Wie sieht die Kommunikationsagentur aus, die den aktuellen Aufgaben am besten gewachsen ist?

Posted by on Januar 30, 2011 at 3:55 pm.

“Was muss eine Kommunikationsagentur leisten können und wie muss sie organisiert sein, um Unternehmen sinnvoll bei den neuen Aufgaben der Kommunikation zu unterstützen?“ – Wer bis zum 23.01., 24:00 Uhr hier eine Antwort auf diese Frage(n) gepostet hat, durfte sich Hoffnung auf zwei Tickets für die Social Media Conference am 15. und 16.02. in Hamburg machen. Wir haben die nun, wie angekündigt, unter den 10 besten Beiträgen verlost.

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Bevor wir Euch aber den Gewinner verraten, wollen wir mal sehen, was Ihr so geschrieben hab. Also – wie muss sie denn nun sein, diese Agentur, die Unternehmen den Weg ins Social Web weisen will? (von Florian Hohenauer)

Faktor 1: Charakter

Eine ganze Reihe von Kommentaren ging auf den Charakter – die die soziale Kompetenz – einer guten Agentur ein. Hier sollten Agenturen alles mitbringen, was sie auch von Social Web-willigen Unternehmen einfordern: Authentizität, Transparenz, Offenheit, Dialogfähigkeit, den Willen und die Fähigkeit, Neues zu Lernen und sich in den Kunden hineinzufühlen – all dies sieht z. B. Kathrin Sohst als zentrale Eigenschaften einer guten Social Web-Agentur.

Beim Thema Transparenz werden unsere Kommentatoren ganz konkret: Unternehmerin Sonja verlangt von ihrer Agentur vor allem Ehrlichkeit: „Wenn man Scheiße gebaut hat, Klartext reden. :-)“. Und uphoff pr&marketing meint: „Man kann und muss nicht alles können. Dazu stehen aber schon!“

„Zuhören können“, fand Sebastian wichtig, um den Kunden und dessen „Struktur und Kultur sowie seine Zielgruppe zu verstehen“, ergänzt Andrea Eppert. tomzens meint, man müsse zuerst den „Geist des Unternehmens einfangen“ und ChristianeB will diese Fähigkeit am liebsten auch durch “gelebte Beispiele” belegt sehen. Nur so könne die Agentur den richtigen Weg vorgeben.

Aus der Charakter-Perspektive ist also ein „guter Coach“ gefragt – eine Agentur, die vorlebt, was im Unternehmen umgesetzt werden soll und bei der sich der Kunde bei den Anpassungsprozessen gut aufgehoben – aber nicht „entmündigt oder entmutigt“ (Herr Bert) – fühlt. M Kussin beschreibt das als Fähigkeit, „Unternehmen die Angst vor einer menschlicheren Kommunikation zu nehmen“. Jessica Schmidt ergänzt einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein gutes Gelingen: „glückliche Mitarbeiter, die ihren Job gerne machen“.

Faktor 2: Erfahrung

Ein Urteil über die soziale Kompetenz einer Agentur klappt manchmal schon nach dem ersten Meeting. Es kann aber auch länger dauern, bis Geschäftspartner wissen, ob die Chemie stimmt. Leichter erkennen können potenzielle Kunden die praktischen Erfahrungen einer Agentur. Auch die sind unseren Kommentatoren wichtig. Wer sich selbst nicht im Social Web bewegt, scheint auch für die Beratung ungeeignet.

„Für ein Unternehmen ist es wichtig zu sehen, dass die Agentur sowohl selbst aktiv ist, als auch verschiedene Unternehmen erfolgreich beraten hat und daher aus einem Erfahrungsschatz schöpfen kann, der im Unternehmen selbst nicht vorhanden ist“, schreibt Andrea Eppert und Anna Ermann meint: „Nur wer selbst gern im Social Web zuhause ist, kann Kunden als Neuzugezogene ehrlich und erfolgreich beraten.“

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach hat in einem seiner Blogposts einmal gefordert: „Feuern Sie Ihren Social Media-Berater, wenn er erst 2005 oder noch später angefangen hat zu bloggen“. Dem schließen sich unsere Kommentatoren nicht an. Berater müssen die neuen Möglichkeiten, auch basierend auf ihren Erfahrungen, vor allem richtig einordnen und Empfehlungen geben können, aber „es darf nicht der Eindruck entstehen, ein Haufen junger Nerds empfehle etwas nur deshalb, weil es ihnen selbst Spaß macht“, so Andrea Eppert.

Das sehen wir übrigens genauso: Wer die Möglichkeiten des Social Web für die Unternehmens­kommunikation nach einem Jahr des intensiven „Eintauchens“ nicht verstanden hat, wird sie auch nach 10 Jahren als Harcore-Blogger nicht verstanden haben. Wer schon erfolgreich abgeschlossene Social Web-Kommunikationsprojekte – nicht möglichst viele Blogposts – vorweisen kann, ist definitiv im Vorteil.

Faktor 3: Professionalität

Neben Charakter und Erfahrung in der Praxis des Social Web fordern unsere Kommentatoren vor allem Professionalität: Eine Agentur muss in der Lage sein, die Social Web-Kommunikation als Teil einer Gesamtkommunikationsstrategie entwickeln zu können. Wer sich nie mit den Wirkmechanismen von professioneller Kommunikation auseinandergesetzt hat, dem sollten auch Unternehmen kein Vertrauen schenken.

Oseon-Agenturchef Tapio Liller gibt uns eine kleine Vorschau auf sein bald erscheinendes Buch und geht auf die relevanten Schritte der Strategieentwicklung ein: Am Anfang steht eine Analyse der Relevanz der neuen Möglichkeiten für den Kunden. Kommt diese zu einem positiven Ergebnis, muss die Agentur ihre Kunden bei der Definition messbarer Ziele unterstützen und eine Strategie zu deren Erreichung aufzeigen können. Schließlich geht es um die Anleitung bei der konkreten Umsetzung – die übernimmt nicht allein die Agentur, meint auch Jessica Schmidt: „Agenturen [können] Unternehmen bei Social Media Kommunikation ‚nur‘ unterstützen – machen müssen die Unternehmen selbst.“

Unsere Kommentatoren haben noch weitere Tipps, die im Beratungsprozess wichtig sind:

  • Die Hamburger Akademie findet: „Nichts ist schlimmer als Lösungen von der Stange, die mit ‚das haben wir für XY auch schon sehr erfolgreich umgesetzt‘ angeboten werden, ohne darüber nachzudenken, wie sich das Business von XY vielleicht von dem des Kunden unterscheidet“.
  • Für die vielen Kanäle des Social Web wünscht sich Katrin (Unternehmen) eine „nach außen hin einheitliche Darstellung in allen Kanälen. D.h. die Firmenidentität durch strategisch geplante, widerspruchsfreie und einheitliche Maßnahmen konsequent über alle Kommunikationskanäle hinweg nach innen und außen“.
  • Marek Hoffmann meint, dass es auch Aufgabe der Agentur ist, dem Kunden klar zu machen, „dass er in Social Media (Zeit, Geld, Hingabe) investieren muss, um ein für ihn zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten“.
  • Andrea Wollin (Unternehmen) betont: „Das Wichtigste für Unternehmen ist, wenn sie mit Externen zusammenarbeiten, die Erreichbarkeit. Die unbedingte und fast 24/7-Erreichbarkeit. Wenn was ist, dann dauert es höchstens 2-3 h und wir haben eine Antwort“.

Fazit

Eine Agentur, die Unternehmen sinnvoll bei den neuen Möglichkeiten der Kommunikation unterstützen soll, muss also eine gute Mischung aus Charakter, Erfahrung und Professionalität mitbringen. Das waren eigentlich auch schon immer Kennzeichen einer guten Agentur. Neu ist wohl v. a., dass diese Eigenschaften nun auch immer mehr öffentlich und für potenzielle Kunden somit leichter zu beurteilen werden. Auch für Agenturen gelten die Mechanismen des Social Web. Das ist eine riesige Chance für richtig gute Agenturen und hoffentlich der Anfang vom Ende von Lügen- und Täusch-Manövern, die die PR immer wieder in Verruf bringen.

Auch eine Diskussion über Blogbeiträge und Kommentare wie diese gehört zur neuen Öffentlichkeit in der Kommunikationsberatung und wir danken noch einmal herzlich allen, die etwas beigetragen oder andere auf die Diskussion hingewiesen haben. Wir haben hier versucht, Eure Beiträge so gut wie möglich zusammenzufassen – hoffentlich hat das auch aus Eurer Sicht einigermaßen geklappt. Alle Leser dieses Beitrags sollten sich auf jeden Fall nochmal Zeit für die ausführlichen Kommentare nehmen – da steckt noch viel Schlaues drin, was wir hier nicht mehr untergebracht haben. Vielen Dank fürs Lesen und frohes Schaffen!

Die Gewinner

Immer noch da? Ach ja… Ihr wartet noch auf was, richtig? Nun denn, zur Tat: die besten Beiträge haben aus unserer subjektiven Sicht* beigesteuert: Michael M. Roth, Katrin, steffanie, uphoff pr&marketing, Sonja, Tapio Liller, M Kussin, Jessica Schmidt, ChristianeB und Andrea Eppert.

Die  Karten gewinnen**: Andrea Eppert und M. Kussin! Herzlichen Glückwunsch und ganz viel Spaß! Wir melden uns bei Euch für die „Übergabe“.

* Auswahl: Das war schwer… Wir haben v.a. drauf geachtet, ob die Frage nach den NEUEN Anforderungen beantwortet wurde. Nicht nur die, was eine gute Kommunikationsagentur ganz generell ausmacht. Danach hatten wir immer noch zu viele gute Beiträge und haben die rausgenommen, die Punkte gebracht haben, die zuvor schon Kommentatoren in recht ähnlicher Form gepostet hatten.

** Auslosung: Durchgeführt mit dem „List Randomizer“ von random.org

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