6 einfache Thesen zu Corporate Social Media

Posted by on Februar 17, 2010 at 2:29 pm.

Ich möchte hier meinen Beitrag zur “Normalisierung der Debatte” leisten und einfach mal ungeordnet eine Reihe von Thesen aufstellen.

1. Social Mediaist eine simple Realität

Menschen tauschen Informationen öffentlich im Internet aus. Und durch die Mechanismen des Internets bilden sich Cluster, in denen sich gleich interessierte Menschen über ihre speziellen Interessen austauschen. Punkt. Mehr ist das nicht. Aber auch nicht weniger.

2. Social Media ist ein neuer Einfluss auf die Meinungsbildung

Weil sich Menschen öffentlich unterhalten (und weil Google nicht vergisst und alles findet), sind die Gespräche, Informationen und Meinungen für alle sichtbar.

Menschen reden miteinander. Wenn sie es in sozialen Medien tun, kann jeder zuhören. Social Media Club München. (cc kirasong)

Sie fließen so in die Meinungsbildung anderer, nicht unmittelbar an dem Gespräch Beteiligter ein. Direkt, weil sie “das Volk” unmittelbar liest, oder indirekt, weil sie von Mittlern (also Journalisten und Bloggern) gesehen und verarbeitet werden. Dieses Phänomen ist ein komplett neues Phänomen: Zig-tausende Jahre war es fundamental anders: Da war “Wissen Macht”. Heute sind “Informationen Allgemeingut”.

3. Unternehmen sind wichtige Teilnehmer unser Gesellschaft

Es gibt keine Trennung zwischen dem Volk und dem Kapital. Jedenfalls nicht in der Breite. Unternehmen sind ein eminent wichtiger Teil unseres sozialen (!) Zusammenlebens. Unternehmen geben unserem Leben die Basis und vielfach auch einen Sinn (man denke an die Sinn-Krise, in die viele stürzen, wenn sie arbeitslos werden). Und weil Unternehmen so wichtig sind, haben sie nicht nur “das Recht”, an diesen sozialen Gesprächen teilzunehmen. Sie haben etwas zu sagen und beizutragen. Sie sind oft Know-how-Träger, und liefern eine wichtige und zusätzliche Perspektive. Es ist gut, wenn sie es tun. Für alle.

4. Es gibt viele Möglichkeiten, um Social Media zu nutzen. Alles ist gut

Es ist arrogant zu postulieren, dass man “Social Media” so oder so machen müsse. Auch im richtigen Leben gibt es tausend Möglichkeiten, um am sozialen Zusammenleben teilzunehmen: Die einen sind still und hören nur zu. Die anderen halten Reden. Wieder andere diskutieren viel. Und manch einer will sich immer in den Vordergrund schieben. Und ein Paar sind immer nur am meckern.

5. Es ist eine Frage von Moral, nicht von Social Media

Ja, es gibt Unternehmen, die sehr fragwürdige Geschäftspraktiken haben, die rein auf die Maximierung des Sharholder Values aus sind, und für die die Interessen der Stakeholder und der Umwelt nur zweitrangig sind. Das sind sie aber auch ohne Social Media.

6. Es ist egal, in welcher Form Unternehmen teilnehmen

Jede besondere Vorschrift, dass Unternehmen nur auf diese oder auf  jene Art an Social Media teilnehmen ist absurd. So lange Unternehmen die grundsätzlichen, für jede Kommunikation gültigen Regeln beachten, ist alles erlaubt. Sie dürfen in Social Media nicht täuschen, lügen, betrügen, etwas vormachen. Aber das hat nichts mit Social Media zu tun. Ansonsten können sie es tun, wie der Pfarrer Assmann. Und besser sie tun es, wie sie es können, als gar nicht.

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  • Sascha Stoltenow

    Habe da kommentiert (http://blog.talkabout.de/2010/02/15/dialog/), passt aber hier rein. Als These: Unternehmen (Marken, Produkte) sind Diskurse. Social Media sind eine der Plattformen, auf denen diese Diskurse stattfinden – oder nicht. Unternehmen sollten tun, was ihnen nutzt.

    Der Beitrag auf dem Werbeblogger hat eine für mich überschaubare inhaltliche . Die Beobachtung aber, dass es eine Krise gibt stimmt (obwohl sie natürlich banal ist). Spannend ist, wohin der Wandel geht. Meine These: Weg von der reinen Wachstumsideologie hin zu qualitativen Gewinnen, also substantielle Nachhaltigkeit statt des CSR-PR-Gequatsches.

    Warum ich das mache? Weil ich auch eitel bin, weil es Freude macht und weil ich auf ein paar fundamentale Fragen von vielen Social Media Experten immer noch keine Antworten bekommen habe. Daher gebe ich mich der Illusion hin, dass interessante Auftraggeber das auch so sehen und aus meiner großen Klappe eine Kompetenzvermutung ableiten. Beim Publikum meines Blogs hat es schon geklappt.

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  • http://www.injelea.de Frank Hamm

    Für mich reduziert sich Vieles auf Eines: Menschen sind Gespräche. Überall. Jederzeit. Unternehmen sind auch nichts anderes als eine Ansammlung von Menschen.

    Social Media ermöglichen es Vielen viel besser an Gesprächen teilzunehmen – auch zeitlich verzögert in einer Art Long Tail, weil Menschen ein Gespräch(sangebot) aufgreifen. Aber nicht jeder will es oder tut es. Genauso steht der eine schweigend an der Theke während der Bartender im eine Geschichte erzählt wie ein anderer am Tisch die Rede schwingt. Dazwischen und darüber hinaus gibt es Vieles.

    Wichtig ist dabei Respekt vor dem anderen zu bewahren…

    Eigentlich weiß ich gar nicht viel mehr zu sagen, was mich ziemlich frustriert. Denn vor allem fällt mir kein Widerspruch zu Deinen Thesen ein ;-)

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    • http://www.talkabout.de Mirko Lange

      @ Frank – Yo!

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  • Bernd

    Meine These:
    Egal was passiert, ihr werdet immer neue Buzzwords erfinden und damit Geld scheffeln.

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    • http://www.talkabout.de Mirko Lange

      LOL :-) … aber wer ist “ihr”? Und welche Buzzwords?

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