Der Kampf Apple gegen Google. In Wirklichkeit ein Kampf zwischen “Kontrolle” und “Freiheit”?

Posted by mirkolange on Februar 2, 2010 at 9:09 am.

Die FAZ vom  02. Februar berichtet wie folgt: “Der Apple-Chef glaubt nicht an das Web 2.0 und will Google stürzen. Mit dem iPad verabschiedet Apple nicht nur den Computer, sondern greift auch die Idee sozialer Netzwerke an. Während sich Google und Apple zunehmend in direkte Konkurrenten verwandeln, übersehen viele Beobachter, dass Jobs ein eingefleischter Skeptiker bezüglich der doppelten Marotte des Silicon Valley geblieben ist: der Rechnerwolke und Web-2.0-Diensten wie Facebook.” (Artikel leider noch nicht online).

CC Flickr, andres.thor

Ich glaube, dass ich so langsam anfange, den Hype und die Debatte um das iPad zu verstehen. In der Debatte um das iPad steckt eigentlich eine andere, eine viel größere  Debatte: Nämlich die, wie wir mit der zunehmenden Komplexität der Welt umgehen. Immer wieder wird den Kritikern des iPad vorgehalten, das iPad sei gar nicht für sie gemacht. Und es gibt eine starke Bewegung, die sich für eine Reduktion und Verlangsamung der Welt einsetzt, siehe Frank Schirrmacher oder auch die “Slow-Media-Bewegung” (wenn man dort schon von einer Bewegung sprechen kann).

Wenn viele Optionen überfordern

Es gibt definitiv diejenigen, die sich von der neuen Wissens-Ökononomie überfordert fühlen. Es gibt die Menschen, die mit der Komplexität der Welt nicht gut klar kommen (siehe dazu auch Artikel im Handelsblatt “Wenn Auswahl überfordert – oder auch nicht“). Ganz ohne Frage. Auch für Unternehmen bzw. die Unternehmenskommunikation ist der Verlust der Kontrolle über die Informationen ein Greuel. Und die alle sehnen sich (wieder) nach mehr Kontrolle, Beherrschbarkeit und Einfachheit. Auch dass der Populist Schirrmacher von vielen so gerne gelesen ist, belegt das. Und das ist gut und richtig so! Apple bedient dieses Bedürfnis nahezu perfekt. Apple ist maximale Kontrolle. Und das führt zu Qualität. Das ist unbestritten. Das Konzept ist gut und gültig. Nicht nur, dass “ein Apple” (angeblich) genau das macht, was man will, Apple hat das System “Kontrolle” auch in der Unternehmenskommunikation perfektioniert. Auch dieser Aspekt ist interessant: Während Google sein Nexus komplett offen im Netz kommuniziert hat, war Apple nahezu hermetisch abgedichtet, hat sogar durch “Fake Leaks” versucht, die Informationslage zu steuern.

Der Kampf zweier Zukunftsentwürfe

Ich sehe das iPad (oder die Idee dahinter) aber auch als Gegenentwurf zu der grade aufkommenden Kultur des Web 2.0: Offenheit, Partizipation und Vernetzung. Nicht nur das iPad (das ist nur ein technisches Gerät), sondern der Hype um das iPad, der Ausdruck eines Bedürfnisses ist. Apple und das iPad stehen für mich (und jetzt wohl auch direkt ausgesprochen durch Jobs) gegen Google und soziale Netze wie Facebook oder Twitter. Vielleicht entwickelt sich der Kampf Apple gegen Google zu einem Kampf zweier Zukunftsentwürfe. Hier die faszinierenden Visionen eines Kontrollfanatikers, der den Menschen jegliche Mühe abnehmen will und dabei – nur zu ihrem besten – nicht davor zurückschreckt, ihnen konsequent Dinge vorzuenthalten, die er nicht gut für sie findet (siehe auch Debatte um Flash).

Dort das Bild der Vernetzung alles Wissens, aus dem sich die Menschen frei bedienen können. “Kontrolle” im Sinne Jobs ist immer auch eine Reduktion von Optionen und damit auch ein Verlust von Freiheit. Aber viele Menschen vermissen sie nicht. Das ist okay.

Jobs will nur Gutes

Ich bin sicher, Jobs will nur Gutes. Er ist wohl – ebenso wie Schirrmacher – davon überzeugt, dass Reduktion und Kontrolle besser sind für “den Menschen”. Er hat Recht damit – zumindest wenn man “den” mit “manche” (vielleicht sogar “viele) ersetzt. Ich persönlich glaube an das “Prinzip Google”. Nicht das der Datenkrake – das ist noch einmal eine ganz andere Debatte. Ich meine hier das “Vernetzen”: Das vernetzen von Informationen. Das Vernetzen von Menschen. Den Austausch. Den Dialog. “Wissen” ist definiert als die “Vernetzung von Informationen”. Je besser wir (als Menschen) vernetzen, desto größer werden wir. Ich halte das für die Evolution des Menschen. Da kommt mir sogar der Gedanke zu sagen “Die höchste Form der Vernetzung ist Gott”. Das ist aber keine unproblematische Aussage.

Und ja, das macht Arbeit. Vernetzen ist anstrengend. Vernetzen ist Training. Vernetzen ist Veränderung und ständige Anpassung. Ich persönlich nehme gerne etwas mehr Aufwand in Kauf für ein Maximum an Optionen – und Weiterentwicklung. Und idealerweise wird es doch nur eine Kampf zwischen Unternehmen, und kein Kampf zwischen Kulturen. Schon immer sind Menschen in unterschiedlicher Geschwindigkeit vorangeschritten. Wer für Reduktion eintritt, läuft (möglicherweise?) Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Wer immer rennt, läuft Gefahr “eine Macke im Kopf” zu bekommen. Auf dass wir Lösungen finden, dass sich beide Entwürfe maximal bereichern. Das gefährlichste dabei ist jedenfalls jede Form von Radikalität. Ich jedenfalls freue mich auch das iPad ;-)

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  • Mirko, bestimmt hast Du das passendste Photo gewählt! :))
  • Kleine Anmerkung: Apple und Open Source gehört genauso zusammen; das Google Chrome mit großem Trara auf die Welt brachte wäre ohne Apple gar nicht so wahrscheinlich gewesen: Webkit (Engine von Chrome als auch Safari) wie es heute existiert ist nur darum so weit entwickelt, weil Apple es sehr stark unterstützt und weiterentwickelt hat. Als Open Source Software. Andere Beispiele lassen sich -- wenn man danach schaut -- auch finden. Und nicht vergessen: die Befreiung von DRM bei MP3/AAC haben wir _auch_ (nicht ausschliesslich) Apple zu verdanken. Btw.: das Fehlen von Flash beim iPad/iPhone OS als Versuch der Kontrolle darzustellen mag zwar "technisch" richtig sein, lässt aber den Aspekt von Closed Source (Flash von Adobe) im Kontext Web Standards aussen vor -- HTML5 als die zukunftsträchtigere Technik von Steve Jobs in Aussicht gestellt macht dann Deiner These einen (kleinen) Strich durch die Rechnung.

    Das sollte jetzt auch nur ein kleiner technischer Einwurf sein.
  • Sorry, das hat doch nichts mit dem iPad zu tun: Apple hat generell eine extrem starke Qualitätssicherung (um mal nicht das Wort "Konrolle" zu benutzen). Sie kontrollieren die Hardware, sie kontrollieren die Software, sie kontrollieren die Vertriebskanäle, die kontrollieren ihre Kommunikation. Vielleicht nicht so stark, wie sie wollten. Aber wenn ich vom "Prinzip Apple" spreche, dann spreche ich davon, dass Apple es noch viel stärker kontrollieren würde, wenn es das könnte.

    Der Apple-Ansatz ist mitnichten ganzheitlich. Wie du ja selbst sagt: Apple glaubt an die "Wisdom der Experten". Experten entscheiden (hinter verschlossenen Türen) was gut ist und was nicht, und setzen es dann vor. Das ist übrigens genau das Prinzip, was Du auf's Schärftse beim DRPR kritisiert hast. Ich betone: Das Prinzip! Ich weiß, dass Ihr ja dem DRPR den Exptertenstatus absprecht.

    Und noch mal: Ich finde ja gut, was Apple macht. Man bekommt bei Apple nicht *alle* Optionen, sondern nur die vorausgewählten. Und das mögen ja auch dir richtigen sein. Und deswegen ist das toll. Aber ich als User kann eben dann nicht mehr entscheiden (außer mit Jailbreak). Ich habe nicht mehr die "Freiheit" - ich brauche sie ja auch nicht mehr.

    Und das ist in der "Open-Source" Bewegung (und da zähle ich Google dazu) nicht der Fall. Da kriegst Du eben "das volle Programm", und bist dann auf dich selbst gestellt, dir das Passende rauszusuchen. Und um einigermaßen klar zu kommen, musst Du dich vernetzen, und bekommst "Empfehlungen" von der Crowd. Und dann musst Du aber noch selber entscheiden. In jedem Fall könntest Du Dich aber auch für alles Mögliche entscheiden.

    Ich verstehe gar nicht, wie man den Unterschied nicht sehen kann? Das "Prinzip Apple" reduziert die Optionen, und die Methode dahinter ist "Kontrolle". Das "Prinzip Google" maximiert die Optionen und versucht das durch "Gewichtung" Orientierung zu geben. Das sind doch zwei völlig unterschiedliche Methoden. Sozusagen Äpfel und Birnen.
  • Grundproblem finde ich: Der Dualismus, der hier aufgestellt wird von Dir, der existiert nicht. Apple hat ja eben nicht gesagt: wir schaffen das MacBook ab und dafür kommt das iPad. Sie haben auch nicht gesagt, wir schaffen das iPhone ab und dafür kommt das Tablet. Sie haben gesagt: Hier kommt eine dritte Kategorie. Eine eigenständige. Die Menschen an "Computer" bringt, die bislang gar nichts damit zu tun hatten. Die anderen, die bereits über die beiden anderen Kategorien verfügen, eine weitere Nutzungsmöglichkeit aufzeigt, die über das bisherige hinausgeht. Der Apple-Ansatz ist ganzheitlich. Deswegen lässt er sich nicht in diese Dualismen packen. Und Google geht den gleichen Weg. Und auch Google kontrolliert. Nur haben sie diese Kontrolle ausgelagert. Dann nennt sich das "Wisdom of the Crowd". Apple glaubt hingegen an Wisdom der Experten.
  • Mal wieder sehr klug, Christian :-)

    Es wäre übrigens eine sehr interessante Debatte, also die über die Begriffe. Und ich habe diese beiden Begriffe schon sehr bewusst so gewählt (wobei Du Recht hast, dass ich mich nicht beschweren muss):

    "Kontrolle" ist aus meiner Sicht als Bezeichung für die eine Seite ein perfekter Begriff. Auch wenn er von vielen als "negativ" empfunden wird. Einereits ist das "Prinzip Apple/Jobs" eines, dass unglaublich stark auf Kontrolle setzt. "Führung" wäre für mich hier ein Euphemismus. Und m.E.n. geht es auch um den emotionalen Aspekt der Kontrolle. Wann immer wir derzeit über die Herausforderungen für die Unternehmenskommunikation sprechen, geht es genau um den Verlust der "Kontrolle" über die Informationen. Auch bei der in der FAZ- Artikel ansgesprochenen "Cloud" ist "fehlende Kontrolle" eines der wichtigesten Gegenargumente.

    Mit einem hast Du allerdings Recht: Wenn man das stark auf den iPad bezieht (und nicht auf das "Prinzip Apple" abstrahiert) ist "Kontrolle" nicht wirklich zutreffend. Denn hier ist (für den User!) emotional nicht die "Kontrolle" im Vordergund, sondern die "Convenience". Aber wie gesagt: Die wird erst dadurch ermöglicht, dass Apple/Jobs alles TOTAL kontrolliert, was auf den iPad kommt. Denn wenn da mal was durchrutscht, was nicht konform ist, wird sofort auch die User-Experience zerstört. Jüngstes Beispiel: Jobs weigert sich beharrlich, Flash zur Verfügung zu stellen, weil Flash ab und zu zu Abstürzen führen kann. Das will er dem User nicht zumuten. Also kein Flash.

    Und - jetzt das andere Wort - auch den Begriff "Freiheit" hatte ich mit Bedacht gewählt. Auch hier im Bewusstsein, dass niemand gerne zugibt, sich in seiner Freiheit zu beschränken. Wir empfinden das Wort "Freiheit" immer also "nur" positiv. Ich sehe das nicht so. "Freiheit" ist ein enorm schwieriger Zustand. Ich denke immer an "Me & Bobby McGee" von Janis Joplin: "Freedom is just another word for nothing left to loose". "Freiheit" ist anstrengend. "Freiheit" ist auch Chaos. "Freiheit" ist immer auch eine Vielzahl von Optionen.

    Und genau DAS finde ich ja das interessante an dem Thema - also das eigentliche Thema. Das, was auch Schirrmacher immer wieder anspricht. Das was auch Windows immer wieder vorgeworfen wird: Wer sind wir angesichts vieler, vieler Optionen? Eigentlich müsste doch mehr "Freiheit" entstehen, je mehr Optionen wir haben, oder? Oder anders gesagt: "Freiheit" bedeutet eben, dass ich ÜBERHAUPT Optionen habe. Warum führen irgendwann "noch mehr Optionen" nicht zu "noch mehr Freiheit"? Das ist doch ein ein interessantes Phänomen.

    EDIT: Ach ja, man kann zu dieser Debatte die Analogie in viele weitere Bereiche ziehen, deswegen finde ich die Debatte so spannend:

    Das ist z.B. auch derzeit dei Mediendebatte. Das alte Mediensystem war "Vorfilterung", "Kontrolle" und "Reduktion des Komplexität". Medium 1.0 = Apple-Prinzip, Medium 2.0 = Google. Ordnung gegen Chaos.

    Auch in Produktwelt ist diese Frage extrem wichtig, siehe Link oben im Artikel zur "too much choice" Forschung.

    Und man kann auch die Analogie zur Meinungsbildung ziehen: Ein paar vorgefertigte Meinung = einfach. 1.000 Meinungen = kompliziert.
  • Mirko, ich glaub ich weiß, wieso hier alle glauben, Du fändest Google gut und Apple schlecht: Das liegt schlicht an der Wortwahl. Vernetzung ist positiv konnotiert, Kontrolle negativ (zumindest wenn man der Kontrollierte ist). Hättest Du das Gegensatzpaar Offenheit vs. Führung oder Chaos vs. Kontrolle gebildet, stünden beide Begriffe auf der selben Ebene. Aber das nur am Rande. Du betreibst ja hier kein Sprachblog.

    Was ich bei Apple und Google sehe, ist, dass es sich vor allem um zwei exzellent positionierte Unternehmen handelt - nur deshalb kannst Du ja dieses Gegensatzpaar bilden und das finde ich aus Kommunikationssicht mal sehr positiv. Marken haben ja auch genau die Aufgaben, die von Dir erwähnte Komplexität zu reduzieren. Dabei wird man vermutlich in fast jedem Produktsegment einen "Apple" und einen "Google" finden - Marken, die mich mitentscheiden lassen, und andere, die mir diese Entscheidung abnehmen. In diesem Sinne wäre Nutella ein Apple, während Schwartau oder Zentis eher Google ist. Ob wir uns dann für Apple oder Google entscheiden, ist von der Produktkategorie abhängig.
  • Glamypunk
    Vor allem will Apple eins: unser Geld. Und gelenkte Nutzer sind natürlich einfacher auszunehmen. bestes Beispiel ist dieser unsägliche iTunes-Player, der nur konzipiert wurde, um unsere Bankdaten auszuforschen.
  • Hallo Michael, so mal als Gegenfrage, auch um das zu verstehen: An welcher Stelle genau "kritisiere" ich Kontrolle? ;-)
  • Michael62
    Hallo Mirko,
    das greift m.E. alles zu kurz. Wenn ich mit einem Flugzeug von A nach B fliege, möchte ich nicht vorher einen Flugschein machen. So ähnlich stellt sich aber die Offenehit bei Open Source dar. Wenn ich breite Bevölkerngsschichten zu permanaten Beteiligten in sozialen Netzen machen möchte - und nicht nur ab und zu und Bildungsferne mal gleich gar nicht - komme ich um eine umfassende Produktverantwortung nicht drumherum. Aber wie, bitte, kann man Verantwortung übernehmen und gleichzeitig weggeben? Die Kontrolle zu kritisieren empfinde ich daher als verfehlt.
    Und die angebliche Offenheit von Google erinnert mich mehr an die Produktion von "soylent green" (für die Jüngeren unter uns siehe den Wikipediaeintrag zum Film von 1973). Google lockt uns an und vermarktet Wissen über mich, dass ich gar nicht vermarktet sehen will. Aber für Google gibt es kein jailbreak. Man möchte aufschreien "Google is People!"
  • Hallo Dominik, ich lese den Artikel so, dass es um Modelle gibt, wie man mit der zunehmenden Komplexität umgeht. Ein Modell ist mehr Geschlossenheit (und damit Kontrolle und Reduktion), das andere noch mehr Offenheit (und damit noch mehr Vernetzung). In beiden Fällen stelle ich mich auf die zunehmende Komplexität ein.

    Willst du (oder will hier jemand anderes) widersprechen, dass Steve Jobs und Apple das Prinzip "Kontrolle" und "Geschlossenheit" repräsentieren? Bitte jetzt nicht gleich wieder schablonenhaft auf die Barrikaden gehen! Ich kritisiere das ja nicht. Genau DAS ist ja das Geheimnis des Erfolgs von Apple. Genau DAS ist das Geheimnis der Einfachheit. Und es gibt 1.000 Beispiele dafür, wie Apple beschränkt und kontrolliert. Das Prinzip ist weder gut noch schlecht. Es ist gültig.

    Und ebenso ist Google ja wohl eine Gegenmodell, oder? Das sage ja nicht nur ich, das sagt ja offensichtlich auch Jobs selbst. Natürlich hat Android auch Apps. Aber der App-Store ist im Gegensatz zu dem Apple-App-Store total offen, und das Betriebssystem ist Open-Source usw. usw.

    Natürlich gibt es nichts in Reinform, die Prinzipien sind doch aber ganz klar verteilt. Oder nicht?

    Und Heike, mitnichten schilder ich "Vernetzung" ausschließlich positiv. Im Gegenteil! Ich schildere sie sogar als komplex und anstrengend. Und die anderen Punkte mit Datenschutz usw. habe ich ja explizit mal außen vorgelassen.

    Es gibt keine "Königsweg". Und nie und nimmer bewerte ich den einen oder den anderen. Oder genauer: Ich sage ja sogar explizit, dass beide Wege "gut und richtig" sind. Jeder kann den wählen, der ihm am besten passt.

    Ich werde nur für Bewusstheit. Bewusstheit, dass es den jeweils anderen gibt.
  • Guest
    @ Mirko

    Ich meinte damit ja auch nicht Dich, sondern die Allgemeinheit. Vielleicht hätte mein Kommentar auch besser zu Deinem vorhergehenden Artikel gepasst.

    Ich denke auch, dass die Diskussion die letzten Tage zu einem Großteil in die falsche Richtung geht, eben gut und böse und dergleichen. Für mich hat das Ganze auch nur bedingt etwas mit Apple zu tun.

    Der Mensch braucht einfach eine gewisse Führung, zumindest der Großteil der Menschheit. Und diese Führung wird gegeben, eben durch Möglichkeiten die ein Gerät bietet oder durch Apps.

    Die Entscheidung ist genau die: will ich die "Führung" von A nutzen und gefällt mir dessen Perspektive oder entscheide ich mich für B oder C?

    Wobei gibt es überhaupt ein C, wenn A Apple ist und B ist Google?
  • Die Argumentation ist aus meiner Sicht zur kurzsichtig bzw. mit Scheuklappen angelegt.

    Zuerst sollte man alle Attribute einfach mal streichen (gut, böse, frei, etc.), denn jeder Produzent oder Hersteller wird immer versucht sein, seine Kunden an sich zu binden und mit diesen Kunden am Ende des Tages Geld zu verdienen. Daneben zielen doch beide diskutierten Ansätze auf Vernetzung ab, eine Differenzierung vermag ich hier nicht zu erkennen.

    Den einzigen, für mich erkennbaren Unterschied kann ich also auf dem Weg zum Ziel erkennen, denn das Ziel ist identisch.
  • @ Björn, @ Jürgen

    Könnt Ihr vom iPad abstrahieren? Ist ja auch eine nette Debatte, ich wollte hier aber eine ganz andere Debatte anreegen: Nämlich die Debatte, wie wir mit der zunehmenden Komplexität der Welt umgehen.

    In keiner Zeile des Posts sage ich "Jobs sei böse"! Im Gegenteil: Ich (an-)erkenne, dass Reduktion und Kontrolle "Qualität" und "Einfachheit" ermöglichen. Komplett ohne Abstriche.

    Und ich meine, dass wir aber auch eine komplexe Welt haben, in der nicht immer so ist "wie es sein soll" (= Definition von Qualität).

    Und ich meine, dass derzeit Apple und Google die beiden Unternehmen sind, die einen Großteil unseres Lebens in Zukunft mit bestimmen werden. Ich meine auch zu erkennen, dass Apple und Google jeweils für andere Philosphien stehen: Apple für Kontrolle, Google für Offenheit und Vernetzung. Und selbst wenn die beiden Unternehmen nicht 100%ig für diese Tendenzen stehen, ist die Debatte um die Philosophien nicht auch hochinteressant? Ganz unabhängig vom iPad?
  • Ich bin ein Fan von Apple und Google, was die Sache nicht einfacher in der Bewertung macht :-).
    Ich will und brauche beides!

    Der große Unterschied liegt aktuell darin, wie Software "verteilt" wird - siehe http://www.mobinauten.de/blog/2010/02/01/the-di...

    Wäre der iPad ein OSX iPad, auf welchem ich ausser iTunes auch andere Möglichkeiten hätte, Software zu installieren, sähe die Welt in meinen Augen ganz anders aus, als aktuell diskutiert....
  • Lieber Mirko, Du schilderst "Vernetzung von Menschen" als ausschließlich positiv. Idealistisch gedacht, aber zu kurz gesprungen. Zur Vernetzung von Informationen und Menschen gehören auch Dinge wie Datenschutz - von denen Facebook-Zuckerberg unumwunden behauptet: "Das ist von vorgestern". Im Zeitalter der Vernetzung und omnipräsenten Öffentlichkeit ein Recht auf Privatsphäre zu haben (inklusive der freien Entscheidung darüber) ist möglicherweise Luxus; ich bestehe allerdings darauf, als quasi öffentlicher Mensch (via Beruf und berufsverbandlichen Aktivitäten) zu entscheiden, was von mir "nicht öffentlich" bleibt. Nichts ist schwarz oder weiß, das war's in Zeiten ohne Web 2.0 auch schon nicht. Einige Aspekte von Google sind sicherlich positiv, Beispiel "orphan works" und die Bewahrung von Wissen, das ansonsten verloren ginge. Andere Aspekte sind fragwürdig, das "Book Settlement" versus "authors' rights", die Ansammlung immenser Datenmengen auf mehreren Ebenen, deren Vernetzung und vor allem die Verfügungsgewalt über die Datenberge. Und: Die als Evolution gepriesene "Schwarmintelligenz" hat eine dunkle Kehrseite, kollektive Bashing-Aktionen via Hashtag machen das nachdrücklich klar. Die diversen Theorien der Massenphänomene sind dazu sehr aufschlussreich.
  • Hervorragende Einschätzung! Ich erlebe den Zwiespalt jeden Tag bei kleineren und mittleren Unternehmen: Soll ich bloggen? Soll ich twittern? Wie weit kann ich mich öffnen und loslassen? Oder doch lieber auf Nr. Sicher gehen? Die gute alte Website relaunchen? Auf "Bewährtes" setzen? Der Gap zwischen Öffnen und Verschließen, zwischen Vernetzen und Kontrollieren ist gerade erst dabei, sichtbar zu werden.
  • Jürgen Mayer
    Meine Schlagzeile des Tages wäre:

    Die Welt hat einen neuen Bösen!?

    Ja, ich meine damit Steve Jobs. Ist er böse? Ich denke nicht.

    Warum sollte er böse sein? Er gibt uns doch nur was wir wollen!

    Was ich gar nicht verstehe ist diese Diskussion um die persönliche Einschränkung des iPad`s bzw dessen Apps. Apps die wir schon seit einiger Zeit auf dem iPhone nutzen.

    Ja und auch andere nutzen Apps, siehe Android und BlackBerry, aber das zählt ja wohl nicht, da diese nicht soviele dieser kleinen Programme verkaufen.

    Warum sollen uns diese Apps an unserer Produktivität und unserer Teilnahme am Web 2.0 hindern?

    Sorry das sehe ich nicht, ganz im Gegenteil. Gerade durch Endgeräte wie das iPhone und zukünftig auch das iPad haben wir doch viel mehr (zeitliche) Möglichkeiten am Social Web teilzunehmen. und was kann ich durch Apps nicht machen? Es gibt doch für jeden Sinnvollen und sinnlosen Anwendungszweck eine passende App.

    Bald wird es heißen Steve Jobs will die Weltherrschaft an sich reißen und Google vernichten.

    - Erstens wird es dazu nicht kommen und
    - Zweitens kann ich mich noch an die unzähligen Stimmen der letzten Jahre erinnern: wir brauchen ein Gegengewicht zu Google ... Google ist zu mächtig ... Google ist gefährlich ... Google ist böse

    Leute wenn Ihr solche Ängste habt warum nutzt Ihr dann ein Betriebssystem von Microsoft, warum sucht Ihr mit Google oder Bing?

    Dabei ist die Sache doch so einfach: baut Euch Euer eigenes Betriebssystem und programmiert eine eigene Suchmaschine, nutzt nur selbstgecodete Programme ... dann kann Euch das böse Google nichts und auch der Steve kann Euch nichts anhaben.

    Klar jedes Gerät birgt eine gewisse Abhängigkeit, aber das ist doch schon so seit Menschengedenken.

    Also bleibt locker und nutzt die tollen Möglichkeiten die uns das Internet und die verschiedenen Geräte geben.
  • Nette Idee, aber leider eben "journalistisch verkürzt" und auf These hin gebügelt. Mit sowas wie dem iPad ermöglicht Jobs es eben erstmal Menschen, in diese Welt der "Freiheit" einzutauchen. Menschen, die bislang aufgrund der Komplexität davor zurückschreckten. Jeder iPad-Nutzer, der nicht sowieso ein Smartphone oder einen Laptop parallel hat (und diese parallele Betrachtung kommt weder bei Dir noch bei der FAZ vor) wird das Ding nicht alleine nutzen. Jeder, der über das iPad einsteigt, kann in Kategorie 1 und 3 später upgraden, nachdem er inhaltlich verstanden hat, was man alles machen kann. Dieses Kampfszenario tut ja gerade so, als wäre das iPad der Verdränger des Nexus One (das ist nämlich die einzige Hardware-Ebene auf der es diesen Kampf geben kann). Die andere Ebene ist Android Market (oh, Google hat auch freiheitsbekämpfende Apps) vs. AppStore. Oder Chrome vs. Safari. Passt für mich leider nicht.... sorry, Mirko, das ist zu einfach ;-)
  • herbertpeck
    Ich denke, so ist die Strategie, die Apple mit Apps/AppStore verfolgt, richtig eingeordnet.
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