Facebook ist eher (private) Party. Google+ eher (öffentliche) Convention.

Posted by on November 26, 2011 at 7:56 am.

Eine interessante Definition von Social Network: “Google+ was never created to directly compete for people’s time on the internet.” Sagt readwriteweb.com. Vielmehr sei die Intention von Google+: “… to compete for users’ personal data”. Und weiter: “Becoming the primary platform for social networking would simply be a bonus.” Eine Interessante These. Laut Brad Jordan hat Google+ nur einen Zweck: Nämlich mehr Werbeumsatz für Google zu produzieren. Denn wer künftig in Google suche, sei für Google bekannt, wenn er auch in Google+ eingeloggt sei, Google wisse so also immer sehr viel über den User. Und das verbessere das Targeting. Okay. Verstanden. Ist auch gut. Nur springen solche Theorien zu kurz. Das ist so, als ob man sagen würde, Autos würden gebaut, damit der Autohersteller mehr Geld verdient. Stimmt eben nur auch.

.

Der wirkliche Unterschied liegt nach meiner Wahrnehmung ganz woanders. Nämlich darin, wen man in Facebook bzw. Google sucht – und was man mit ihm macht, wenn man ihn gefunden hat. Und das hat auch Auswirkungen auf die Strategien von Unternehmen, die Facebook und oder Google+ für die Unternehmenskommunikation einsetzen.

Persönliche Daten sind… gut!
Autos erfüllen noch einen anderen Zweck, als die Taschen der Autohersteller zu füllen. So auch Google+. Denn: Dieses Wissen (über die Personen) stellt Google+ anderen Menschen zur Verfügung. Nirgends sonst kann man heute so leicht Menschen finden, welche seine eigenen Interessen teilen. Nicht einmal, auf Twitter! Zwar sind die Inhalte von Twitter Usern grundsätzlich auch öffentlich, aber man findet sie eben doch schlecht. Trotzdem ist Google+ viel mehr wie Twitter als wie Facebook. So hat readwriteweb.com Recht, wenn sie sagen “Google+ Was Never a Facebook Competitor”. Aber aus anderen Gründen. Denn bei Facebook geht es zuvorderst darum, seine bereits bestehenden Bekannten/ Freunden/ Familienmitglieder zu finden – und ich dann mit ihnen zu vernetzen. Bei Google+ geht das natürlich auch – man hat ja auch mit bestehenden Bekannten/ Freunden/ Familienmitgliedern gemeinsame Interessen. Aber bei Google+ steht trotzdem im Mittelpunkt, neue Kontakte zu knüpfen.

Menschen mit gleichen Interessen finden – und sich vernetzen
Google+ eignet sich wie kein anderes Netzwerk anderer Internet-Dienst, Menschen mit bestimmten Interessen zu finden – und sich dann mit ihnen zu vernetzen. Google+ ist im Gegensatz zu Facebook nicht geschlossen. Okay, Facebook hat sich geöffnet, man kann jetzt auch andere “abonnieren” anstatt sich mit ihnen zu “befreunden”. Aber dafür ist Facebook nicht gebaut. Google schon. Hier spielt Google seine unglaubliche Stärke bei der Suche aus. Und so ist Google+ zuvorderst vielleicht kein “Social Network”, aber bereits jetzt eine enorm leistungsstarke “Social Search”. Und je mehr User bei Google+ sind, desto stärker wird sie. Und was kann man denn besseres mit den gefundenen Menschen machen, bei denen man ein gemeinsames Interesse entdeckt hat, als sich mit ihnen zu vernetzen? Das Schöne an Google+: Man kann sich vernetzen (auch gegenseitig, wenn man sich gegenseitig circled), man muss es aber nicht, man kann auch nur einem anderen “folgen”.

Facebook ist die (private) Party. 
Ebenso, wie das Prinzip des Suchens bei Google+ und Facebook fundamental unterschiedlich sind, ist auch der Kontext fundamental unterschieden – vielleicht auch deswegen. Das hat Auswirkungen auf die Kommunikations-Strategien von Unternehmen. Um mal in einem konsistenten Bild zu sprechen: Auf Facebook finden überwiegend “Partys” statt. Und auf Google+ treffen sich die Menschen überwiegend auf “Conventions”. Und Partys sind meistens sind privat. Also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Gleichwohl haben Partys irre viel Potenzial. Das ist auch der Grund für das rasante Wachstum von Facebook. Aber das ist auch ein Problem für Brand Pages! Man feiert mit Freunden und der Familie. Manche holen als Showact auch mal eine Firma rein. Vor allem, weil sie ein Gewinn versprechen. Oder auch, weil es cool ist eine 100 Zoll Bang & Olufsen Fernseher im Zimmer stehen zu haben. Oder man akzeptiert eine Marke, weil sie die Party sponsort. Aber da ist selten Tiefe. Nicht von ungefähr kommt es, dass es wohl inzwischen einen Trend gibt, dass User Fanpages massenhaft “unliken”: 2 von 5 Fans wenden sich von Marken-Fanpages ab, davon 46% weil die Informationen nicht interessant waren. Wer das versteht, kann seine Facebook-Präsenz auch darauf ausrichten. Die Blaupause wäre wohl die Tupperparty. Tupper hat es geschafft, auf private Partys zu kommen. Und die Frage ist: Wie kann man dieses Prinzip auf sein Geschäft übertragen?

Google+ ist die (öffentliche) Konferenz oder Messe
Google+ ist dagegen dafür gebaut, sich aufgrund von gemeinsamen Interessen zu finden. Wer diese Idee verfolgt, wird auf Google+ sicher nicht so viele Fans abgreifen, wie das auf Facebook möglich ist – abgesehen davon, dass Facebook locker 10 Mal so viele Mitglieder hat. Aber sie sind nachhaltiger. Denn Unternehmen können sich zu Interessengebieten positionieren, nicht nur als “Marke”. Die “Marke” wirkt erst im zweiten Schritt. Ein Beispiel: Franz ist interessiert an Bogenschießen. Also sucht er auf Google+ immer wieder nach dem Begriff und findet so die Beiträge von anderen Menschen, die seine Leidenschaft teilen. Er kann sie in seinen Circle “Bogenschießen” packen und sie aus der Ferne beobachten. Und wenn es interessant wird, kann er sich an Debatten anderer beteiligen, sie werden so auf ihn aufmerksam, und kommt so in die Circles der anderen. Aber er findet z.B. auch die Beiträge von bogenschießen.de. Oder die von bogenshop24.de. Und wenn die interessantes posten, wird er sich auch bei denen an Diskussionen beteiligen. Und so entsteht Bindung, vielleicht auch Vernetzung. Für Franz ist Google+ zu einer Convention geworden.

Goolge+ als Blaupause für moderne Kommunikation
Und der Blick in Wikipedia offenbart Interessantes. Zitat: “Eine Convention (von lat. convenire „zusammenkommen“) ist eine Veranstaltung, auf der sich Menschen mit gleichartigen Interessen treffen, um andere Gleichgesinnte kennenzulernen, sich mit ihnen über ihr Hobby auszutauschen und teilweise diesem auch nachzugehen.” Und jetzt kommt es: “Viele Conventions bieten auch Möglichkeiten zum Einkauf an Verkaufsständen.” Marketeer reden immer so viel von “Mehrwert”. Und das ist ein echter Mehrwert: Menschen mit gleichartigen Interessen können sich treffen, “um andere Gleichgesinnte kennenzulernen, sich mit ihnen über ihr Hobby auszutauschen und teilweise diesem auch nachzugehen”. Und die Marke kann Teil davon sein. Nicht als Marke, sondern als Gleichgesinnte. Das ist sogar Teil der Marke. Dass man Nähe herstellt. Und natürlich gilt das nicht nur für “Hobbys”. Das gilt in ebenso starkem, vielleicht sogar in noch viel stärkerem Maße für Business-Interessen. Da heißen “Conventions” eher “Messen” oder “Konferenzen”. Das Prinzip ist aber das Gleiche. Wer dieses Bild beim Thema Social Media beherzigt, vielleicht sogar als Grundmodell für seine Kommunikation wählt, der ist bereit für die Zukunft.  Google+ bietet derzeit die allerbesten Vorausssetzungen für dieses Modell. Aber natürlich kann man das auch durch viele andere Maßnahmen stützen.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
  • Pingback: moving companies miami lakes

  • Pingback: retirement university

  • Pingback: stooni

  • Pingback: Ralph Scholze

  • Pingback: Susanne Maier

  • Pingback: C. Pfeifer

  • Pingback: Hendrik Neumann

  • Pingback: Gregor Kreuzer

  • Pingback: Smash2102

  • Ulla Eiglsperger

    Für mich ganz persönlich ist deine Unterscheidung Mirko sehr zutreffend, da ich die beiden Plattformen genau so wie von dir “visualisiert” nutze. Komme auf deine Ursprungsfrage der Empfehlung für Unternehmen zurück. Aus meiner Sicht geht es nicht so sehr um die Frage “was kann das Tool, was passiert dort im Allgemeinen oder was unterscheidet beide?”, sondern “wer gebraucht es wie und warum?”. Wenn ich als Unternehmen entscheiden muss, welche Plattformen ich bespiele und wie ich dies inhaltlich ausgestalte, dann orientiere ich mich an folgenden Punkten.

    1. Wird die Plattform von meiner (bereits definierten) Zielgruppe genutzt?

    2. Wer konkret aus meiner Zielgruppe nutzt diese bereits oder wird sie (wahrscheinlich) in Zukunft nutzen?

    3. Wie, wann und wie häufig wird die Plattform von meiner Zielgruppe genutzt?

    4. Welche Motive, Erwartung, Wünsche (Spaß, Diskussion, Mitbeteiligung, …) hat meine Zielgruppe, welchen Mehrwert kann ich ihr dort bieten?

    Die Herausforderung dabei ist, dass die einzelnen Zielgruppen aus Menschen mit sehr heterogenen Interessen und Verhaltensweisen bestehen können. Diese ganz individuell zu definieren, zu befriedigen bzw. dann zu begeistern ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg.

    Bei dir Mirko sieht man super, wie g+ und facebook fast ähnlich funktionieren. Ich denke es hat damit zu tun, dass du – egal auf welcher Plattform – mit einer eher „homogenen Zielgruppe mit eher ähnlichen Interessen/Verhaltensweisen” sprichst, mal tiefgründig, mal unterhaltsam, mal provokativ. Ich nutze g+ fast ausschließlich, um mich mit nicht persönlich bekannten Menschen über Fachthemen oder aktuelles Geschehen auszutauschen. Facebook nutze ich meist nur im Dialog mit meinen “wirklichen” Freunden (also “Party” oder persönliches Treffen). Um in deinen Bildern zu sprechen: Wenn Du mich als Unternehmen erreichen willst, benutze ich überhaupt einen Hammer? Nutze ich diesen (auch wenn es das eigentlich am besten geeignete Werkzeug ist) dafür, Nägel in den Wand zu schlagen? Vielleicht ist es besser, mir einen Schraubenzieher anzubieten, den ich dann aber vielleicht als kreatives Werkzeug für Kunst nutze? Entdecke die Möglichkeiten bzw. die Individuen hinter bzw. in der/den Zielgruppen.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Oelze Consult

  • Pingback: Michael Bernau

  • andreaswollin

    Hab mir auf der Website die Produkte kurz reingezogen. Sind wirklich sehr coole Sachen dabei!

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • http://www.talkabout.de MirkoLange

    Interessant sind übrigens auch die Kommentare darüber bei Facebook und Google+. Und sehr interessant: Die Debatte auf Facebook ist viel tiefsinniger (grins). Ich sehe das doch nicht als Widerspruch, und manche Menschen sehen die beiden Plattformen wirklich sehr unterschiedlich. Ich habe einiges Neues aufgenommen. Und die Untersuchung bleibt für mich spannend. Verstehe. “So” lässt sich die Aussage offensichtlich nicht halten. Dann mache ich mich mal weiter auf die Suche nach einer guten Unterscheidung. Für mich ist es plausibel, zu unterscheiden, und den “Hammer” und den “Schraubenzieher” unterschiedlich einzusetzen. Oder sind das beides die gleiche Werkzeuge? Wäre irgendwie doof, kann ich auch nicht glauben. Google+ ist jedenfalls nicht (wie) Facebook! :-)

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • http://www.talkabout.de MirkoLange

    @andreaswollin Echt? Bang & Olufsen sind nun mit Abstand die geilsten “Stereo-Anlagen” auf der Welt :-)

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • andreaswollin

    Bis zu diesem Blogbeitrag habe ich noch nie von Bang & Olufsen gehört. Danke schon einmal dafür :-)Der Vergleich privat-convention ist gut getroffen. G+ hat für mich auch etwas “edleres”, “elegantes”, während Facebook “legerer” ist, ungewzungener vielleicht sogar. Die “Stimmung” ist einfach anders.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • SeanKollak

    @MirkoLange Stimmt schon. Auf Twitter suche ich nach Branchen-News, auf Facebook nach Neuigkeiten von Familie und Freunden, auf Google+ versuche ich mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen (allerdings nutze ich dazu bisher nicht die Suche).Es geht also wie immer um Identitätsmanagement. (Dazu kann ich diesen Text von Evan Williams empfehlen: http://evhead.com/2011/04/five-easy-pieces-of-online-identity.html)

    Das Komische ist: Für mich ist Twitter der Porsche (und Facebook der langweilige VW), für meine Mutter ist Facebook der Porsche und für einen Influencer wie dich ist es Google+. Da wir nun teilweise überschneidende Interessen haben, fahren wir eine Zeit lang alle drei, bis man dann eines Tages merkt, dass der VW die meiste Zeit in der Garage steht und ziemlich ungepflegt aussieht.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Pingback: Tom

  • Pingback: Marco Kiefer ✔

  • Pingback: Heike Matthiesen

  • Pingback: Sean Kollak

  • Pingback: VOCATO PR

  • Pingback: Marco Wegleiter

  • Pingback: Steve Schutzbier

  • Pingback: Stefan Schütz

  • Pingback: Matthias Friedrichs

  • Pingback: Harald Schrefl

  • Pingback: AIXhibit // Agentur

  • Pingback: Sandra Paradiso

  • Pingback: Günter Exel

  • Pingback: Florian Schrodt

  • Pingback: neolog consulting

  • Pingback: neolog consulting

  • Pingback: Kate S.

  • Pingback: Marco Ripanti

  • Pingback: inallermunde_de

  • Pingback: Mirko Lange

  • Pingback: Philip Hoevels

  • Pingback: UNI-TEAM ///

  • Pingback: Kerstin Hoffmann

  • Pingback: Nadja

  • Pingback: kramer13

  • Pingback: Stephanie Grupe

  • Pingback: Mike Klostermann

  • Pingback: Dirk Heger

  • Pingback: Büdchenchef

  • Pingback: Sebastian Timm

  • Pingback: Falk Ebert