurrenten verwandeln, übersehen viele Beobachter, dass Jobs ein eingefleischter Skeptiker bezüglich der doppelten Marotte des Silicon Valley geblieben ist: der Rechnerwolke und Web-2.0-Diensten wie Facebook.” Ich bin sicher, Jobs “will nur Gutes”. Er ist wohl – ebenso wie Schirrmacher – davon überzeugt, dass Reduktion und Kontrolle besser sind für den Menschen. Das ist völlig in Ordnung. Das ist sein gutes Recht. Mich stimmt allerdings bedenklich, dass so viele in diese Argumentation einsteigen, der fast schön an religiösen Fanatismus erinnernde Begeisterung der Apple-Fans macht mir sogar etwas Angst.

Vielleicht entwickelt sich der Kampf Apple gegen Google zu einem Kampf zweier Zukunftsentwürfe. Hier die faszinierenden Visionen eines Kontrollfanatikers, der den Menschen jegliche Mühe abnehmen will und dabei – nur zu ihrem besten – nicht davor zurückschreckt, ihnen konsequent Dinge vorzuenthalten, die er nicht gut für sie findet (siehe auch Debatte um Flash). Dort das Bild der Vernetzung alles Wissens, aus dem sich die Menschen frei bedienen können. “Kontrolle” im Sinne Jobs ist immer auch ein Verlust von Freiheit. Manche Menschen vermissen sie nicht. Das ist okay. Ich persönlich nehme gerne etwas mehr Aufwand in Kauf für ein Maximum an Optionen.

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  • herbertpeck
    Auf den Aspekt, über die 'geschlossenen' Systeme iPhone und iPad in Kombination mit dem AppStore die User einer Kontrolle - man kann es überspitzt auch 'Zensur' nennen - zu unterwerfen, hatte ich in einem zugegeben kurzen Kommentar bereits hingewiesen. Apps an sich sind nichts kritikwürdiges, nur dann muss der Anwender entscheiden können, welche er wo lädt. Sonst bleibt Internettelefonie eben draussen und iMussolini ist drin.
  • Hallo Oliver,

    danke für den Kommentar. Und Danke, dass Du vom iPad abstrahiert hast. Das ist eigentlich genau die Debatte, die ich anregen wollte - also keine über das iPad sondern eine über die Gesellschaft und ihre aktuellen Bedürfnisse (s.a. "Edit" unten am Haupttext).
  • Es gibt ein Leben neben Apps und Browser. Ein selbstbestimmtes Leben im Informationszeitalter, in dem man sich die verschiedensten Informationskanäle frei zusammenmischen kann. Ermöglicht wird dies durch die bewährten und seit langem vorhandenen RSS- und Atom-Feeds und einen gut justierten Feedreader. Apps haben ihre Existenzberechtigung weitgehend im Willen der Marketingabteilung des Anbieters – und im Unwissen der Nutzer. Im Sinn des Lesers oder Nutzers von Informationen wenden Apps, die ausschließlich den Inhalt von Webseiten darstellen, niemals sein. Mehr zu diesem Thema habe ich gerade an anderer Stelle geschrieben.
  • oliversteinke
    Toller Artikel und mehr als lesenswerte Kommentare!

    Die Frage, die hier am Beispiel des iPads aufgeworfen wird, ist ja auch ohne das iPad spannend. Sind wir - die Technik-Interessierten, die Web 2.0er, die... - Speerspitze einer neuen kommunikativen gesellschaftlichen Entwicklung, oder ein wachsender, aber doch letztlich überschaubarer Haufen, der sich überdurchschnittlich initiativ mit neuen Entwicklungen auseinander setzt - beruflich oder privat...

    Ehrlich gesagt kenne ich die Antwort auch nicht. Ein Freund - Mitte 30 - sagt immer zu mir: "Ich bin noch nicht soweit!". Das sagt er immer dann, wenn es keine Lust mehr hat, sich meine Vorträge über Twitter, Facebook und Co. anzuhören, die unserer Welt aus meiner Sicht revolutionieren könnten.

    Vielleicht hat er Recht, vielleicht sind wir noch nicht soweit...
    > Meist bewege ich mich in meinem direkten Umfeld. Mein Bäcker, mein Lebensmittelladen, meine Tankstelle.... Klar ich kaufte und tanke auch woanders, aber hier ist es am schönsten!
    > Ich habe ein Internetradio. Ich habe einige Sender zu meinen Favoriten gemacht - Die lokalen, die ich auch so hören kann und ein paar Exoten, wofür habe ich ein Internetradio. Einmal eingestellt, immer wieder gern gehört, das war es...

    Da steckt eine Menge Gewohnheit drin. Gewohnheit ist Sicherheit und die lieben alle Menschen. Warum setzen sich auch am zweiten Seminartag alle Teilnehmer wieder exakt auf den Platz vom Vortag?

    Ein weiteres Problem ist die Bereitschaft, Zeit in die neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu investieren. Aus meiner Sicht ein weiterer Grund, der viele davon abhält, sich zu intensiv mit dem sich ständig entwickelnden Mitmach-Internet auseinander zu setzen. Wer hat heute schon Zeit? Der Job ist stressig, die Familie usw.

    Wie kommunikativ bin ich eigentlich? Und ich meine nicht "uns", die wir solche Artikel überhaupt lesen, oder auch noch unsere Meinung formulieren und in den öffentlichen Raum stellen! Sondern die breite Masse. Habe ich der Welt überhaupt was zu sagen, habe ich Angst mich zu weit zu öffnen?

    Die, die noch nicht soweit sind, die, die keine Zeit für sowas haben, die, die meinen der Welt nichts zu sagen zu haben und die, die einfach aus Gewohnheit nicht mehr mitkommen, sind aus meiner Sicht eine große Gruppe. Und genau an die richtet sich das iPad eben auch, aus den Gründen, die oben in aller Tiefe beschrieben sind. Der Rest - die meisten von euch haben es in den Kommentaren geschrieben - kaufen sich das iPad ebenfalls, selbst, wenn es keine Zeichen in Richtung der neuen kommunikativen Möglichkeiten setzt.

    Seinen Zweck hätte es damit erfüllt: Wir werden es alle kaufen und die meisten werden auch noch Spaß daran haben, ich hoffentlich auch!
  • Sehr Interessant an dieser Stelle dieser Post: http://diveintomark.org/archives/2010/01/29/tin...
  • Mirko,
    verrannt kann man jetzt so nicht sagen. Es ist EINE von vielen möglichen Betrachtungsweisen. Der Buch-Vergleich, den Stephanie (aka @arsscribendi) gebrauchte, hinkt nicht: Einerseits haben wir ein gigantisches Informationsangebot - aber andererseits in der Mehrzahl (noch) keinen Weg entwickelt, damit kompetent umzugehen. In diesem Aspekt erstickt die Informationsgesellschaft buchstäblich an sich selbst, weil die Flut verfügbarer Informationen nicht mehr als Ganzes händelbar ist. Ein konsequentes "Downgrade", beispielsweise in der Reduzierung des Multitasking und Konzentration des Nutzers auf EINEN Prozeß, kann dabei hilfreich sein. Zurück zum iPad an dieser Stelle, es erlaubt kein Multitasking via mehrerer gleichzeitig laufender Programme. Für die einen ist das simple technische Schwäche, für die anderen eine nützliche Beschränkung und eine Notwendigkeit im Lernen: Permanente Reizüberflutung stumpft ab. Wer mit einer "Durchschnittsnase" beispielsweise in eine Parfümerie geht und Düfte schnuppert, kann nach dem dritten bis fünften Duft nichts mehr voneinander entscheiden. Das Gehirn macht buchstäblich dicht, das ist Neurologie. Warum sollte es im Gewitter des allseitigen Multitasking anders laufen? Umso sinnvoller, via "Downgrade" auch demjenigen eine Hilfestellung auf dem Weg zu bieten, den all das schöne, bunte, blinkende Zeugs überfordert, mit dem er nicht mehr aktiv (d.h. im Dialog) umgehen kann, sondern das er nur noch konsumiert, nebenbei und wahllos und ohne dass "etwas hängenbleibt".
    Ein Denkanstoß anbei, den Du möglicherweise kennst:
    http://blog.metaroll.de/2010/01/03/let-it-slow-...
    Und wer weiß: Alle (R)Evolution beruht auf dem Prinzip von Trial and Error. So gesehen ist das iPad momentan trial. Ob's ein error wird, muss sich in der Praxis erst zeigen.
  • Apps sind nicht einfach, zumindest nicht aus der technischen Perspektive, diese sind in der Regel deutlich schwieriger zu entwickeln, als Web-Anwendungen.
    Apps können durchaus hypermedial sein, Apps können das Web verlinken und das Web Apps, beides über den bekannten Url-Mechanismus.
    Apps können im Web finden und das Web Apps, das ist alles möglich, wird aber noch kaum genutzt.

    Ich halte das App-Modell trotzdem für eine adäquate Alternative, allerdings heisst App nicht zwingend closed oder Rückschritt, wie viele, z.B. der Spiegel, behaupten.
    Es kommt darauf an, wie man Apps einsetzt. Und hier kennen wir zwei Modelle: Das völlig geschlossene App-Monopol von Apple oder das offenere von Android.

    Beides sind, technisch gesehen, identische Modelle, aber während Android Mitbewerber zulässt, schliesst Apple diese aus, und das ist das, was mich am iPad-Modell am meisten stört, und von vielen, m.W., nicht richtig erkannt wird.

    Für mich ist/war der App-Store vorallem ein mobiles Vertriebs- und technisches Deploymentmodell und zwar eines, welches die Schwächen der mobilen Welt sehr gut gelöst hat. Und ich weiss sehr gut, wie die Welt vorher aus sah.
    Dass dieser Erfolg jetzt dazu genutzt wird, den inzwischen terminierten "Wallet Garden" der Mobilindustrie nicht nur wieder aufleben zu lassen, sondern auf inzwischen befreite und schon immer freie Bereiche zu übertragen, halte ich für bedenkenswert.

    Und es gilt: Es ist nicht die Appstore-Technologie, die böse ist, sondern wie man diese einsetzt. Der Appstore als solches ist eine tolle Erfindung... und eine super Ergänzung zum Browser, sozusagen die mobile Killeranwendung, wie ich 2008 schon geschrieben hatte...
  • Ich möchte Euch allen für die vielen tollen Beiträge danken.

    Ansonsten kann ich wohl nur sagen, dass ich mich weiterhin dafür einsetze, dass Unternehmen den Dialog mit Menschen suchen, fördern, eingehen, und dass sie Offenheit, Vernetzung und Partizipation als Werte erkennen. Und erkennen, dass das für sie auch Werte schafft. Egal ob in Apps, im WWW oder über welche Tools auch immer.

    Und ich freue mich, wenn "die Menschen" das nicht nur "wahrnehmen", sondern auch "die Gelegenheit wahrnehmen", in den Dialog zu gehen. Ich bin überzeugt davon, dass die Welt dadurch reichhaltiger und besser wird.

    Good night & good luck!
  • stephanieristigbresser
    Ich verstehe nicht, warum soll der Vergleich hinken? Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass auch ein angeblich reines Konsum-Medium eine Revolution auslösen kann. Dazu braucht es keine Web 2.0-Funktionen. Das macht uns nicht mündiger oder aufgeklärter. Aufgeklärtheit (die ja revolutionäres Potenzial zu entfalten vermag) resultiert aus der Möglichkeit, sich über neue Wege informieren zu können. Vor einigen hundert Jahren schuf das Buch diese Möglichkeiten.
    Das ipad birgt in jedem Fall das Potenzial in sich, das Wissen des WWW intuitiver zu erschließen und zu teilen. Und das ist neu.
  • Hach, so langsam gebe ich mich geschlagen. Vielleicht liege ich verkehrt und habe mich in etwas verrannt?

    Natürlich lässt "uns" das iPad nicht "wieder" verstummen. Das schafft mit Sicherheit kein Gerät. Für die, die heute schon "laut" sind, ist das iPad entweder ein Zweitgerät oder es kommt (als alleiniges Gerät) nicht in Betracht. Und ich freue mich auch auf das "Kindle-Deluxe".

    Und der Buch-Vergleich hinkt doch total. Uns mangelt es doch heute nicht an einem gigantisch großen *redaktionellen* Informationsangebot: Wir haben zigtausende Zeitschriften, wir haben dutzende Fernsehsender, hunderte Radiosender. Und die meisten gibt es inzwischen sogar "on demand" - sei es auch nur durch Media-Receiver, die zeitversetztes Fernsehen ermöglichen.

    Der nächste Schritt in der Evolution - vielleicht sogar wie die sagst: die Revolution - wäre der Dialog! Das besondere des Internets ist - neben des Pull-Charakters - genau diese Möglichkeit, sieht man einmal von Leserbriefen ab: Der Dialog zwischen Menschen sowie der Dialog zwischen Unternehmen und Menschen.

    Deluxe-Kindle ist alles super! Und das durch das iPad auch mehr Leute im Internet *redaktionelle* Inhalte lesen auch super. Aber ein neues Gerät, was das Internet revolutionieren soll, aber das den Dialog nicht wirklich vorsieht, fände ich, wie soll ich sagen, etwas kurz gesprungen.

    Vielleicht ist das der Kern: Ich glaube, nicht, dass "in der Masse" zwei Geräte in der Wohnung stehen (bzw. liegen) werden: ein iPad UND ein PC.
  • Mirko, bei aller Begeisterung für Apple als Unternehmen, Steve Jobs als Innovator und das iPad als Produkt (ich bin da ähnlich begeisterungsfähig), sowie deinem Wunsch nach mehr aktiver Teilhabe an Netzdebatten, du verkennst in deiner Argumentation, dass der Großteil der Webnutzer noch immer Konsumenten sind.

    Das Forrester Social Technographic Profile 2009 für Deutschland gibt den Anteil der "Creators" mit 9% an, die "Critics" mit 12%. Es ist also gerade mal etwas über ein Fünftel der deutschen Onliner, die aktiv partizipieren, die eigene Inhalte oder Kommentare zu anderen Inhalten in Netz stellen wollen. Die werden sich von einem iPad nicht davon abhalten lassen. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren übrigens kaum gestiegen.

    Das Wort von der "third category" fiel ja schon mehrfach. Das iPad ist für einen komplett anderen Nutzungszusammenhang geschaffen, als ein Laptop oder ein Smartphone. Es ist ein Couch- und Sesselgerät. Und für so ein Gerät ist die Bedienung per Fingerzeig ideal. Es nimmt Ballast vom Gerät. Es reduziert auf das, was im Nutzungskontext nützlich ist und lässt alles Unnötige weg.

    Das gilt natürlich auch für die Apps, bei iPhone und iPad gleichermaßen. Es macht das Web, wie Christian (@prcdv) sagt neuen Nutzerschichten zugänglich, für die Laptops zu kompliziert, und Smartphones (mit ihren Verträgen) zu teuer waren. Außerdem macht es das Web (und was man mit den Apps so tun kann) "anfassbar", DAS ist m.E. das eigentlich revolutionäre daran. Wir können das Web tatsächlich mit unseren Fingern berühren. Wie großartig ist das?

    Ohne Apps und ihre Reduktion auf das gerade Nötige ginge das nicht. Natürlich reduzieren sie damit die Möglichkeiten, die potenziell im (Browser-)Internet stecken. Ich sehe das nicht als Mangel oder Einschränkung, sondern als Möglichkeit. Eben weil ein neuer Nutzungskontext erschlossen wird, einer, der sehr vielen Menschen in ihrem Alltag näher ist als die "lean forward"-Haltung des Schreibens, Hochladens oder Kommentierens. Dass daran auch ein Geschäftsmodell (oder mehrere) hängt, ist m.E. nur legitim und jeder Verlag, jeder andere Hersteller darf sich (nicht erst seit Mittwoch) fragen, warum er das nicht selbst versucht hat. Klar kontrolliert Apple die gesamte Verwertungskette von Inhalten. Aber sie lassen immernoch einen Browser auf ihre mobilen Geräte (auch das iPad). Damit bleibt das ganze Internet weiter offen.

    Bei der Vorstellung des ersten iPhone war es für Jobs ein wichtiger Punkt zu betonen, das endlich das "ganze Internet" auf einem Smartphone gescheit benutzbar ist. Da war von Apps noch nicht die Rede. Sie haben den Browser danach auch nicht verdrängt, sondern ergänzt.

    Langer Rede kurzer Sinn, ich glaube dadurch, dass du aus vermeintlich fehlenden technischen Fähigkeiten des iPad eine mögliche Gefahr für das partizipative Netz ableitest, vermischst du wie Björn weiter oben schon schrieb mehrere Ebenen. Wenn wir uns mal vor Augen halten, wie schnell und mit welcher Wucht aus dem App-Ökosystem von Apple und Google neue, sehr kreative Unternehmen gewachsen sind, die die Geräte, ihre Schnittstellen und Sensoren als Spielwiese für bisher Ungedachtes betrachten, so tritt m.E. das potenzielle "Lock-In" in das Ökosystem in den Hintergrund.

    Als Software-Entwickler würde ich mich daran machen zu überlegen, wie man mit dem vergleichsweise riesigen Touchscreen des iPad bisher Ungedachtes und Ungesehenes realisieren kann. Und das kann durchaus in neuen Formen der Parzitipation münden. Ich bin mir sicher, das wird es sogar. Vielleicht können wir Kommunikationsleute ja über diese Dinge auch ein paar Gedanken machen.
  • Mirko, Du schreibst selbst gerade: Eine Technik, die es den Menschen ermöglicht, teilzunehmen, ist der zweite Schritt. Davor steht der erst einmal der Zugang zur Technik, zur digitalen Zukunft - und zwar für ALLE, jenseits von Altersgrenzen, aber auch von Grenzen des Verstehens, was die Komplexität vieler Zusammenhänge angeht. Durchaus möglich also, dass über den Umweg des "Nehmen"-Geräts für viele, durch eine Gewöhnung an digitale Strukturen erst das möglich wird, was Du forderst: Die aktive Teilhabe, der Dialog - als Antwort auf die Einbahnstraße.
    Gelegentlich wünsche ich mir als Kommunikationsschaffende ein klitzeklein wenig mehr Demut von den Kommunikatoren. In der Einsicht, dass nur ein kleiner Teil der potentiellen "Empfänger" auf der gleichen hohen Frequenz unterwegs ist wie die Sender. Und das ist beileibe keine Frage technischer Plattformen...
  • stephanieristigbresser
    Vielen Dank für das Anstoßen dieser "heißen" Diskussion.
    Das ipad - ein reines Konsum-Medium, ein Instrument, das uns (wieder) zum Zuhörer verstummen lässt? Nun, das Buch ist ja auch ein reines Konsum-Medium, und wenn ich mich recht entsinne, war es imstande, eine Revolution auszulösen genau wie das Medium Zeitung, als man seinerzeit den Buchdruck erfand. Jedes Medium hat seine Zeit, und doch überlebte seither jedes Medium, auch wenn ein neues die Welt erblickte. Sie koexistieren friedlich nebeneinander und befruchten sich oft, entwickeln sich miteinander weiter.
    Und ich glaube, deshalb ist der Kern der Diskussion im Grunde ein anderer: Es geht nicht darum, ob wir möglicherweise (wieder) an Mündigkeit, Diskussionsfreudigkeit verlieren und mundtot gemacht werden. Es geht um Medienkompetenz. Darum jedes Medium zu seiner Zeit zu gebrauchen. Denn um gute, gehaltvolle Gespräche - ganz im Sinne des "mündigen Web 2.0" - zu führen, muss ich zuvor über geeignete Kanäle rezipiert haben, rechereche- und urteils- und "kontextualisierungs"-fähig sein. Darum geht es. Es ist doch toll, dass ich mit dem ipad bald einen "Kindle-deluxe" haben werde, mit dem ich mich bedienerfreundlich informieren kann. Dann kann ich wiederum über einen anderes Medium darüber dialogisieren und Debatten führen. Wenn ich will. Und wenn ich es kann - und diese Kompetenz möglichst vielen Menschen zu vermitteln, wird meiner Meinung nach eine sehr große Herausforderung in der Zukunft sein...
  • Aber Heike, "Partizipation" und "Offenheit" ist doch keine Frage der Technik! Partizipation und Offfenheit sind vor allem eine Frage der Kommunikation - und zwar der zweiseitigen Kommunikation! Wenn Unternehmen, Verbände, Parteien und Organsiationen eine Kommunikation beginnen, an der Menschen INHALTLICH teilnehmen können, dann ist doch schon ein ganz großer Schritt getan. Aktuell ist ein ganz großer Teil der Plattformen, auf deren Kommunikation geschieht, durch eben Unternehmen organisiert - oder eben nicht. Und diese Kommunikation wird von Profis geführt. DAS muss vorne stehen.

    Und in einem zweiten Schritt wäre eine Technik gut, die es den Menschen auch theoretisch ermöglichte, zeilzunehmen, wenn sie wollten. Was ich nicht verstehe ist, dass hier niemand das Argument der Eingabe versteht. Natürlich kann man an das iPad diverse andere Geräte anschließen. Aber will irgendjemand behaupten, dass die Möglichkeiten, Daten (Text, Sprache, Bilder, Video) in das iPad hineinzubringen (und damit dem Web zur Verfügung zu stellen) auch nur im enferntesten das Prädikat "einfach" verdient? Ja, man kann es irgendwie tun. Aber mehr auch nicht.

    Die Priorität bei iPad ist eindeutig: Es ist ein LESE-Gerät! Ein "NEHMEN"-Gerät. Und es ist nur hilfsweise ein "GEBEN"-Gerät. Noch mal: Ich will damit nicht das iPad schlecht machen. Es fördert definitiv, dass die "Sender" (also Medien, Unternehmen und die Entertainment-Industrie) mehr "Empfänger" haben. Es unterstützt nicht den Rückanal. Der ist alles andere als "einfach", wie Jobs immer postuliert.

    Und das finde ich bemerkenswert. Als Trend. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
  • Hallo Mirko,
    ein "beschleunigender Web 2.0-Zug", dem nur die Profis aus der Position der Wissenden folgen können, hängt den großen Rest der Menschheit auf dem Weg in den digitale Infrastruktur IMHO ziemlich schnell ab. Wie oft hast Du zu völlig zu Recht in Deinen Diskussionsbeiträgen schon die verbreitete Ahnungslosigkeit in Sachen Digitalkommunikation, Social Media und und und kritisiert. Wieviel mehr Chancen liegen in einem quasi selbsterklärenden, über die Haptik und das buchstäbliche "Begreifen" funktionierendes, auf Basics reduziertes Teil, das den zaudernden, ziemlich großen Rest mitnimmt auf dem Weg in die digitale Zukunft - die schon längst unsere Gegenwart ist, ob wir das wollen oder nicht.
    Mich erinnert die Diskussion noch an etwas anderes: An die steinalte Anekdote vom Indianer, der das erste Mal mit dem Zug fuhr, sich am Zielort auf den Boden setzte und auf die Frage, was er denn da mache, antwortete "Ich warte, dass meine Seele ankommt.". ;-)
  • Hallo Heike, Dir scheint eher, ich "betrachte die Dinge aus der Perspektive des Wissenden und Agierenden in Sachen Kommunikation und Medien". Ja, darum bemühe ich mich. Das ist als Blog für Kommunikations- und Medien-"Profis" gedacht :-) Also mit "Profis" meine ich die, die sich in ihrem Beruf damit beschäftigen.

    Nie war das ein "Gadget-" oder "Nerd"-Blog, der sich mit den Stärken oder Schwächen von Computern befassen wollte ;-) Wie gesagt: Im Zusammenhang mit dem iPad wird oft über eine Änderung von Mediennutzungsverhalten gesprochen. Der Trend in den letzten Monaten ging sehr stark in Richtung "Web 2.0", also Offenheit und Partizipiation.

    Und meine Kernfrage war (oder genauer: die bewusst einseitige These), dass mit dem iPad entweder ein "neuer" Trend aufgemacht würde, oder zumindest der "Web 2.0 Zug" nicht beschleunigt.
  • Als ich hörte, dass auf dem iPad das Betriebsystem des iPhones installiert ist, verflog bei mir jegliche Freude über diesen neuen Computer. Zwar hat Apple es schön nach den kleinen Mini-Computern benannt, die bei Star Trek immer herumgereicht werden, aber die Star Trek-Idee einer nach wissenstrebenden, den schnöden Mammon hinter sich gelassenen Gesellschaft zerstört es damit.

    An dem iPad-Tag fiel mir wieder ein, was Joi Ito schon vor Jahren bei Martin Varsavsky in Menorca erwähnt hatte: wir müssten aufpassen, dass Mobile Internet nicht die Freiheit des Mediums zerstört, wie es damals schon in Japan der Fall war, wo knapp 50% der Online-Nutzung via Handy laufen. und natürlich für alles und jeden Mist bezahlt wird. Damals dachte ich "Tja, die Japaner".

    Trotz aller Kudos wegen Style wird mein bald anstehender Computer-Neukauf kein Mac mehr sein.
    Es wird Zeit, dass wir, die wir die Chancen des Internet sehen, nutzen, vermitteln und fördern wollen, uns nicht länger von den Reitern der proprietären Konsum-Apokalypse vorführen lassen und selig auf die leuchtenden Äpfel schauen. Oder um es mit Jean-Luc zu sagen: "the line must be drawn here"

    Gegenüber dem hier als Opportunisten betitelten Schirrmacher habe ich mich zu gleichem Thema bereits an anderer Stelle ausgelassen http://bit.ly/4Sr4gt (isarrunde, 1. kommentar) - deswegen spare ich das hier aus.

    Mirko, ich teile deine Verständnis über die Chancen einer dialog-orientierteren, offeneren, transparenteren Gesellschaft ermöglicht durch den richtigen Einsatz der Online-Techniken. Aber ich gebe auch Björn recht, dass nicht jeder Convenience-Aspekt der Verrat an den Idealen ist. Dennoch sind die Trennlinien dünn und schnell hat man sich an mediale Konsumrealitäten gewöhnt, die wir noch garnicht lange (und einige noch überhaupt nicht) hinter uns gelassen haben.

    Für mich steht fest, dass wir uns ganz aktuell in einer Phase befinden, in denen es zum ersten Mal im Bestehen dieses doch immer noch jungen, aber schon kulturwandelnden Mediums Internets wichtig wird für die ersten Erfolge einer offeneren Gesellschaft die Spaliere zu heben. Diese zierlichen Sprossen einer neuen Kultur des menschlichen Umgang miteinander müssen gegen kräftige und subtile Gegner verteidigt werden.

    Ähnlich wir Super-Salesman Steve Jobs hat der eloquente neue Innenminister Thomas de Maiziere verstanden, dass man zuhören kann ohne aber die Entscheidung aus der Hand zu geben. Schön für ihn, aber Gesellschaft 2.0 entsteht nicht durch Kaffeekränzchen 1.0 - Fakt bleibt, dass durch das Internet die Machtfrage zwischen den Menschen auf vielen Ebenen neu gestellt wird - und das ist es was verkommene Politiker, bauerschlaue Verkäufer und die Lobbyisten der alten Welt fürchten.

    "Lean forward"-Technologien habe ich schon immer als Begriff verstanden, der mehr beschreibt als nur die Sitzposition. Das iPad, das wilde Um-Sich-Schlagen der Verleger im Todeskampf und die achso merkwürdige Begriffsstützigkeit der Politiker im passenden Moment sind Bausteine, die das verraten und beerdigen, was Mirko hier richtigerweise als die "gerade aufkommende Kultur des Web 2.0" beschreibt: "Offenheit, Partizipation und Vernetzung"

    Dafür lohnt es sich Engagement zu zeigen. Lieber stürze ich mich vorwärts in die angeblich chaotischen Info-Fluten, um sie gemeinsam zu ordnen, als dass ich zulasse, dass die Dumpfheit von innen wächst und von geld- und machtgeilen Affen gefördert wird.
  • @Mirko: Ich glaube, dass es im Web 2 Dinge gibt, die interessant sind: Entertainment und Informationen. Entertainment war m.E. aber schon immer viel reichweitenstärker. S. Virals, S. Facebook etc.
  • Lieber Mirko, mir scheint eher, Du betrachtest die Dinge aus der Perspektive des Wissenden und Agierenden in Sachen Kommunikation und Medien... vielleicht ein wenig zu sehr? ;-)
  • Eveline3112
    Erstmal danke für den interessanten Artikel...Ich stimme Heike klar zu, dass das iPad ein Zusatz und kein Ersatz sein wird. Was ich aber an der ganzen Debatte um "Konsum" und "Mitmach-Web" nicht verstehe ist, dass heutzutage soviel über das iPhone gebloggt, getwittert und bei Facebook geteilt wird, dass es doch mit der 3G Variante des iPad nur noch komfortabler sein wird dies auch von unterwegs zu tun, oder sehe ich das falsch? Vielleicht holen sich auch viele lieber ein "normales Handy" und ein iPad dazu und nutzen dieses dann wie andere heute ihr iPhone. Ich habe zur Zeit ein normales, großes, schweres und eher unhandliches Notebook und ein iPhone und ich nutze jedes für das für das ich es eben brauchen kann im jeweiligen Moment.

    Meine Kritik an dem (Zusatzgerät) iPad wäre eher das Thema Geld...wieso braucht man das dritte oder vierte Gadget während zum Beispiel aktuell in Haiti die Menschen verhungern und an Seuchen sterben...und doch braucht man auch heutzutage Zugpferde, die die Wirtschaft ankurbeln und neue Märkte entstehen lassen. Apple schafft einfach Bedürfnisse beim Otto-Normalverbraucher an die er vorher nicht im Traum gedacht hat. Und genau das ist die Masse und nicht die IT-ler oder Programmierer für die das Gerät zu anspruchslos ist...
    Liebe Grüße
    Eveline

    PS: Ich werde mir sicher eines in der 3G Variante kaufen :-)
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