Der Kampf Apple gegen Google. In Wirklichkeit ein Kampf zwischen “Kontrolle” und “Freiheit”?

Posted by on Februar 2, 2010 at 9:09 am.

Die FAZ vom  02. Februar berichtet wie folgt: “Der Apple-Chef glaubt nicht an das Web 2.0 und will Google stürzen. Mit dem iPad verabschiedet Apple nicht nur den Computer, sondern greift auch die Idee sozialer Netzwerke an. Während sich Google und Apple zunehmend in direkte Konkurrenten verwandeln, übersehen viele Beobachter, dass Jobs ein eingefleischter Skeptiker bezüglich der doppelten Marotte des Silicon Valley geblieben ist: der Rechnerwolke und Web-2.0-Diensten wie Facebook.” (Artikel leider noch nicht online).

CC Flickr, andres.thor

Ich glaube, dass ich so langsam anfange, den Hype und die Debatte um das iPad zu verstehen. In der Debatte um das iPad steckt eigentlich eine andere, eine viel größere  Debatte: Nämlich die, wie wir mit der zunehmenden Komplexität der Welt umgehen. Immer wieder wird den Kritikern des iPad vorgehalten, das iPad sei gar nicht für sie gemacht. Und es gibt eine starke Bewegung, die sich für eine Reduktion und Verlangsamung der Welt einsetzt, siehe Frank Schirrmacher oder auch die “Slow-Media-Bewegung” (wenn man dort schon von einer Bewegung sprechen kann).

Wenn viele Optionen überfordern

Es gibt definitiv diejenigen, die sich von der neuen Wissens-Ökononomie überfordert fühlen. Es gibt die Menschen, die mit der Komplexität der Welt nicht gut klar kommen (siehe dazu auch Artikel im Handelsblatt “Wenn Auswahl überfordert – oder auch nicht“). Ganz ohne Frage. Auch für Unternehmen bzw. die Unternehmenskommunikation ist der Verlust der Kontrolle über die Informationen ein Greuel. Und die alle sehnen sich (wieder) nach mehr Kontrolle, Beherrschbarkeit und Einfachheit. Auch dass der Populist Schirrmacher von vielen so gerne gelesen ist, belegt das. Und das ist gut und richtig so! Apple bedient dieses Bedürfnis nahezu perfekt. Apple ist maximale Kontrolle. Und das führt zu Qualität. Das ist unbestritten. Das Konzept ist gut und gültig. Nicht nur, dass “ein Apple” (angeblich) genau das macht, was man will, Apple hat das System “Kontrolle” auch in der Unternehmenskommunikation perfektioniert. Auch dieser Aspekt ist interessant: Während Google sein Nexus komplett offen im Netz kommuniziert hat, war Apple nahezu hermetisch abgedichtet, hat sogar durch “Fake Leaks” versucht, die Informationslage zu steuern.

Der Kampf zweier Zukunftsentwürfe

Ich sehe das iPad (oder die Idee dahinter) aber auch als Gegenentwurf zu der grade aufkommenden Kultur des Web 2.0: Offenheit, Partizipation und Vernetzung. Nicht nur das iPad (das ist nur ein technisches Gerät), sondern der Hype um das iPad, der Ausdruck eines Bedürfnisses ist. Apple und das iPad stehen für mich (und jetzt wohl auch direkt ausgesprochen durch Jobs) gegen Google und soziale Netze wie Facebook oder Twitter. Vielleicht entwickelt sich der Kampf Apple gegen Google zu einem Kampf zweier Zukunftsentwürfe. Hier die faszinierenden Visionen eines Kontrollfanatikers, der den Menschen jegliche Mühe abnehmen will und dabei – nur zu ihrem besten – nicht davor zurückschreckt, ihnen konsequent Dinge vorzuenthalten, die er nicht gut für sie findet (siehe auch Debatte um Flash).

Dort das Bild der Vernetzung alles Wissens, aus dem sich die Menschen frei bedienen können. “Kontrolle” im Sinne Jobs ist immer auch eine Reduktion von Optionen und damit auch ein Verlust von Freiheit. Aber viele Menschen vermissen sie nicht. Das ist okay.

Jobs will nur Gutes

Ich bin sicher, Jobs will nur Gutes. Er ist wohl – ebenso wie Schirrmacher – davon überzeugt, dass Reduktion und Kontrolle besser sind für “den Menschen”. Er hat Recht damit – zumindest wenn man “den” mit “manche” (vielleicht sogar “viele) ersetzt. Ich persönlich glaube an das “Prinzip Google”. Nicht das der Datenkrake – das ist noch einmal eine ganz andere Debatte. Ich meine hier das “Vernetzen”: Das vernetzen von Informationen. Das Vernetzen von Menschen. Den Austausch. Den Dialog. “Wissen” ist definiert als die “Vernetzung von Informationen”. Je besser wir (als Menschen) vernetzen, desto größer werden wir. Ich halte das für die Evolution des Menschen. Da kommt mir sogar der Gedanke zu sagen “Die höchste Form der Vernetzung ist Gott”. Das ist aber keine unproblematische Aussage.

Und ja, das macht Arbeit. Vernetzen ist anstrengend. Vernetzen ist Training. Vernetzen ist Veränderung und ständige Anpassung. Ich persönlich nehme gerne etwas mehr Aufwand in Kauf für ein Maximum an Optionen – und Weiterentwicklung. Und idealerweise wird es doch nur eine Kampf zwischen Unternehmen, und kein Kampf zwischen Kulturen. Schon immer sind Menschen in unterschiedlicher Geschwindigkeit vorangeschritten. Wer für Reduktion eintritt, läuft (möglicherweise?) Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Wer immer rennt, läuft Gefahr “eine Macke im Kopf” zu bekommen. Auf dass wir Lösungen finden, dass sich beide Entwürfe maximal bereichern. Das gefährlichste dabei ist jedenfalls jede Form von Radikalität. Ich jedenfalls freue mich auch das iPad ;-)

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  • http://www.haffapartner.de/ kevin

    Mirko, bestimmt hast Du das passendste Photo gewählt! :))

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  • http://blmnbrg.net/ Yoram Blumenberg

    Kleine Anmerkung: Apple und Open Source gehört genauso zusammen; das Google Chrome mit großem Trara auf die Welt brachte wäre ohne Apple gar nicht so wahrscheinlich gewesen: Webkit (Engine von Chrome als auch Safari) wie es heute existiert ist nur darum so weit entwickelt, weil Apple es sehr stark unterstützt und weiterentwickelt hat. Als Open Source Software. Andere Beispiele lassen sich — wenn man danach schaut — auch finden. Und nicht vergessen: die Befreiung von DRM bei MP3/AAC haben wir _auch_ (nicht ausschliesslich) Apple zu verdanken. Btw.: das Fehlen von Flash beim iPad/iPhone OS als Versuch der Kontrolle darzustellen mag zwar “technisch” richtig sein, lässt aber den Aspekt von Closed Source (Flash von Adobe) im Kontext Web Standards aussen vor — HTML5 als die zukunftsträchtigere Technik von Steve Jobs in Aussicht gestellt macht dann Deiner These einen (kleinen) Strich durch die Rechnung.

    Das sollte jetzt auch nur ein kleiner technischer Einwurf sein.

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  • http://www.storymaker.de/ Björn Eichstädt

    Grundproblem finde ich: Der Dualismus, der hier aufgestellt wird von Dir, der existiert nicht. Apple hat ja eben nicht gesagt: wir schaffen das MacBook ab und dafür kommt das iPad. Sie haben auch nicht gesagt, wir schaffen das iPhone ab und dafür kommt das Tablet. Sie haben gesagt: Hier kommt eine dritte Kategorie. Eine eigenständige. Die Menschen an “Computer” bringt, die bislang gar nichts damit zu tun hatten. Die anderen, die bereits über die beiden anderen Kategorien verfügen, eine weitere Nutzungsmöglichkeit aufzeigt, die über das bisherige hinausgeht. Der Apple-Ansatz ist ganzheitlich. Deswegen lässt er sich nicht in diese Dualismen packen. Und Google geht den gleichen Weg. Und auch Google kontrolliert. Nur haben sie diese Kontrolle ausgelagert. Dann nennt sich das “Wisdom of the Crowd”. Apple glaubt hingegen an Wisdom der Experten.

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    • http://www.talkabout.de Mirko Lange

      Sorry, das hat doch nichts mit dem iPad zu tun: Apple hat generell eine extrem starke Qualitätssicherung (um mal nicht das Wort “Konrolle” zu benutzen). Sie kontrollieren die Hardware, sie kontrollieren die Software, sie kontrollieren die Vertriebskanäle, die kontrollieren ihre Kommunikation. Vielleicht nicht so stark, wie sie wollten. Aber wenn ich vom “Prinzip Apple” spreche, dann spreche ich davon, dass Apple es noch viel stärker kontrollieren würde, wenn es das könnte.

      Der Apple-Ansatz ist mitnichten ganzheitlich. Wie du ja selbst sagt: Apple glaubt an die “Wisdom der Experten”. Experten entscheiden (hinter verschlossenen Türen) was gut ist und was nicht, und setzen es dann vor. Das ist übrigens genau das Prinzip, was Du auf's Schärftse beim DRPR kritisiert hast. Ich betone: Das Prinzip! Ich weiß, dass Ihr ja dem DRPR den Exptertenstatus absprecht.

      Und noch mal: Ich finde ja gut, was Apple macht. Man bekommt bei Apple nicht *alle* Optionen, sondern nur die vorausgewählten. Und das mögen ja auch dir richtigen sein. Und deswegen ist das toll. Aber ich als User kann eben dann nicht mehr entscheiden (außer mit Jailbreak). Ich habe nicht mehr die “Freiheit” – ich brauche sie ja auch nicht mehr.

      Und das ist in der “Open-Source” Bewegung (und da zähle ich Google dazu) nicht der Fall. Da kriegst Du eben “das volle Programm”, und bist dann auf dich selbst gestellt, dir das Passende rauszusuchen. Und um einigermaßen klar zu kommen, musst Du dich vernetzen, und bekommst “Empfehlungen” von der Crowd. Und dann musst Du aber noch selber entscheiden. In jedem Fall könntest Du Dich aber auch für alles Mögliche entscheiden.

      Ich verstehe gar nicht, wie man den Unterschied nicht sehen kann? Das “Prinzip Apple” reduziert die Optionen, und die Methode dahinter ist “Kontrolle”. Das “Prinzip Google” maximiert die Optionen und versucht das durch “Gewichtung” Orientierung zu geben. Das sind doch zwei völlig unterschiedliche Methoden. Sozusagen Äpfel und Birnen.

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  • http://amendedestages.com/ Christian

    Mirko, ich glaub ich weiß, wieso hier alle glauben, Du fändest Google gut und Apple schlecht: Das liegt schlicht an der Wortwahl. Vernetzung ist positiv konnotiert, Kontrolle negativ (zumindest wenn man der Kontrollierte ist). Hättest Du das Gegensatzpaar Offenheit vs. Führung oder Chaos vs. Kontrolle gebildet, stünden beide Begriffe auf der selben Ebene. Aber das nur am Rande. Du betreibst ja hier kein Sprachblog.

    Was ich bei Apple und Google sehe, ist, dass es sich vor allem um zwei exzellent positionierte Unternehmen handelt – nur deshalb kannst Du ja dieses Gegensatzpaar bilden und das finde ich aus Kommunikationssicht mal sehr positiv. Marken haben ja auch genau die Aufgaben, die von Dir erwähnte Komplexität zu reduzieren. Dabei wird man vermutlich in fast jedem Produktsegment einen “Apple” und einen “Google” finden – Marken, die mich mitentscheiden lassen, und andere, die mir diese Entscheidung abnehmen. In diesem Sinne wäre Nutella ein Apple, während Schwartau oder Zentis eher Google ist. Ob wir uns dann für Apple oder Google entscheiden, ist von der Produktkategorie abhängig.

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    • http://www.talkabout.de Mirko Lange

      Mal wieder sehr klug, Christian :-)

      Es wäre übrigens eine sehr interessante Debatte, also die über die Begriffe. Und ich habe diese beiden Begriffe schon sehr bewusst so gewählt (wobei Du Recht hast, dass ich mich nicht beschweren muss):

      “Kontrolle” ist aus meiner Sicht als Bezeichung für die eine Seite ein perfekter Begriff. Auch wenn er von vielen als “negativ” empfunden wird. Einereits ist das “Prinzip Apple/Jobs” eines, dass unglaublich stark auf Kontrolle setzt. “Führung” wäre für mich hier ein Euphemismus. Und m.E.n. geht es auch um den emotionalen Aspekt der Kontrolle. Wann immer wir derzeit über die Herausforderungen für die Unternehmenskommunikation sprechen, geht es genau um den Verlust der “Kontrolle” über die Informationen. Auch bei der in der FAZ- Artikel ansgesprochenen “Cloud” ist “fehlende Kontrolle” eines der wichtigesten Gegenargumente.

      Mit einem hast Du allerdings Recht: Wenn man das stark auf den iPad bezieht (und nicht auf das “Prinzip Apple” abstrahiert) ist “Kontrolle” nicht wirklich zutreffend. Denn hier ist (für den User!) emotional nicht die “Kontrolle” im Vordergund, sondern die “Convenience”. Aber wie gesagt: Die wird erst dadurch ermöglicht, dass Apple/Jobs alles TOTAL kontrolliert, was auf den iPad kommt. Denn wenn da mal was durchrutscht, was nicht konform ist, wird sofort auch die User-Experience zerstört. Jüngstes Beispiel: Jobs weigert sich beharrlich, Flash zur Verfügung zu stellen, weil Flash ab und zu zu Abstürzen führen kann. Das will er dem User nicht zumuten. Also kein Flash.

      Und – jetzt das andere Wort – auch den Begriff “Freiheit” hatte ich mit Bedacht gewählt. Auch hier im Bewusstsein, dass niemand gerne zugibt, sich in seiner Freiheit zu beschränken. Wir empfinden das Wort “Freiheit” immer also “nur” positiv. Ich sehe das nicht so. “Freiheit” ist ein enorm schwieriger Zustand. Ich denke immer an “Me & Bobby McGee” von Janis Joplin: “Freedom is just another word for nothing left to loose”. “Freiheit” ist anstrengend. “Freiheit” ist auch Chaos. “Freiheit” ist immer auch eine Vielzahl von Optionen.

      Und genau DAS finde ich ja das interessante an dem Thema – also das eigentliche Thema. Das, was auch Schirrmacher immer wieder anspricht. Das was auch Windows immer wieder vorgeworfen wird: Wer sind wir angesichts vieler, vieler Optionen? Eigentlich müsste doch mehr “Freiheit” entstehen, je mehr Optionen wir haben, oder? Oder anders gesagt: “Freiheit” bedeutet eben, dass ich ÜBERHAUPT Optionen habe. Warum führen irgendwann “noch mehr Optionen” nicht zu “noch mehr Freiheit”? Das ist doch ein ein interessantes Phänomen.

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  • Glamypunk

    Vor allem will Apple eins: unser Geld. Und gelenkte Nutzer sind natürlich einfacher auszunehmen. bestes Beispiel ist dieser unsägliche iTunes-Player, der nur konzipiert wurde, um unsere Bankdaten auszuforschen.

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  • http://www.talkabout.de Mirko Lange

    Hallo Michael, so mal als Gegenfrage, auch um das zu verstehen: An welcher Stelle genau “kritisiere” ich Kontrolle? ;-)

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