Gemocht und doch missachtet – warum ein Facebook Fan zunächst mal noch gar nichts wert ist

Posted by on Juni 5, 2011 at 12:00 pm.

Irgendwie bekommt “Facebook” in meiner Wirklichkeit immer mehr Bedeutung. Nicht, weil Facebook faktisch tatsächlich so wichtig geworden wäre, sondern einfach deswegen, weil sich meine beruflichen Gespräche immer häufiger um Facebook drehen. Wie auch heute in der FAS (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung), wo die Redakteurin Jenni Thier in dem Artikel “Kauf dir deine Fans” über Facebook schreibt, und mich im Vorfeld dazu interviewt hatte. Die Debatte über “gekaufte” Fans (sei es über ebay, fanslave oder über das Locken durch ein tolles Gewinnspiel) zeigt mir wieder deutlich: Es besteht immer noch ein Riesen-Missverständnis. Die meisten Menschen in den Unternehmen verstehen nicht den Wert von “Fans” auf Facebook. Oder anders gesagt: Sie überschätzen ihn total. Oder doch nicht?

Was mir persönlich immer sehr hilft, die digitale Welt zu verstehen, ist Analogien zum echten Leben zu finden. Im Falle von Facebook wäre das ein großer Raum, in den jemand seine Freunde und alles, was er sonst so “mag” zum Abhängen einlädt.  Jedes Facebook-Mitglied hat so einen Raum. Und wenn man Fanpages “liked” oder sich “befreundet” darf man als Freund oder Unternehmen in diesen Raum hinein. So weit so gut. Das Missverständnis ist aber, dass alle denken, dass man dann die anderen Leute in dem Raum (=”neue Zielgruppen”) auch “ansprechen” kann, und dass man dann “Reichweite” generiert und so…

“Geliked” und doch missachtet

Das kann man aber nicht. Oder genauer: Man könnte schon, aber man kann es nicht dadurch, dass man einfach irgendwas so dahin sagt. Man stelle sich vor: Da steht jemand mitten in einem dieser Räume und brabbelt so rum. Bei Facebook: Er schreibt etwas an *seine eigene* Pinnwand. Und, nun ja, die anderen hatten ja gesagt, dass sie ihn mögen, und deswegen müssen sie ja jetzt auch zuhören? Ist leider nicht so. Okay, vielleicht mal zufällig. Aber nicht aufmerksam. Stellen Sie sich einen Raum mit 500 Menschen vor. Je nachdem, wie der Charakter des Gastgebers ist wird er in einem solchen Raum vielleicht von Mensch zu Mensch gehen, und mit jedem der 500 Menschen nacheinander reden. Vielleicht. Aber eher wohl nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er sich zu einigen wenigen Grüppchen dazu stellt, nämlich zu denen, die er gut kennt, und mit denen er schon öfter gesprochen hat. Und wenn in einer Gruppe mal so richtig heftig diskutiert oder gelacht wird, geht er vielleicht auch mal hin und stellt sich dazu. Aber die, die nur alleine in der Ecke stehen, mit denen wird er kaum Kontakt haben. Nun ja, es sei denn, er hat eine ausgeprägt starke soziale Ader (oder er ist Social Media Experte).

Die Sache mit dem Edge-Rank

Und genau das simuliert der “Facebook-Edge-Rank”. Dieser von Facebook verwendete Algorithmus gibt nämlich vor, was ein User (der Gastgeber) in den “Hauptmeldungen” zu sehen bekommt. Facebook sucht also schon automatisch die Grüppchen aus, zu denen der Gastgeber geht (es sei denn er lässt sich mit einem Klick alle Meldungen anzeigen). Facebook bewertet dafür zunächst einmal alle Profile selbst: Je häufiger der jeweilige User mit einem anderen Profil interagiert (liken, kommentieren, teilen), desto höher wird die “Affinity” diesesProfils für ihn. Das entspricht genau dem “Raum-Bild”. Der Gastgeber stellt sich besonders häufig in die Gruppen, die er gut kennt. Auch wichtig für die “Affinity” ist, wie viele seiner Freunde mit dem Profil verbunden sind – und wie oft diese mit dem Profil interagieren. Das ist ebenso logisch. Das sind seine Freunde in der jeweiligen Gruppe. Und Facebook bewertet dazu noch den einzelnen Post: zum Beispiel die Aktualität (je aktueller ein Beitrag, desto relevanter wird er von Facebook erachtet), aber auch das “Weight”, also wie oft ein Beitrag generell (nicht nur von dem User selbst) geliked, kommentiert oder geteilt wird. In der Raum-Analogie: Wenn jemand in dem Raum ein besonders tolle Geschichte erzählt, gehen viele Leute hin und hören zu. Das ist alles keine Raketenwissenschaft oder “Technik”. Facebook und Twitter und alle anderen Sozialen Medien funktionieren genau so, wie die reale Welt! Deswegen sind sie übrigens so erfolgreich.

Auf die Relevanz kommt es an

Wir lernen: Von einem Fan, mit dem eine Unternehmen nicht interagiert (und auch nicht mit dessen Freunden), hat eine Marke oder ein Unternehmen so gut wie gar nichts – außer mal zufällig Empfänger von Botschaften. Das ist so, als ob ich zwar in den Raum darf, aber nur in der Ecke stehe. Das einzige, was es der Marke dann bringt ist, wenn sie in so vielen Räumen sein darf, dass es richtig toll aussieht, wenn sie die Fanzahl-Rankings ihrer Mitbewerber anführt. Da sagen dann alle “ah” und “oh”, und “der darf in soooo vielen Räumen sein – viel mehr als  ich”. Ernst gemeint: Das ist schon ein Argument. “Gut dastehen” ist ja nicht ganz unwichtig. Aber sonst? Nix! Vielleicht darf sie (also die Marke) als “Sponsor” in ihrer Ecke auch mal was zu Trinken austeilen. Oder Hamburger verschenken. Die Leute kommen dann – weiter miteinander redend – kurz vorbei, holen sich ihr Goodie ab, und gehen dann wieder. Clever von den Leuten. Doof von den Marken.

Blinde Interaktion?

Ist deswegen “blinde Interaktion” besser? Immerhin ist das ja der entscheidende Faktor! Nö. Wohl auch nicht. Denn dann läuft man Gefahr, dass einen der “Fan” wieder “entliked” oder die Beiträge ausblendet, dann habe ich auch nichts gewonnen. Denn einen Gast, der immer nur dumm rumquatscht und sich selbst darstellt, braucht niemand. Der wird irgendwann rausgeschmissen. Was ein Unternehmen oder eine Marke stattdessen tun kann, hängt vor allem vom Fingerspitzengefühl ab. Und da hilft wieder das Bild des Raumes. Das Geheimnis ist, eine so gute Geschichte zu erzählen, sich so gut zu platzieren, dass die Leute Lust auf einen haben. Dass man nachhaltig einen Beitrag in diesem Raum leistet. Weil man unterhält. Weil man den anderen hilft. Weil man sympathisch ist. [ergänzt: Weil man Einblicke gibt. Weil man die Menschen hinter dem Unternehmen ezigt. Weil man Know-how weitergibt. Weil man sich einsetzt. Weil man zuhört. Weil man zurückspiegelt, was man gelernt hat. Weil man Klartext redet. Weil man Positionen vertritt anstatt politisch zu manövrieren. Weil man ... weiß noch jemand was?] Und weil man immer unter der Schwelle der Aufdringlichkeit bleibt. (Fraglich ist auch, ob der Gastgeber akzeptiert, wenn man da in seinem Raum einen kleinen Laden aufstellt und anfängt, Sachen zu verkaufen). Die wichtigste Kompetenz bei Social Media ist nicht “Technik” oder “Kommunikation”, sondern soziale Kompetenz. Der Umgang mit Menschen. Ganz real.

Fazit: Fans zu haben ist erst der Anfang

Klar, tolle Geschichten zu erzählen, ohne dass einem jemand zuhört, bringt nichts. Man braucht “Fans”. Aber was die Unternehmen auch klar verstehen müssen: Viele (potenzielle) Zuhörer zu haben, aber dann nichts relevantes zu sagen haben bringt genau gleich viel. Also nichts. Denn dann mögen die Fans einen zwar “mögen” – trotzdem missachten sie einen. In den Raum hinein zu dürfen ist erst der Anfang. Und dann muss ich als Marke dafür sorgen, dass die Menschen auch gerne mit ihr interagieren. Erst dann hat man wirklich die Chance, für die Menschen auch außerhalb des Raumes relavant zu werden. Ansonsten – jetzt ein anderes Bild – ist das so, als ob der Fan sich mal einen Button “I like Marke” hat schenken lassen, und den er dann in eine Schublade gelegt hat. Vielleicht sieht er den Button ab und zu mal beim Aufräumen. Aber irgendwann schmeißt er ihn auch weg, weil er keine echte Bedeutung für ihn hat. Bringen tut das nichts. Das täte es nur, wenn er den Button auch an seiner Brust trüge.

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deakkue 5 pts

Aber auch nur, wenn Facebook NUR die Marken einblenden würde, und nicht meine engsten Freunde. Und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass ich noch 20 Freunde habe, mit denen ich mich täglich 10 Mal auf Facebook austausche, geht die Quote eher auf 1 oder 2 Prozent runter. Oder gibt es eine "Anzeigegarantie für Fans mit mehr als 10.000 Fans"? Kann ich mir nicht vorstellen. Oder anderes herum: Wenn ich auf Facebook nur einer einzigen Marke folge, und sonst auch keine Freunde habe, müsste ich eigenltich 100% der Postings sehen.

janvanthoor 5 pts

es gibt auch Möglichkeiten mit seine Facebook Fans in Kommunikation zu treten & rauszufinden wie viel die tatsächlich Wert sind.... http://www.globalpark.com/business-solutions/business-solutions/social-insights.html

FrankKemper 6 pts

Ich finde, viele Firmen treiben mit ihren Facebook-Auftritten auch ein bisschen Schindluder. Beispiel "Telekom hilft": An sich ist der Gedanke, mir auf Facebook ein Help Center zur Verfügung zu stellen, damit ich meine Probleme mit dem Dienstleister geregelt kriege, gar nicht so blöd. Inzwischen gibt es immer mehr Leute, die lieber im Netz irgendwelche FAQs durchsehen als irgendwelche Hotlines anzurufen. So weit, so gut. Aber warum muss ich bei "Telekom hilft" erst Fan werden, bevor ich darauf zugreifen kann? In meiner persönlichen Wahrnehmung muss ich ein Unternehmen schon sehr mögen, stolz darauf sein, dass ich seine Produkte für mich entdeckt habe, damit ich ein "Fan" des Unternehmens werde. Im beschriebenen Fall dagegen mag ich das Unternehmen ja gerade nicht. Im Gegenteil: ich habe gerade ein Problem, das ich gelöst haben will. Und wenn das Problem gelöst ist, sollen sie mich wieder in Ruhe lassen. Bin ich Fan der Münchner Stadtwerke? Warum sollte ich?

MirkoLange 29 pts

FrankKemper Ja, da ist noch viel "Workaround". Und auch in den Unternehmen läuft kaum etwas wirklich rund. Ist ja auch ein junges Thema.

SaschaStoltenow 24 pts

FrankKemper Man muss "Fan sein" hier nicht auf Teufel komm raus im Wortsinne auslegen. Betrachte den Klick einfach als Anruf. Wenn Du etwas von den Münchner Stadtwerken willst, musst Du sie ja auch anrufen -. und kannst anschließend wieder auflegen.

viktordite 5 pts

hin oder her, solange ich mit meinen Bemühungen bei Facebook auch in den google SERPS gelistet bin, habe ich alles, was ich will....

kaffeebeimir 5 pts

Eine wirklich erfolgreiche Kampagne ist das hier: https://opalkatze.wordpress.com/hadji/#hadji_last (kurze Zusammenfassung von mir). Mit jeder Menge engagierter Interaktion der Fans. Geht doch.

Fritz 5 pts

Danke für die interessante Debatte.

Ich frage mich: Warum bringt Facebook den Edgerank ins Spiel?

Die Antwort ist vermutlich: Die Unternehmen sollen nicht daran vorbei kommen, auf Facebook auch bezahlte Werbung zu schalten.

Bislang dachten die Unternehmen ja: Prima, Social Media ist ein Medium, das uns keine Media kostet. Wir sammeln peu á peu tausende Fans, senden an sie unsere Botschaften, von dort können unsere Inhalte weiter "viral" diffundieren - bezahlte Kleinanzeigen brauchen wir also nicht.

Logische Konsequenz: Facebook schränkt die Nutzung der Fan-Basis ein und lässt - notgedrungen - nur die lebendigen Beziehungen zwischen Marke und Konsument leben, die anderen werden quasi stillschweigend gekillt.

Vermutlich ist diese Einschränkung immer dann revers, wenn das Unternehmen auch zahlender Werbekunde ist. In dem Fall dürfte der Algo etwas anders rechnen und die Schranke geht für einen gewissen Zeitraum wieder hoch. Vielleicht steckt in dem genannten Durchlässigkeitswert von 40% schon so ein Durchschnitt aus Accounts mit und ohne Vorfahrt für die eigenen Botschaften.

Aus Unternehmenssicht würde sich dann aber nicht nur die Frage stellen, wie man effizient mit möglichst vielen Fans interagieren kann, sondern ob die Effizienz nicht höher ist, wenn man dann und wann - sehr gezielt und abgestimmt mit wichtigen Kampagnen-Flights - Anzeigen zuschaltet.

Was nebenbei deutlich wird: Die Unternehmen können den Nutzwert von Facebook schwer planen und einschätzen; die Kosten tendieren dazu, nicht banal zu sein; "Inszenierungen" (ein weiter Begriff!) außerhalb von Facebook, die aber Kraft genug haben, um Word-of-mouth loszutreten, sind eventuell die geschicktere Strategie; Facebook ist ein absolutistischer Regelmacher, d.h. kann machen was es will, um seine Einnahmenseite zu stützen, auch gegen die Interessen seiner Nutzer.

Ich vermute, der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo die Unternehmen Facebook unter Einbeziehung des effektiven Wertbeitrags betrachten und dann den Hype ein paar Etagen nach unten sausen lassen.

MirkoLange 29 pts

Fritz Der Edge Rank beschränkt sich nicht auf kommerzielle Posts. Es ist ein ganz einfaches Problem. Der durchschnittliche User hat 130 Freunde, die durchschnittlich 3 Posts am Tag auf Facebook stellen. 390 Posts kann kein Mensch lesen. Deswegen versucht Facebook irgendeinen Filter einzubauen, der die "wichtigen" Nachrichten bevorzugt. WIe Google mit seinem Page Rank. Das ist auch von Google kein Unterstützungsprogramm für SEO-Spezialisten, sondern dient dem Kunden (also: Nutzer) Interesse.

Fritz 5 pts

MirkoLange Fritz Ich bin zugegebenermaßen erst seit wenigen Tagen versuchsweise bei Facebook, witzigerweise just nachdem mein 19 jähriger Sohn und FB-Intensivnutzer sein Account deaktiviert hat, weil ihm das plötzlich alles doch sehr blöd und zeitverschwendriusch vorkam. Ich mache also gerade erst ein paar Erfahrungen und mein erster Eindruck geht Richtung "ziemlich langweilig", vllt ja auch deswegen, weil FB meint, Posts einfach mal zu unterdrücken, oder weil die mit mir verbundenen Accounts nichts Spannendes zu melden haben.

Es erhebt sich aber natürlich sofort die Frage: Wie um alles in der Welt kommt FB dazu, mir einen versteckten Vormund vorzusetzen? Einen quantitativen Zensor? Wenn FB mich vor Uninteressantem schützen will, geht das wohl kaum anders, als dass es mir die entsprechende Filtermöglichkeit an die Hand gibt. Dann kann ich meine Timeline irgendwie feinjustieren oder es bleiben lassen.

Mit Google kann man das Gebaren von FB meiner Meinung nach kaum vergleichen. FB ist ex definitonem ein privates Netzwerk. Mit dem Edge Rank greift FB ungebten in mein privates Netzwerk ein - ohne dass ich bislang etwas davon wusste und ohne dass ich das ausschalten könnte.

Das ist ein ziemlich dicker Hund ;)

Und ich bleibe dabei: Die Erfindung des Edge Ranks scheint der Verteidigung der Umsatzinteressen von FB zu dienen. Auf der Strecke bleiben dabei u.a. die Interessen der Nutzer.

kristian.koehntopp 7 pts

Fritz MirkoLange Wenn Du keinen EdgeRank magst, klickst Du halt unten rechts auf "Edit Options" und stellst von "Friends and Pages you interact most with" auf "All Friends and Pages" um.

Dann bekommst Du einen volle Timeline ohne Filter.

MirkoLange 29 pts

kristian.koehntopp Vielen Dank für den Tipp! Aber es geht ja nicht darum "ob ich ihn mag". Aber Facebook sagt selbst, dass 95% der User nur die Hauptmeldungen anschauen. Das muss man als Unternehmen wissen. Dann weiß man eben auch, dass man seine "Fans" eben nicht automatisch erreicht, nur weil sie Fans sind. Das war die Aussage.

JudithDenkmayr 6 pts

Ja, zustimmung. Aber: ich zitiere den Facebook Edge Rank auch gerne in gesprächen mit Kunden, in denen es um "Fans, Fans, Fans" geht. eines sollte man aber nicht vergessen: wie google gibt auch Facebook den Algorithmus nicht bekannt, sondern gibt nur Nutzungsempfehlungen raus. Der Edge Rank ist meiner Information nach nur eine Annahme von Developern außerhalb von Facebook. Eine Information, die ich aber aus gesicherter Quelle habe - Wer Geld bezahlt, wird bei Facebook besser behandelt. (also mit Werbeeinschaltungen etc.). Im Unterschied zu google, übrigens.

MirkoLange 29 pts

JudithDenkmayr Sehr gut. Danke. Also was man auf jeden Fall sagen kann: Ein Fan ohne Interaktion ist nichts wert. Meine Postings als Marke finden nicht den Weg in Sein Bewsusstsein - in den allermeisten Fällen wahrscheinlich nicht mal den Weg auf seine Wall. Ich habe - um mal im Kommunikations-Fachdeutsch zu reden - nicht einmal einen "Offer-to-see". Bei Twitter läuft der Post ja definitiv in die Timeline, nur dass er da möglicherweise irgendwann nicht mehr wahrgenommen wird, weil es so viele sind. Allerdings ist es auch noch keine Garantie, dass man mit höherer Interaktion sicher in das Bewusstsein der Leute kommt. Klar, BEI der Interaktion schon. Aber ob dann die folgenden Postings vermehrt auf der Wall auftauchen ist noch unklar. Der Nutzen von Facebook für Unternehmen ist demnach ein anderer. Das meine ich schon lange :-)

JudithDenkmayr 6 pts

MirkoLange Keine Frage, ohne Interaktion ist der Fan wenig/er wert. Ich gehe auch davon aus, dass nur selten Postings auf den Pinnwänden derer erscheinen, die nur schnell ein Ipad gewinnen wollten (und dabei ist Ipad-community-building immer noch höchst erfolgreich, wenn es um Fanzahlen geht:)) - sobald sich aber Freunde von mir bei den jeweiligen Postings einbringen, hat das Posting aber gute Chancen, auch in meinem Stream zu landen.Da gibt es also noch einige Parameter, die einen inaktiven Fan eventuell nicht gleich zur Karteileiche werden lassen.

MirkoLange 29 pts

JudithDenkmayr Ja klar! Ich bin ja kein Facebook-Gegner :-) Mein ebOtschaft war eigentlich nur, dass "einfach nur Fans" nicht reicht, und dass dann die Arbeit eigentlich erst anfängt. Wie im richtigen Leben. Einen ersten Kontakt zu einem netten Mädel herzustellen ist leicht - dann aber eine erfolgreiche Beziehung zu führen dagegen schon :-)

JudithDenkmayr 6 pts

MirkoLange Da bin ich ganz bei dir - und wärest du facebook gegner, hätte ich großes Mitleid - weil unser aller Job sich ja immer mehr um Facebook dreht:)wie gesagt: ich bin voll bei dir, dass diese Likers-mit-arbiträren-Incentives ködern -Strategie wenig Sinn hat - es sei den für das Ego der jeweiligen Unternehmen (das meist nicht ganz unwichtig ist.)Für mich die interessanteste Frage: wie komm ich an die inaktiven fans ran, welche Strategien zur Aktivierung gibt es?

tim_my 5 pts

JudithDenkmayr MirkoLange Das ist eine interessante Frage: Zum einen aus Sicht des dialogischen Beziehungsaufbaus zwischen Organisation und Fans und zum anderen im Hinblick auf virale Effekte. Ich schreib eüber die Frage gerade meine MA: Untersucht wird der Einfluss von Nachrichtenwert, (einzelnen Nachrichtenfaktoren), Uses & Gratifications-Motiven und PR-Beziehungsstrategien (Relationship Cultivation Strategies). Vielleicht gibt es einige Zusammenhänge. Von meinem persönlichen Eindruck her spielen vor allem Fragen, gemeinsame Meinungsbildung und die Möglichkeit zur Zusammenarbeit eine Rolle. Allerdings ist das nur der qualitative Eindruck - noch nichts bewiesen.

AlYeti 5 pts

tim_my Veröffentlichst Du Deine Erkenntnisse?

tim_my 5 pts

AlYeti tim_my Würde ich gerne machen. Allerdings muss ich schauen, wie die konkrete Rechtesituation zwischen mir und der Uni ist. Aber ein paar Eindrücke gibt's sicherlich über Twitter oder meinen Blog. Dauert aber noch ein Weilchen (Aug, Sep) ;-)

MwieM 5 pts

Ist Facebook ein Märchenbuch - Stichwort Geschichten erzählen? Das ist doch PR-Jargon. Wenn es darum geht, mit Facebook Umsatz zu erzeugen, und darum geht es allen, egal welche abstrusen Beteuerungen sie mit Ihrem Engagement in Sozialen Medien verbinden. Es zeigt sich, zumindest in allen mir bekannten relevanten Studien, die sich leider (warum nur) nur für die USA finden lassen, dass Facebook, wie auch andere Soziale Plattformen, keine oder fast keine Rolle spielen.

HelgeThomas 5 pts

schöne analogie mit dem raum. einzige ergänzung. der raum befindet sich in einem riesigen haus. dieses haus ist der markt. in dem haus gibt es nebem dem kaminzimmer (socialmedia) auch noch den zeitungsraum, die bibliothek, das kino, den partyraum, das theater, einen speisezimmer, einen konzertsaal und im atrium die verkaufsstände. und in allen zimmern findet man einen plan des hauses mit agenda, damit man den überblick nicht verliert...

SaschaStoltenow 24 pts

Das Schöne bei Dir ist, man muss Dir nicht widersprechen, irgendwann tust Du es selbst ;-) Das, was Du von Marken auf Facebook forderst - Geschichten erzählen -, ist Inszenierung. Und weil Marken differenzieren, muss nicht jede auf Facebook selbst Geschichten erzählen, denn wenn sie die Inszenierung andernorts beherrscht (Apple), erzählen andere ihre Geschichte. Oder wie Shakespeare schrieb: Die ganze Welt ist eine Bühne.

MirkoLange 29 pts

SaschaStoltenow Menno Sascha, ich bin nah dran, dich einfach zu ignorieren. Es macht kein Spaß, wenn jemand immer außerhalb des Kontextes spricht. Die Debatte auf Facebook ging darum, dass man auch - anders als im herkäömmlichen Markenverständnis - ein Marke auch dadurch bilden kann, indem man kundennah ist. Und dass diese "gelebte Kundennähe" vielleicht sogar zu *dem* Differenziator wird. Es ging nicht darum, un dich habe auch nie gesagt, dass man nicht etwas inszenieren darf. Aber man ist arm, wenn man darauf beschränkt ist.

N_newcruiting 6 pts

MirkoLange SaschaStoltenow Die 'gelebte' Kundennähe muss genau der Differenziator sein, ansonsten braucht man Social Media Kanäle nicht - wenn dann zusätzlich Serviceprozesse miteingebunden und Synergien entwickelt werden, bekommt der Kunde etwas Nützliches, Einzigartiges. Die Zeit der großen Inszenierungen geht meiner Meinung nach dem Ende zu, denn sie langweilen mehr und mehr & stehlen uns allen die Zeit. Storytelling muss auch nicht unbedingt die große Inszenierung sein, es kann z.B. auch dazu genutzt werden, komplexe Zusammenhänge/Prozesse/Marken/Services/News/Empfehlungen interessant und einfach zu erklären und somit einen wirklichen Mehrwert zu schaffen. Firmen & Inszenierungen wie Apple haben meiner Meinung nach den Zenit bereits überschritten - die Kunden/Verbraucher werden in Zukunft andere Anforderungen an Ihre bevorzugte Marke haben.

MirkoLange 29 pts

N_newcruiting SaschaStoltenow Wieso kann man hier nicht zweimal oder dreimal "like" klicken? Sehr gut!Wobei: Gelebte Kundennähe "muss" nicht der Differenziator sein. Aber sie "kann" es sein. Und das ist eine Chance. Es werden noch weiterhin viele Marken auf mit Distanz und Inszenierung sehr erfolgreich sein. In vielen Bereichen geht das wunderbar. Man denke nur an Red Bull. Die haben flüssige Gummibärchen mit Stierhodenextrakten. Mehr nicht. Ziemlich ekelig. Der Rest ist Inszenierung. Aber sehr geil gemacht! Das ist pure Unterhaltung, und die wird auch weiterhin ihre Berechtigung haben :-)

N_newcruiting 6 pts

MirkoLange d’accord - aber diese Marken haben dies mit den konventionellen Kanälen schon sehr gut umgesetzt. Social Media unterstützt solche Kampagnen augenblicklich hauptsächlich durch den viralen Aspekt. Aber da kann ja noch Einiges kommen! Ich bin gespannt!

SaschaStoltenow 24 pts

MirkoLange Dass du meine Beiträge dereinst ignoriest, sei Dir unbenommen. Das ist Filtersouveränität. Dass Du kritisierst, ich stellte andere Kontexte her wiederum ist seltsam, erlaubt doch gerade das Netz eine Rekontextualisierung quasi nach Belieben. Mich treibt aber nicht die Willkür, sondern der Wille zu Klärung. Wenn Du also schreibst, Kundennähe stehe im Unterschied zum herkömmlichen Markenverständnis, dann frage ich mich, warum genau das bereits bei Domizlaff steht? (Den man trotz seiner Nähe zum NS hier mal konsultieren darf) Herkömmlicher geht es kaum. Genau hier setzt auch der
Gedanke eines intelligenteren Call
Centers ein, das Social Media-Kanäle miteinbezieht. Das ist bspw. bei der Bahn, ebenso wie das CD und die Uniform des Personals Teil der Inszenierung. Aber, und dabei gebe ich Dir dann doch Recht, kann es durch Social Media schneller gehen, dass schlechte Inszenierungen entlarvt werden. Und weil zu einer perfekten Inszenierung zwingend das Personal gehört, wird sie komplexer. Nicht weniger, sondern anspruchsvollere Inszenierungen liegen vor uns, wenn wir den Kunden nah sein wollen. Und weil das nichts Neues ist, nochmal Shakespeare: Die ganze Welt ist eine Bühne. Und wer in die Antike reisen mag: Nicht die Dinge sind wichtig, sondern was über sie gesagt wird.
Zugbegleiter

MirkoLange 29 pts

SaschaStoltenow Ich will Dir ja Deine Inszenierung gar nicht wegnehmen! Warum debattieren wir denn *kontrovers*? Wir reden einfach von anderen Dingen. Ja, Inszenierung ist gut und schön. Und sie hilft auch der Marke. Ich kenne wiederum den Herren Domizlaff nicht, ich vermute aber mal, der war nicht so stark in Social Media, oder? Wenn er das gewesen wäre, hätte er vielleicht gesehen, dass "Social Media" neben dem persönlichen Kontakt das einzige Massenmedium ist, wo man Kundennähe auch "leben" kann. Das geht nicht mit Werbeanzeigen, auch nicht mit PR oder Broschüren und Direct-Mailings. Und Kundennähe kann ein Teil der Markenwerte sein. Und jetzt die Preisfrage: Muss man nun "Kundennähe inszenieren", oder kann man einfach "kundennah sein"?

SaschaStoltenow 24 pts

MirkoLange Nein, in der durch das Internet vernetzten Medien- und Kommunikationsgesellschaft kann man nicht einfach nur "sein", bzw. man kann es schon, wie die Auslachkandidaten bei DSDS eindrucksvoll zeigen. Dann wird man eben inszeniert.

Und Hans Domizlaff, der war bärenstark in Social Media, schon 1937. Hätte er via FB zu Tessas Geburtstagsparty eingeladen, wären deutlich mehr gekommen ;-)

Im Ernst: Wer in Deutschland über Marke spricht, sollte Domizlaff wenigstens überflogen haben.

MirkoLange 29 pts

SaschaStoltenow Sigh. Wir reden über Worte....

ChristophKappes 16 pts

90% agreed, aber da der sog. Fan dem Unternehmen immerhin die Erlaubnis erteilt, eine Information an ihn zu senden, ist er ungefähr so viel Wert wie eine Mailadresse die recht gut segmentiert ist. Plus eventuell Imageffekt, weil jeder Fan weitere anzieht.

Nach unserer Diskussion wegen meines WuV-Interviews also: diesmal bist DU über´s Ziel hinausgeschossen ;-)

MirkoLange 29 pts

Tut mir Leid, Christoph, das so sagen zu müssen. Aber Du hast den Artikel entweder nicht (richtig) gelesen, oder Du hast ihn nicht verstanden :-) Die eigentliche Aussage ist (um in Deiner Analogie zu bleiben): Jeder Fan ist ungefähr so viel Wert wie eine Mailadresse, bei der man dann im Spam landet. Aufgrund des Edge Ranks kommen nämlich die Nachrichten, die man einfach nur so "vor sich her brabbelt", bei kaum jemandem an. Das ist unstrittig, und deswegen versuchen viele auch "ihren Edge Rank zu verbessern". Quasi "SEO" für Facebook. Google das mal. Aber das funktioniert auf Facebook eben anders als auf Google.

ChristophKappes 16 pts

Nein, Mirko. Bei Pages mit 10.000 Fans liegt die Quote bei 40%, die angezeigt werden, bei Seiten mit weniger Fans darunter. Was Du schreibst, "Spam", kommt aber gar nicht an.

MirkoLange 29 pts

ChristophKappes Hallo Christoph. Woher hast Du denn diese Zahl? Sie erscheint mir nicht nur willkürlich, ich würde meinen solche Zahl kann es gar nicht geben! Ganz einfaches Beispiel: Ich logge mich in Facebook ein. Da sehe ich vielleicht 10 Nachrichten "von heute". Und dazu noch welche von gestern, vorgestern usw. Die Höhe der Zahl ist nicht wirklich relevant. Können auch 20 sein. Angenommen, ich bin Fan von 100 Marken mit mehr als 10.000 Fans. Und angenommen, die haben alle heute etwas gepostet. Von den 100 sehe ich aber nur 10 oder 20. Jetzt KANN die Quote aus Sicht der Marken rein rechnerisch nur 10% oder 20% sein. Aber auch nur, wenn Facebook NUR die Marken einblenden würde, und nicht meine engsten Freunde. Und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass ich noch 20 Freunde habe, mit denen ich mich täglich 10 Mal auf Facebook austausche, geht die Quote eher auf 1 oder 2 Prozent runter. Oder gibt es eine "Anzeigegarantie für Fans mit mehr als 10.000 Fans"? Kann ich mir nicht vorstellen. Oder anderes herum: Wenn ich auf Facebook nur einer einzigen Marke folge, und sonst auch keine Freunde habe, müsste ich eigenltich 100% der Postings sehen. Egal, wie man es dreht und wendet. Eine Aussage "Bei Pages mit 10.000 Fans liegt die Quote bei 40%, die angezeigt werden" kann eigenltich nur völliger Humbig sein.

ChristophKappes 16 pts

Ganz kurz, bin unterwegs: Der durchschn Kunde ist ja nicht Fan von 100 Marken, sondern eher 10. Die Anzahl Freunde ist ca 150 (Groessenordnung, aus dem Kopf), davon 10+ % tgl aktiv. Macht 25 Statusmeldungen am Tag. Average customer.
Die 40% habe ich von hier:your-facebook-wall-posts-are-seen-edgerank/10150111930517486

MirkoLange 29 pts

ChristophKappes Also jetzt mal "Selbstversuch" gestartet. Also ich folge ungefähr 100 Fanpages. Darunter auch Rügenwalder Mühle (17.000 Fans) oder Germanwings (51.000 Fans) oder auch MINI (1,5 Mio. Fans) - nur um mal drei zu nennen. Alle posten fast täglich. Und ich schwöre auf die Bibel, dass mir in den letzten Wochen (Monaten?) kein einziger Post von denen in meiner Timeline begegnet ist. Aber ich habe da auch noch nie etwas geliked, geteilt oder geposted. Allerdings poste und kommentiere ich öfter bei GOLF JOURNAL, die posten mehrmals täglich, und die nehme ich regelmäßig wahr - aber bestimmt auch nicht alle Posts...Und wie gesagt: Mein kleines Rechenbeispiel zeigt, dass so eine generele Aussage Humbug ist. Interessanterweise vergleicht der von dir genannte Artikel Facebook-Postings auch mit Spam. Ich hatte es da aber nicht her :-)Und der Typ schreibt selbst: "Although this is a heuristic estimate, I believe much of what is being posted is effectively dropped in the trash bin of Facebook." Also erstens ist das nur "geraten" und zweitens glaubt er selbst nicht dran ;-)

StefanReinig 6 pts

ChristophKappes Also die durchschnittliche Anzahl Freunde lag letztes Jahr schon bei 130, wovon sich 50% täglich einloggten. Im Schnitt werden pro User 90 Inhalte pro Monat gepostet. Die Verbindungen zu Pages, Gruppen etc lag zu diesem Zeitpunkt bei 80. (Quelle: http://allfacebook.de/zahlen_fakten/infografik-500-millionen-nutzer)

D.h. es wären schonmal 390 Statusmeldungen pro Tag und nicht 25 ausschließlich von Freunden.

Die 40% sind daher sicherlich auch nicht richtig. Es kommt wie schon erwähnt auf den Nutzungsgrad an, egal ob Freunde oder Marken. Keine Interaktion führt also zu keiner Information!!!

ChristophKappes 16 pts

Warum ist Statistik Humbug? Warst es
nicht Du, der verallgemeinert hat, eun Fan sei "nichts wert"? Und nun sage ich, er ist ungefaehr wie eine Adresse im Permission Marketing wert. Was diskutieren wir hier??? "Nichts wert" ist doch nicht Null! Ich bestreite
doch gar nicht, dass es auf Interaktion ankommt, genau das sage ich doch in der WuV.

MirkoLange 29 pts

ChristophKappes Worüber wir diskutieren? Ich habe die These aufgestellt, dass ein Unternehmen, dass 50.000 Fans hat, aber keinerlei Interaktion stattfindet, NICHTS von den Fans hat, weil alle Nachrichten, die das Unternehmen über die eigene Wall an die Fans "schickt" im Mülleimer von Facebook landen und nicht auf den Walls der Fans landen. Du meinst, dass 40% doch erreicht werden. Alles weitere wäre zu untersuchen und zu belegen. Okay, wir könnten nopch darüber streiten, ob das Unternehmen wirklich "nichts" von den 50.000 Fans hat, oder vielleicht doch "ein bißchen". Auf gar keinen Fall hat es Zugang zu 50.000 Menschen. Nicht einmal annähernd.

MirkoLange 29 pts moderator

 ChristophKappes Wie wir ja jetzt wissen, ist sie nur 16% :-)

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