„Ich leite es weiter und zeige meine Begeisterung“ – Interview zum Buch “Prinzip kostenlos”

Posted by on Mai 22, 2012 at 7:09 am.

Das nenne ich gutes Timing. Gerade gestern habe ich eine “Mammut-Vorlesung” online gestellt, in der ich fast mein ganzes Wissen zum Thema “Tools & Tactics für Social Media Manager” frei zur Verfügung stelle. Und heute bekomme ich Bescheid, dass ich jetzt das Interview zum Buch Prinzip kostenlos: Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen (*) von der von mir außerordentlich geschätzten Kerstin Hoffmann veröffentlichen darf.

Herr Lange, Sie sind im deutschen Social Web sehr bekannt; auch und gerade deswegen, weil sehr großzügig hochwertiges Wissen und Mehrwert an Ihr Netzwerk verteilen. Ein Beispiel dafür sind die aufwändig programmierten Twitter-Listen auf der Website Ihrer Agentur  talkabout. Warum machen Sie das? Was bringt es Ihnen?

Die Idee entstand vor zwei Jahren, einfach nur, weil ich mir persönlich ein Bild machen wollte. Twitter ist ziemlich unübersichtlich, wenn es darum geht, gute und relevante Twitterer zu finden. Vor zwei Jahren war das für deutsche Accounts nahezu unmöglich. Und für mich war schnell klar, dass ich das öffentlich machen werde. Einerseits entsteht so ein „Crowdsourcing-Effekt“ –  also Leute wollen auch dabei sein und melden sich selbst – andererseits bringt das schlichtweg Links und Traffic auf die talkabout.de-Domain. Und dadurch steigern wir unsere Bekanntheit, den Page-Rank auf Google und unser Image. Aber ich würde es auch dann machen, wenn diese Effekte nicht so gut sind. Ich möchte, dass die Menschen draußen einen Mehrwert bekommen, dass sie spüren, dass sie etwas Gutes bekommen. Damit sollen sie „die Marke“ talkabout verbinden.

Wo ziehen Sie die Grenze zur kostenpflichtigen Leistung?

Es gibt für mich zwei Faktoren. Erstens: Ist es „nur“ eine Idee, oder ist es ein Produkt, das richtig Arbeit macht? Ideen, Perspektiven, Sichtweisen kann man langfristig sowieso nicht schützen. Alles, was gedacht werden kann, wird auch gedacht werden. Man gewinnt fast nichts, wenn man es für sich behält. Im Gegenteil – hier kommt es sogar darauf an, dass man seine Idee möglichst schnell und breit publik macht, dass man vielleicht als Urheber der Idee irgendwann anerkannt ist. Zudem interessieren mich die Reaktionen. Das Social Web ist auch so etwas wie ein „Test-Lab“ – ich kann Ideen und Gedanken vorher „ausprobieren“, bevor ich sie dann einem Kunden erzähle oder in einen Vortrag einbaue. Das Wichtigste ist aber: „Wissen“ wegzugeben, ist heute kein Risiko mehr. Denn es gibt ohnehin schon viel mehr Wissen auf der Welt, als wir jemals verarbeiten können. Wissen hilft auch vielfach nichts mehr. Man muss es können. Und deswegen habe ich auch nur bedingt Angst, dass ich mir mein Geschäft kaputt mache. Manche werden sich mein Wissen aneignen, aber „können“ tun sie es deswegen noch lange nicht. Richtige Arbeitswerkzeuge, zum Beispiel Checklisten, teile ich aber nicht. Die würden zu oft einfach als „nette Beigabe“ übernommen werden – um nicht zu sagen „geklaut“. Da mache ich anderen einfach nur die Arbeit leichter, ohne dass eine Debatte in Gang käme.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihr Twitter-Follower oder Facebook-Freund hinter einem Link, den Sie posten, auch tatsächlich Substanz findet?

Äh, was denn sonst? „Substanz“ ist zwar relativ, aber trotzdem unabdingbar. Da gibt es überhaupt keine Frage. Ich glaube nicht, dass jeder Link und jeder Content, den ich poste, immer und für jeden einen Mehrwert bietet – aber immer für einige. Warum sollte ich etwas Belangloses posten?

Wenn Sie selbst auf einen Link klicken, zu dem jemand vollmundig Mehrwert angekündigt hat, und dahinter liegt eine Werbebotschaft oder der Gehalt ist mehr als dünn: Wie wirkt das auf Sie? Wie reagieren Sie? Welche Auswirkung hat das auf Ihre Meinung, die Sie von dem Betreffenden haben?

Diese Menschen sind eigentlich sofort unten durch bei mir. Oder sagen wir: Spätestens nach dem dritten Mal. Auch da gibt es überhaupt keine Frage. Okay, nicht, wenn es mal einer von 10 Posts ist. Vielleicht wären einer von fünf auch noch okay. Aber alles was öfter ist, würde sogar dazu führen, dass ich die Leute entfolge oder „entfreunde“. Belangloses gibt es genug auf der Welt. Das gilt allerdings nicht für Menschen, die mir persönlich etwas bedeuten. Da sind auch scheinbar belanglose Dinge interessant.

Umgekehrt: Wie kommt es bei Ihnen an, wenn Sie hinter einem Link oder einem Hinweis etwas wirklich Hochwertiges finden – vielleicht sogar mehr, als Sie erwartet haben?

Ich leite es weiter und zeige meine Begeisterung.

 * * *


Eine Kurzfassung dieses Interviews ist erschienen in dem Buch „Prinzip kostenlos. Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen“ von Kerstin Hoffmann. Die zentrale These des Buchs lautet: „Du kannst (fast) alles verschenken, was du weißt – wenn du das verkaufst, was du kannst!“ Nach diesem Prinzip agieren immer mehr Unternehmen und Berater, vor allem im Internet und in Sozialen Netzwerken. „Prinzip kostenlos“ liefert erstmals eine komplette Strategie dazu. Der Ratgeber zeigt, wie Unternehmen, Berater und Dienstleister neue Kunden gewinnen, ihre Bekanntheit steigern und ihre Umsätze erhöhen, indem sie ihr Wissen verschenken. Er führt die Leser von der Theorie und Psychologie des Teilens bis zur erfolgreichen Realisierung ihrer ganz eigenen Strategie. Dazu gehören auch technische Details für die eigene Wissensplattform sowie Anleitungen für die Vernetzung in Social Networks. Das Buch enthält auf rund 250 Seiten viele Checklisten und sogar eine Matrix mit möglichen Fehlern und wie man sie behebt. Für die Praxisbeispiele hat die Autorin acht bekannte Wissens-Teiler interviewt, darunter Sabine Asgodom, Gunter Dueck, Kathrin Passig und Klaus Eck.

Auf der Buch-Website gibt es Bonusmaterial und aktualisierte Informationen: http://www.prinzip-kostenlos.de

Hoffmann, Kerstin: Prinzip kostenlos. Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen. 1. Auflage. Mai 2012. 24,90 Euro 248 Seiten, Hardcover. ISBN-13: 978-3-527-50671-2. Erschienen im Verlag Wiley-VCH, Weinheim

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