Das “Facebook Desaster” der Staatskanzlei Rheinland Pfalz – ein Plädoyer für mehr Verstand und Verständnis von “Social Media”

Posted by on Januar 18, 2013 at 8:46 am.

»Nation ist täglicher Aufregungsdienst« sagte der Philosoph Peter Sloterdijk im März vergangenen Jahres in einem überaus lesenswerten Interview im Focus (im Ernst, Leute, das ist ein echter Lesebefehl). Wie richtig er damit liegt, zeigt aktuell die Aufregung über die Facebook Fanpage des Landes Rheinland-Pfalz. Wieder einmal steht “Aufregung” vor gesundem Menschenverstand. Und heute, mit einem Tag Abstand, weiß ich nicht, ob ich nicht zu hart war, als ich vielen Kritikern “Arroganz” vorwarf, weil durch den “Hohn und Spott“, ein Haltung zum Ausdruck kommt, welche den “Wert und Rang oder Fähigkeiten der eigenen Person besonders hoch veranschlagt”, sprich: Die rheinland-pfälzische Landesregierung als “zu blöd” darstellt. Aber es belegt zumindest Sloterdijks These. Ich möchte das für ein Plädoyer nutzen: Ein Plädoyer einerseits für gesunden Menschenverstand und andererseits ein Plädoyer für eine differenzierte Einstellung zu diesem “Social Media”-Dingens.

rlp

Was ist passiert? Zum Amtsantritt der neuen Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat die rheinland-pfälzische Landesregierung einen eigenen Facebook-Auftritt online geschaltet. So weit, so gut. Dem war aber offensichtlich ein lange Debatte voraus gegangen. Denn der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner, war bisher immer strikt gegen einen Facebook-Auftritt von Behörden, hat aber die Komplett-Verweigerung aufgegeben – allerdings mit einer Einschränkung: Es gibt ein „Rückkanalverbot“, das zwar ein schönes Wort ist, aber gesetzeskonform. Denn: Nach allem was wir wissen, verstößt jeder, der eine Fanpage betreibt, gegen deutsches Datenschutzrecht. Das ist sicher ein Grund für eine Debatte über das Datenschutzrecht, aber die Ansicht, dass das ein Behörde [sic!] nicht tun darf, ist nachvollziehbar und plausibel.

Holzschnittartige Kritik

Was folgte ist (der übliche) “Hohn und Spott” der Netzgemeinde. Und wenn man sich die Kritik anschaut, dann gibt es immer wieder einen ganz elementaren Kritikpunkt: Ein Facebook-Auftritt ohne Dialog macht “keinen Sinn“. Oder der  Bürger dürfe vom Staat beste Services fordern.  Andere fürchten die “kommunikative Steinzeit” oder sehen sogar ein Desaster. Aber in allen (und es sind viele) Kommentaren wird das Argument gebracht: “Dialog” sei nun mal der Kern von Social Media, und ohne Dialog mache Social Media keinen Sinn.

Ist Social Media tatsächlich ohne Dialog nichts wert?

Wieso soll ein Facebook Auftritt ohne “Dialog” keinen Sinn machen? Social Media hat mehrere Mechaniken und Funktionen. “Dialog” ist nur einer davon. Der andere ist “Content”, der über mehr Kanäle und multimedial verfügbar ist. Und wieder ein anderer ist Vernetzung. Und noch einer Sharing. Und wieder einer der Dialog der Facebook-Nutzer untereinander. All das ist möglich mit dem Auftrit von rlp.de. Und wenn die Staatsregierung an dem Dialog auf Facebook nun nicht teilnimmt, sondern nur “informiert” (das ist immer einseitige Kommunikation und auch ihre Aufgabe!), dann macht das schon mal mehr Sinn, als wenn die Staatsregierung nicht informiert. Jeder Bürger kann nun auch die Informationen der Staatsregierung anstatt z.B. über E-Mail Newsletter über Facebook bekommen. Und Facebook eignet sich auch als “Newsroom” (nur zum Lesen) ganz gut. Und die Leser können das auch gleich und leicht “sharen”. Das ist zunächst einmal ein Plus und damit gut. Und das gilt auch obwohl die Information nur wenig Leute per “Push” erreichen wird – denn mangels Interaktion dürfte der Edge Rank der Seite wohl in den Keller gehen und die Postings deswegen nicht in den Timelines der Fans auftauchen. Denn es bleibt einfach nur mal ein Plus - auch wenn nur ein kleines. Klar, die Staatsregierung könnte mehr machen, aber es gibt ja handfeste Gründe dafür, dass sie es derzeit nicht tut. Und klar, sie hätte vielleicht kreativer, innovativer und mutiger sein können. Aber das ist eben irgendwie auch “deutsch”? Wir fordern von allen das allerbeste, und wenn er es nicht bringt, gibt es eben “Hohn und Spott”. Super. Ich habe übrigens schon vor jetzt fast genau drei Jahren [sic!] einen damals viel beachteten Blogpost zu dem Thema geschrieben: “Social Media Myth Buster: Es braucht keinen Dialog für erfolgreiche Social Media”.

Alle wollen Dialog?

Eine andere Frage ist, ob das wirklich stimmt mit dem Dialog? Und auch wenn die Nielsen-Regel nie 100%ig passt – es ist wie bei fast allen anderen Facebook-Pages so, dass (mindestens!) 90% Zielgruppe den Rückkanal niemals in Anspruch nehmen. Das ist auch kein theoretischer Wert, er wird täglich bestätigt, wenn man mal mit den Nutzern redet. Vor jedem meiner Workshops und Vorlesungen frage ich die Leute, wer wie “Social Media” nutzt, und die, welche da wirklich (privat) aktiv unterwegs sind, sind die Ausnahme – und ich bin ja schon mit Profis unterwegs! Wenn Social Media ohne Dialog keinen Sinn macht, warum gibt es diese Leute dann? Wir wissen also, dass im Social Web wirklich nur 1% aktiv in den Dialog gehen. Und selbst die (ich nehme an, bei der Staatskanzlei ist der Wert noch deutlich geringer) sind mit der Staatskanzlei nicht ständig im Dialog. Sondern vielleicht, nun ja, zwei Mal im Jahr? Die, welche das wirklich nutzen werden, die werden eher im Promillebereich liegen.

Und verweigert sich die Fanpage tatsächlich dem Dialog?

Es heißt, dass die Community Manager (nun ja, also die Betreuer) auf Fragen und mögliche Kritik nicht reagieren sollen. Vielmehr sollen sie allenfalls auf andere Kontaktmöglichkeiten, inbesondere E-Mail verweisen. Das Ziel ist, die Zahl der anfallenden Nutzerdaten so gering wie möglich zu halten, weil eben alle übertragenen Nutzerdaten ein Verstoß gegen Datenschutzrecht seien. Der entscheidende Punkt ist also: Die, die (ernsthafte) Rückfragen haben, können die ja auch stellen. Über Mail! Und dann bekommen sie sie auch beantwortet. Da ist also durchaus Dialogbereitschaft. Und dass die Leute mal aus ihrem Trott raus müssen. Gleich in ein Feld bei Facebook reinschreiben: Ja klar! Aber wenn man da erst auf einen mailto-Link klicken muss ist das ein Desaster. Nee Leute, so geht das ja auch nicht, oder?

Die Öffentlichkeit eines möglichen Dialogs ist ein Punkt

Die einzige Einschränkung ist, dass dieser Dialog nicht öffentlich stattfindet! Wenn Aktivisten oder politische Gegner also gegen die Staatsregierung eine Kampagne starten wollen, dann können sie es nicht. Also sie können es schon, aber sie können es eben nicht auf der Facebook-Seite des Landes Rheinland-Pfalz. Ich werde jetzt mal nicht sarkastisch und unke, dass da viele Leute eine Gefahr für die Demokratie sehen. Das mit der geringeren Öffentlichkeit wäre allerdings wirklich etwas, worüber man diskutieren kann. Nur tut das ja keiner. Aber alles andere hat keine Substanz. Vor allem alles Gerede von “eGov” oder “Bürgerdialog”. Denn der entsteht sicherlich nicht dadurch, dass eine Staatsregierung eine Fanpage einrichtet und da “Dialog” zulässt. Das ist ein deutlich aufwändigerer Prozess, vor allem weil das Feedback ja auch in die Entscheidungsprozesse einfließen muss. Ansonsten ist das “nur PR” und leeres Geblubber. Echte Bürgerbeteiligung geht über Facebook gar nicht – wenn überhaupt ist das Facebook ein unterstützendes Element, aber das muss auch klug konzipiert sein.

Fazit

Am Ende bleibt, dass sich die Staatsregierung “PR-mäßig” unklug verhalten hat, weil sie hätte ahnen können, dass “hier im Netz” die Leute wieder einfach mal “höhnen und spotten” werden. Sie sind also keine guten Taktiker. Auch hier sieht man wieder die Persversion dieses Aufregungsdienstes. Es wird immer Authentizität gefordert und gegen “PR” gewettert, aber letztendlich ist das hier nur ein PR-Problem. Denn unter dem Strich hat die Kritik wenig bis keine Substanz. Oder anders gesagt: Wenn die Staatskanzlei den Rückkanal zugelassen hätte, hätten alle applaudiert – das wäre aber in der Substanz so gut wie kein Unterschied (außer für Aktivisten und politische Gegner, die das dann als Plattform nutzen könnten). Was die Staatsregierung gemacht hat ist völlig legitim und okay. Sie muss sich nur mehr über ihre PR Gedanken machen. Übrigens: Das gilt auch für alle anderen Unternehmen. Auch für sie gibt es keinen Zwang zum Dialog im Social Web. Nur eine Empfehlung.

Ergänzung (11:20 Uhr)

Was bleibt: “Wichtich is auf’m Platz”. Natürlich macht Social Media ohne Dialog viel weniger Sinn. Aber: Auch Menschsein macht ohne Dialog viel weniger Sinn. Demokratie macht ohne Dialog viel weniger Sinn. Verwaltung macht ohne Dialog viel weniger Sinn. Wir dürfen nicht vergessen: “Social Media” ist nur eine (in Worten: EINE) Möglichkeit für Dialog. Und mit Sicherheit nicht einmal die beste. Und es gibt viele Beispiele, wo auf Facebook zwar “wechselseitiges Reden” stattfindet, aber kein Dialog. Und mir ist es lieber, RLP führt über E-Mail echten Dialog als falschen über Facebook. Wir sollten mir hinter die Kulissen schauen.

 

* * *

 

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  • Claus Arndt

    Ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, ob die Ausführungen hier differenzierter sind als die Kritik, die gestern losgebrochen ist. Hierzu nur einige Punkte. Wer länger schon in der öffentlichen Verwaltung arbeitet, weiß, dass der einfache Weg zur Kommunikation meistens der bessere ist. Wenn ich brav via Facebook auf Kontaktmöglichkeiten per Mail etc. verweise, ist das nett, aber verkompliziert die Kommunikation unnötig und widerspricht einfach auch der Erwartungshaltung der SOCIAL (!) Media – Nutzenden. Außerdem kann man Öffentlichkeit der Komuniaktion nicht nur für Anti-Kampagnen nutzen. Wenn wir öffentlich auf eine Frage antworten, können sich andere User die Frage sparen – und wir uns immer gleichlautende Antworten…
    Facebook bzw. Social Media ist EIN Schritt auf dem Weg zu einer offeneren, dialogbereiten Verwaltung. Der Weg, den wir vor Jahren bereits mit Foren, Chats und Blogs begonnen haben, findet hier seine konsequente Fortsetzung – und er ist damit auch noch nicht zu Ende. Von Imagefragen mag ich in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen. Was ich aber fragwürdig finde, ist die Aussage, echte Bürgerbeteiigung gehe über Facebook nicht. Das habe ich bisher auch gedacht, aber es wachsen in der kommunalen Landschaft erste Pflänzchen einer gezielten Bürgerbeteiligung, die Facebook in die Strategie mit einbezieht. Man darf nicht vergessen: Wir stehen hier noch am Anfang einer Entwicklung, deren Möglichkeiten noch ausgelotet werden müssen. Hierzu müssen Erfahrungen gesammelt werden – und das geht nur unter Ausnutzung der kommuniaktiven Möglichkeiten.

    Hierzu wäre sicher noch viel zu sagen, abschließend sei vielleicht noch erlaubt darauf hinzuweisen, dass es einige kommunale Facebook-Angebote gibt, bei denen der Bürgerdialog gut funktioniert und die Angebote dankend angenommen werden. Auf der Moerser Seite habe ich zu der Kompromisslösung aus Rheinland-Pfalz gestern auch einen Beitrag gepostet: Die Reaktionen kann man sich ja mal durchlesen…

    Ach, und noch eines: Die Lösung des Datenschützers beseitigt meiner Meinung nach nicht ein einziges datenschutzrechtliches Problem. Gleichwohl begrüße ich bei aller (berechtigten) Kritik die Bereitschaft des Datenschützers, sich auf diesen Kompromiss einzulassen und eine behördliche Fanpage überhaupt zu ermöglichen. Aber das kann in dieser Diskussion nur der Anfang sein…

    Claus Arndt
    Stadt Moers
    https://www.facebook.com/stadtmoers

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    • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

      Ich bin da völlig bei Ihnen, dass Facebook ein Teil des Bürgerdialogs sein kann. Vielleicht sogar ein notwendiger. Aber mich Sicherheit kein hinreichender. Denn für Bürgerbeteiligung gibt es auch gesetzliche Rahmenbedingungen, die man in Facebook kaum abbilden kann. Aber als “Social Outpost” ist das sicherlich sehr gut und wichtig.

      Ich möchte aber auch klarstellen, dass dieser Beitrag hier keine Diskussion über Bürgerbeteiligung sein sollte und hier den Anspruch an eine differenzierte Betrachtung hat. Es ging mir hier eher um das Dogma “Social Media macht ohne Dialog keinen Sinn”. Dagegen plädiere ich.

      Und es dürfte auch klar sein, dass wir eine Debatte und wohl auch eine Änderung des Datenschutzrechtes brauchen. Die Stadt Moers sieht das offensichtlich etwas lockerer als die Staatskanzlei. Das ist gut und okay, aber rein formal scheint das eben doch Probleme zu bereiten.

      Deswegen stimme ich zu, dass auch dieser nicht konsequente Kompromiss die Probleme des Datenschutzes nicht beseitigt, aber doch ein guter Schritt ist. In die richtige Richtung. Und man sollte (niemals) einen guten Schritt nicht deswegen “mit Hohn und Spott” belegen, nur weil er weiter hätte gehen können.

      Last but not least: Na klar ist ein Zwischenschritt über E-Mail komplizierter. Und Einfachheit wäre wünschenswert. Aber wie gesagt: Es gibt dafür ja Gründe. Es ist ein Kompromiss. Und wie immer sind Kompromisse keine Ideallösungen. Aber um eine einfache Lösung (über Facebook) zu ermöglichen braucht es eine Änderungen der Rahmenbedingungen, sprich: Des Datenschutzgesetzes. Ich kann verstehen, wenn sich die Staatskanzlei darüber nicht einfach hinwegsetzen will – oder meint, es nicht zu können.

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      • Claus Arndt

        In NRW gibt es seitens des obersten Datenschützers nur eine “dringende Empfehlung”, auf Social Media – Instrumente zu verzichten (insofern haben wir auch kein formales Probem). Die strenge Meinung des ULD in Schlewsig-Hollstein wird auch nicht überall geteilt (u.a. von Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages) – und es gibt auch fundierte rechtliche Stellungnahmen, die gegen ein Verbot von Behörden-Fanpages sprechen. Es gibt also vielerorts Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema.

        Ich persönlich halte es übrigens für widersinnig, dass ein in Deutschland erlaubtes Instrument (Fanpage) u.a. von Behörden nicht verwendet werden darf. Verbote scheinen mir nicht das rechte Mittel zu sein, Behörden (oder Unternehmen) nicht der richtige Adressat (sondern Facebook selbst). Es bleibt spannend…

        Und den Satz “Social Media macht ohne Dialog keinen Sinn” würde ich nur etwas abwandeln: “”Social Media macht ohne Dialog viel weniger Sinn”.

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        • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

          Aber es bleibt: “Wichtich is auf’m Platz”. Menschsein macht ohne Dialog viel weniger Sinn. Demokratie macht ohne Dialog viel weniger Sinn. Verwaltung macht ohne Dialog viel weniger Sinn. “Social Media” ist nur eine (in Worten: EINE) Möglichkeit für Dialog. Und mit Sicherheit nicht einmal die beste. Und es gibt viele Beispiele, wo auf Facbook zwar “wechselseitiges Reden” stattfindet, aber kein Dialog. Und mir ist es lieber, RLP führt über E-Mail echten Dialog als falschen über Facebook. Wir sollten mir hinter die Kulissen schauen.

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          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

            “Nach allem was wir wissen, verstößt jeder, der eine Fanpage betreibt, gegen deutsches Datenschutzrecht.”

            Woher sollen wir das wissen? Es gibt keine Gerichtsurteile dazu. Es gibt Einzelmeinungen einzelner Datenschützer, die von Regierungen und Parlamenten oft nicht geteilt werden. Von Gerichten gibt es dazu nichts. Auch wird einseitig von Datenschützern das Völkerrecht nicht anerkennt. Der Vertrag der EU mit der USA zum Safe-Harbor wird von einzelnen Datenschützern nicht anerkennt, aber auch nicht einer gerichtlichen Klärung zugeführt. Hier operieren Datenschützer mit Behauptungsjournalismus und meiden Gerichte. Und wenn es ernst wird, wie bei Facebook in Iralnd, werden unbezahlte Jurastuendetn aus Österreich vorgeschickt. Und dfann fidnet der dortige Datenschutzbeauftragte nichts nennenswertes und die deutschen Datenschützer fallen in ihrem Behauptunsjournalismus dem irischen Kollegen in den Rücken auf ihren Facebook-Festspielen.
            Deutsche Verwaltungen haben aber nicht nur vermuteten Datenschutz zu verfolgen sondern auch Gesetze, z.B. das Verwaltungsverfahrensgesetz. Dort heisst es in §10 :

            “Das Verwaltungsverfahren ist an bestimmte Formen nicht gebunden, soweit
            keine besonderen Rechtsvorschriften für die Form des Verfahrens
            bestehen. Es ist einfach, zweckmäßig und zügig durchzuführen.”

            Wenn jetzt in RLP der Datenschützer die Verwaltung anweist, bei Anliegen des Bürgers das Verwaltungsverfahrensgesetz zu missachten, dann haben wir gelinde formuliert einen Zielkonflikt. Möglicherweise wird man die Anordnung zur Missachtung des Verwaltungsverfahrensgesetzes gerichtlich überprüfen lassen, auch um unsere Datenschützer wieder mehr an unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung heranzuführen.

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          • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

            Ja, über all das kann man diskutieren. Aber wie du sagst: Wir wissen es nicht und es besteht Unsicherheit. Aber es gibt Leute, die haben (für sie) begründete Zweifel an der Rechtmäßigkeit. Und ich finde es nachvollziehbar, wenn jemand sagt: “Ist uns egal ob das vielleicht rechtswidrig ist, wir machen es mal trotzdem.” Man kann das auch anders sehen und ich würde es auch anders machen, aber es ist kein Grund für Hohn und Spott.

            Vor allem darf man das hier nicht dramatisieren. Hier ist gar nichts passiert. Leute liken und kommentieren trotzdem. Und es können Fragen gestellt werden. Und wie ich den Eindruck habe, antworten auch Leute aus dem Umfeld der Staatskanzlei mit ihrem privaten Account. Und wenn mal was ist, dann kann man ohne Probleme den Dialog über E-Mail fortführen. Das macht auch die Bahn so, das macht die Telekom so und das *muss* auch jeder so machen, wenn es um private Daten geht.

            Also noch mal. Das ist alles eine Scheindiskussion!

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          • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

            Wie so oft…

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          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

            Das ist keine Scheindiskussion: Hier geht es um handfeste Rechtsgüterabwägung: ist der Datenschutz so wichtig, dass man ohne Benennung der Risiken einfach über das Verwaltungsrisiko hinweg gehen kann? Ist der Datenschutz so wichtig, dass man über das Verhältnismäßigkeitsgebot der Verfassung hinweg gehen kann? Hier muss endlich Rechtsklarheit geschaffen werden, damit wir nicht weiter die Rechtsbeugung wegen Unsicherheiten durch Datenschutzbeauftragte dulden müssen. Es muss ein Ende haben, dass die Mitarbeiter von Verwaltungen kriminalisiert werden, weil ein paar Figuren, denen es mit Sicherheit nicht um Datenschutz geht (wie wir bei SWIFT, Fluggastdaten, Bundestrojaner, Schily-Paketen sehen), Spass daran haben, ihre Facebook-Feierlichkeiten mit großem Presstamtam zu feiern.

            Wir haben mit Facebook ein globales Problem. Globale Probleme lösen wir normalerweise global: Genfer Konventionen, WTO, WIPO usw. Nur beim Datenschutz wollen uns ein paar wenige Figuren einreden, wir könnten das globale Problem regional, national oder europäisch lösen.

            Hier wird Sabotgae geleistet, die uns immer weiter national zurückwirft. Warum haben den die USA, England, Irland, Holland, Belgien, in deren Verwaltungen nicht dieses Probleme, die uns die deutschnationalen vorkauen? Es muss endlich Schluss sein, mit dieser regionalen Willkür und der Anschluss an die internationale Entwicklung gesucht werden.

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          • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

            Nach dem Beitrag fühle ich mich in der Einschätzung der “Scheindiskussion” bestätigt. Ich meine damit die Diskussion über den Facebook-Auftritt der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz. All die Fragen, die Du ansprichst, müssen geklärt werden, richtig. Aber eben nicht von der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz.

            Und wenn Du von “Verhältnismäßigkeit” sprichst: Welches Ungemach droht denn bitte. Das ist doch lächerlich. Es gibt eine Empfehlung [sic!] der Staatskanzlei an den User, Facebook nicht angemeldet zu nutzen. Und es gibt eine Empfehlung, bei Fragen auf andere Dialogkanäle zu verweisen.

            Mein Gott! Wo ist das Problem?

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          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

            Scheindiskussion? Da musst Du aber den Kopf tief im Sand haben. In der ganzen Republik feiern ein paar Datenschützer selbstherrliche Facebook-Festspiele. Am Weitesten geht der Weichert in Kiel, der unter der Überschrift “optimierte Verantwortungslosigkeit” die Verschwörungstheorie verbreitet, dass die US-Regierung hinter Facebook steckt mit Welteroberungsplänen. Klarnamenpflicht wird bei Facebook von Weichert bekämpft, bei der FAZ und Xing im Inland aber schleifen gelassen.

            Sieh Dir den Artikel von Mario Sixtus an im Tagesspiegel:
            http://www.tagesspiegel.de/medien/bloggerkolumne-schuetzt-sie-vor-sich-selbst/7569588.html

            und geh darin dem Link zu Martin Rosts Blog an. Das ist ein Mitarbeiter von Weichert im ULD, der in einem Block von Faschismus, Nazis und KZs faselt, womit er Facebook und die CIA meint.

            Peter Schaar läuft rum mit Parolen “Wir müssen wachsam sein!” (Ja gluabt der denn, dass hundertausende von Verwaltungsmitarbeitern nur pennen?)
            http://irights.info/?q=content/datenschuetzer-peter-schaar-wir-muessen-wachsam-sein

            Und nun RLP.

            Wir haben ein Problem mit unseren Datenschützern. Die feiern selbstherrlich ihre Facebook-Festivals gegen 80 Mio. Bürger. Das als Scheindiskussion ab zu tun ist unsachlich.

            Letztens kam raus, dass Schaar kein Böcke hatte, Strafanzeige zu stellen gegen deutsche Adressdatenhändler. Einen Monat später hat dann jemand anderes Strafanzeige gestellt.

            Im Inland wird der Datenschutz über die Fahndung nach Mördern gestellt. Weichert lässt lieber die Bevölkerung ungeschützt als dass die Fahndungsdaten auch in dem Safe-Harbor Land USA sind, obwohl wir terabyteweise die Daten von Unverdächtigen unter Zusehen der Datenschützer in die USA schaufeln.

            Im Inland läuft der Datenschutz aus dem Ruder. In RLP will man auch mit Trojaner die Bürger beschnüffeln:
            http://www.rlp.de/no_cache/aktuelles/presse/einzelansicht/archive/2010/august/article/novelle-des-polizei-und-ordnungsbehoerdengesetzes-beschlossen-1/

            Aber unsere Datenschützer feiern absurde Parties in der Virtual Reality ihrer persönlichen Facebook-Festspiele, die meist nichts anderes sind als plumper Antiamerikanismus, den mancher grüner Fundi-”Datenschützer” aus den 1970ern über behalten hat.

            Es reicht mit dieser böswilligen Ablenkungskampagne. Wie müssen die Datenschützer zur Ordnung rufen. Das ist keine Scheindiskussion mehr, sondern absichtsvolle, planmäßige Ablenkung vom Datenschutz.

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          • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

            Jetzt kann ich dir nicht mehr folgen. Oder du mir nicht. WIe ich schon mehrfach sagte: Natürlich muss man über Datenschutz diskutieren. Aber die Diskussion über den Facebook Auftritt der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, das ist eine Scheindiskussion. Da gibt es kein Problem.

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          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

            Ja, schade, wenn es Dich überfordert. Der Datenschutzbeauftragte von RLP verlangt von den Mitarbeitern der Verwaltung, gegen das Verwaltungsverfahrensgesetz zu verstoßen. Seine Rechtsauffassung ist absurd und willkürlich. Er hat sogar noch eine andere als der Hauptguru der Facebookfestspiele Weichert im Norden. Hier feiern Datenschützer Egotrips und behindern die Verwaltung und schädigen den Bürger. Und das ist für Dich kein Problem? Der RLP-Datenschützer fühlt Facebook als Bedrohung. Und Bürger müssen unter dieser subjektiven Irrationalität leiden. Die Bürger müssen vor solchen Datenschützer geschützt werden:
            http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/facebook-fanpage-rheinland-pfalz-will-mit-seinen-fans-nicht-sprechen/7646642.html
            http://www.focus.de/digital/digital-news/kritik-an-facebook-timeline-datenschuetzer-facebook-ist-fuer-mich-eine-bedrohung_aid_708755.html

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          • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

            Ja, es überfordert mich zu verstehen, dass es ein “Problem” sein soll, oder warum Bürger “leiden” müssen, wenn ein Behörde ein Facebook-Profil hat was sie gar nicht haben müsste und wenn die Leute dort zwar durchaus kommentieren und liken dürfen, aber keine Nachricht hinterlassen dürfen, die sie aber jederzeit und ohne Probleme auch per E-Mail senden könnten.

            Eine Alternative wäre, dass die Behörde gar kein Facebook-Profil hätte. Damit wäre der Bürger aber nicht besser gestellt. Und deswegen sehr ich es auch nicht als Verstoß gegen das Verwaltungsverfahrensgesetzes.

            Aber wer sich unbedingt aufregen will, mag das natürlich tun. Steht jedem frei. Man findet ja immer was ;-)

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          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

            Du lenkst ab in Deiner Überforderung: die Landesverwaltung kann gar nicht frei entscheiden, wie sie kommunizieren will. Der Datenschützer zwingt sie, dass Verwaltungsverfahrensgesetz zu missachten. Da besteht aber auch keine Wahlfreiheit. Gesetzestreu müssen unsere Verwaltungsmitarbeiter schon sein. Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz. Schade, dass Dich unser Staat überfordert. Man hätte auch sachlich diskutieren können. Ich danke für das Gespräch. Ich glaube, Dein Plädoyer für den Willkürstaat, in dem Gesetze nichts mehr gelten, wird nicht viele Freunde finden.

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  • http://twitter.com/JanFirsching Jan Firsching

    Hier ist überhaupt kein Verständnis vorhanden. Weder für den Dialog, noch für einen Online-Auftritt an sich. Wie man am Namen der Facebook Seite erkennen an. Abschalten und hoffen das alle die Geschichte schnell vergessen.

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  • http://twitter.com/temps_d_hiver Christiane Winter

    Ich gehe davon aus, dass das öffentliche Interesse an der FB-Page sowieso nur kurzfristig ist – ob mit Rückkanal oder ohne. Außer mit der Person an sich stimmt etwas nicht. Auf der anderen Seite hatte die Hohn/Spott-PR doch Wirkung gezeigt, die Seite ist im Fokus der Öffentlichkeit. Was will man mehr? Darüber hinaus hat es eben auch als Nebeneffekt den Diskurs in Gang gesetzt, ob Social Media ohne Dialog noch ihre Daseinsberechtigung haben.
    Für meinen Geschmack hätten Sie den Dialog über FB ruhig zu lassen können. Es ist eben nur die Frage, ob die betreuenden Community Manager auf Resonanz adäquat antworten können. Andere Politiker sind auch im Netz präsent und haben kein Dialog-Problem. Frau Merkel lässt auf ihrer Seite fröhlich die Kommentare ihrer Fans zu https://www.facebook.com/AngelaMerkel Die Themen gibt sie vor und erhält dazu Feedback.
    Ich empfinde dieses Dialog-Problem ebenfalls als gepushtes PR-Problem. Hier wird ein Problem in Szene gesetzt, um öffentliches Interesse zu erhalten.

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    • http://www.talkabout.de/ Mirko Lange, talkabout

      Ja, klar, “hätten sie tun können”. Aber sie haben es aus Gründen nicht getan. Das ist völlig legitim.

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