“Buzz” ist keinen Hype wert. “Buzz” ist langweilig. “Buzz” wird nur der neue Standard.

Posted by mirkolange on Februar 11, 2010 at 11:13 pm.

Gefühlt lese ich jeden Tag, dass ein Unternehmen das andere mit einem neuen Produkt “angreift”. Und unter einem “Killer” macht es heute kaum kein Produkt mehr, das es zu etwas bringen will. Und nun dieser Buzz um Buzz. “Halten Sie Google Buzz für ein geeignetes Produkt, um Facebook und Twitter anzugreifen?” fragt die tagesschau. Die Welt meint, Buzz wolle Twitter ersetzen, wieder andere sehen in Buzz “einen Großangriff auf die IT-Konkurrenz“. Etwas viel Buzz, Dramatik und Hype um Buzz.

Ich persönlich kenne die Motive von Google nicht, aber mir erscheint es absurd danach zu fragen, ob Google Facebook oder Twitter “Marktanteile abnehmen wird”. Von einer auf die andere Technologie zu *wechseln*, macht wenig Sinn, weil das Netzwerk (also die Kontakte zu seinen Freunden) entscheidend sind. Und die werden nicht geschlossen von Facebook und Twitter weg zu Google gehen. Aber wenn Google nicht Facebook und Twitter angreift, dann ist es doch langweilig. Oder nicht?

“Autofollowing als Key-Feature, faszinierend”

Erfrischend anders sieht es Bernhard Jodeleit: “Buzz ist kein Angriff auf Twitter. Und kein Angriff auf Facebook. Buzz könnte mittelfristig das niederschwelligste aller Social Networks werden”, schriebt er auf seinem Blog. Was er meint: Nirgends folgt (oder entfolgt) man so schnell einer Informationsquelle, bekommt immer wieder neuen und unerwarteten Input. Das inspiriert. So kommen neue Aspekte in die Gedankenwelt. “Autofollowing als Key-Feature, faszinierend”. Und, so sagt Bernhard komplett richtig, durch das Element “Location” bekommt diese Art der Information einen zusätzliches Element: Buzz zeigt einem nämlich “location aware” Kommentare von bisher unbekannten Nutzern, sprich: Was so alles in seinem aktuellen Umfeld passsiert. Das ist nicht wirklich neu, Gowalla und Foursquare boomen, neu ist aber der Integrationsgrad. Das ist fein gedacht.

Google zeigt die Zukunft von E-Mail

Aus meiner Sicht zeigt Google hier aber noch mehr. Nämlich nichts weiter als die Zukunft der E-Mail. Google macht hier einen ganz konsequenten Schritt bei der Erweiterung der (G-)Mail. Und es wird höchste Zeit. Die E-Mail ist einfach für einen Großteil der heute stattfindenden Kommunikation nicht mehr geeignet – man denke nur an “Diskussionen” über E-Mail mit “allen im Verteiler” . Ja, “Buzz” ist unübersichtlich (-er als Twitter), aber wenn man es in den richtigen Kontext setzt, sieht es schon ganz anders aus: Buzz ist deutlich übersichtlicher als eine Debatte über E-Mail. Der Integration von E-Mail und Statusupdates à la Buzz gehört die Zukunft. Da würde ich Wetten drauf abschließen. In nicht allzu ferner Zeit werden alle E-Mail-Systeme beide Möglichkeiten haben: Die eher förmliche E-Mail, die immer noch den Standards des Briefeschreibens folgt und die unverbindliche, informelle Kurznachricht, die entweder nur ein Statusupdate ist oder einfach nur ein Kommentar. Insofern macht es sehr viel Sinn, dass Facebook nun auch einen E-Mail-Service anbieten will. Die Integration macht Sinn und eröffnet viele Möglichkeiten – vor allem auch für Unternehmen.

Disclaimer: Den Buzz-Button habe ich mit Hilfe von Photoshop in Outlook eingefügt.

Das Gegenteil von Hype: Ein Standard.

Insofern hoffe ich persönlich, dass Buzz nicht wirklich zum Hype wird – sondern zur ganz normalen Realität. Keine Realität für die Geeks. Zum Standard. Realität für ganz normale Menschen. Die Manager. Die Sachbearbeiter. Die Mütter. Die Männer. Alle. “Wave” sollte das ganz große Fass aufmachen. Da sollten sogar “Kommunikation” (E-Mail, Chat, Microbloging und mehr) mit Publishing vereint werden (Blogs, Fotoalben, Dokumente und mehr). Der Schritt zu Wave war zu groß. Aber E-Mail, Status-Updates  und Chat in einem System zu verbinden, macht mehr als Sinn.

Google hat die E-Mail neu erfunden. Es war eigentlich ein logischer Schritt. Und es ist der richtige. Ich bin gespannt, wie “Buzz” bei Microsoft Exchange heißen wird.

Edit

Ich habe grade den Link zu diesem Blog “gebuzzt” – und war begeistert. Ca. eine Sekunden, nachdem ich den Link über “Strg + v” in das Eingabefeld kopiert habe, erschien folgendes Feld:

Buzz hat automatisch die Headline und den ersten Satz übernommen und bietet mir zwei Bilder an, die ich zu meinem Blogbeitrag hinzufügen kann. Find ich gut. Und eigentlich müsste das dann google auch gleich indiziert haben, oder? Und es stimmt: Der Blogeitrag war sofort in Google auffindbar.

Edit 2

Ich finde übrigens, dass Buzz in den normalen Einstellungen kaum lesbar sind. Es ist sehr störend, wenn alle “Buzzes” in den Posteingang laufen. Da gibt es aber eine sehr einfache Lösung: Per Filter alle Buzzes in den Ordner Buzz schieben und im Posteingang läschen – bevor sie im Posteingang sind. Das hat Markus Angermeier sehr schön in seinem Blog beschrieben.

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  • Mensch Meier, ein Anger ohne Meier ist ja nur halb so viel Wert. Das hat's mir beim Tippen verschluckt, scheint es. Danke für den Hinweis. Ansonsten wollte ich schon "Disclaimer" schreiben, damit mich keiner haftbar macht ;-)
  • kosmar
    es heißt disclosure, nicht disclaimer. sonst: eventuell. :)

    achso: ich heiße auch irgendwie anders, aber egal.
  • timkrischak
    Das Microblogging zu einem neuen Standard wird kann ich mir auch gut vorstellen. Die Nachteile der Email sind bekannt. Deshalb kann ich mir sogar vorstellen, dass die Email auf lange Sicht ganz verschwinden wird. Für die Kommunikation in Teams bietet Microblogging eine Reihe von Vorteilen. Besodners interessant finde ich, das Google seinen neuen Micrblogging Dienst in räumlicher Nähe zum Emailangebot platziert hat.
    Wird da in Kürze etwas zusammenwachsen?
  • mandelforce
    sehr spannende ansicht! ich habe mir erlaubt, diesen beitrag bei wehype zu verlinken
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