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	<title>talkabout &#187; Social Media Marktforschung</title>
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	<description>Fürsprecher gewinnen &#124; Debatten führen &#124; Werte schaffen</description>
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		<title>Social Media gibt Marktforschern Gelegenheit, beim Leben, Denken und Fühlen zuzuschauen</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 10:52:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mirkolange</dc:creator>
				<category><![CDATA[Social Media Relations]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetDas ist die Wiedergabe eines Interviews von Mirko Lange bei marktforschung.de marktforschung.de: Als Kommunikationsforscher beschäftigen Sie sich mit Meinungsbildung im Internet. Wie definieren Sie den Begriff &#8220;Social Media&#8221;? Mirko Lange: &#8220;Social Media&#8221; ist ein Sammelbegriff für eine schon fast unüberschaubare Fülle an Internet-Diensten. Ihnen allen ist gemein, dass sich Menschen über sie sehr, sehr einfach [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1474" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fblog.talkabout.de%2F2010%2F03%2F28%2Fsocial-media-gibt-marktforschern-gelegenheit-menschen-beim-taglichen-leben-denken-und-fuhlen-zuzuschauen%2F&amp;text=Social%20Media%20gibt%20Marktforschern%20Gelegenheit%2C%20beim%20Leben%2C%20Denken%20und%20F%C3%BChlen%20zuzuschauen&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=vertical&amp;counturl=http%3A%2F%2Fblog.talkabout.de%2F2010%2F03%2F28%2Fsocial-media-gibt-marktforschern-gelegenheit-menschen-beim-taglichen-leben-denken-und-fuhlen-zuzuschauen%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://blog.talkabout.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Das ist die Wiedergabe eines Interviews von Mirko Lange bei <a href="http://www.marktforschung.de/information/interviews/marktforschung/mirko-lange-social-media-gibt-marktforschern-gelegenheit-menschen-beim-taeglichen-leben-denken-und-fuehlen-zuzuschauen/" target="_blank">marktforschung.de</a></p>
<p><a href="http://blog.talkabout.de/wp-content/uploads/2010/04/logo.jpg"><img class="size-full wp-image-1478 alignnone" style="border: 0pt none; margin-top: 0px; margin-bottom: 0px;" title="logo" src="http://blog.talkabout.de/wp-content/uploads/2010/04/logo.jpg" alt="" width="425" height="81" /></a></p>
<p><em><strong>marktforschung.de: Als Kommunikationsforscher  beschäftigen Sie sich mit  Meinungsbildung im Internet. Wie definieren  Sie den Begriff &#8220;Social Media&#8221;?</strong></em></p>
<p>Mirko Lange: &#8220;Social Media&#8221; ist ein Sammelbegriff  für eine schon fast  unüberschaubare Fülle an Internet-Diensten. Ihnen  allen ist gemein, dass sich  Menschen über sie sehr, sehr einfach im  Internet öffentlich mitteilen können,  andere Menschen mit gleichen  Interessengebieten finden und sich mit denen  austauschen. Die  wichtigsten sind Blogs, Facebook und Twitter, aber auch  YouTube, Xing  und Flickr.</p>
<p>Wichtig sind dabei die Worte &#8220;öffentlich&#8221; und  &#8220;vernetzt&#8221;:  alle Informationen werden grundsätzlich von Google  indiziert und sind somit für  jeden auffindbar und sichtbar, und  Informationen können sich extrem schnell über  Social Media verbreiten.</p>
<p>Social Media ist ein massiver Bruch mit der Historie  der  Massenkommunikation. Der Zugang zur Massenmedien war früher  nämlich nur ganz  wenigen offen. Die Produktions- und Verteilsysteme –  also z.B.Verlage oder  Rundfunkstationen – waren sehr teuer, und  deswegen war das eine begrenzte  Ressource. Und der Zugang zu dieser  Ressource wurde einerseits inhaltlich durch  &#8220;Gatekeeper&#8221; – also  Journalisten – kontrolliert, andererseits kostete er viel  Geld. Durch  das Internet konnten dann schon viel mehr Menschen und  Organisationen  publizieren, aber es war immer noch aufwändig und kostete Geld.  &#8220;Social  Media&#8221; bedeutet im Grunde den enorm einfachen und deswegen faktisch   ungeregelten Zugang zu Massenkommunikationsmitteln. Das bedeutet also  die  weitgehende Zerstörung der alten Funktionsweisen des Mediensystems.</p>
<p><span id="more-1474"></span><em><strong>marktforschung.de: Menschen reden heute  online: Wie verändern sich die Medien  für Meinungsbildung?</strong></em></p>
<p>Mirko Lange: Man muss zunächst berücksichtigen, dass  Massenmedien früher  allein schon wegen der &#8220;Masse&#8221; eine hohe Wirkung  auf die Meinungsbildung hatten:  &#8220;Wenn die das sagen, dann muss es ja  stimmen.&#8221; Aus den oben genannten  Zugangsbeschränkungen sind sie aber  von Unternehmen und Organisationen bestimmt  worden, und damit waren sie  tendenziell auch ein ganzes Stück &#8220;unnatürlich&#8221; &#8211; nur  in seltenen  Fällen haben wirklich &#8220;Menschen&#8221; gesprochen, also menschlich und   persönlich. Das war eine sozial reduzierte Kommunikation, die allerdings  auch  lange Zeit dem Zeitgeist entsprach: Unpersönliche Sprache stand –  gerade in  Deutschland – schon immer für Wichtigkeit. Durch die  sozialen Medien erlangt nun  einerseits &#8220;der Faktor Mensch&#8221; eine größere  Bedeutung: Man will die Meinung des  anderen hören und öffnet sich ganz  bewusst anderen Informationsquellen als  denen, die durch die Industrie  oder Medien vorgegeben werden.</p>
<p>Andererseits haben  wir aber auch eine enorme  Aufsplitterung: Chris Anderson hat dieses Phänomen &#8220;Longtail&#8221; genannt.  Es gibt  immer mehr unterschiedliche Produkte oder Meinungen, von denen  aber jeweils  immer weniger verkauft bzw. gelesen werden. Was wir aus  dieser Theorie lernen –  auch wenn sie nicht hunderprozentig stimmt –  ist, dass trotzdem alle Produkte oder  Meinungen eine Relevanz haben.  Mit anderen Worten: Wir bekommen eine irrsinnig  große Vielfalt im  Angebot, verlieren aber dadurch leicht die Orientierung –  zumindest so  lange, wie man nicht in dem neuen System verankert ist. Die  Selektion  der Gatekeeper vor der Veröffentlichung wird heute ersetzt durch  eine  Filterung durch seine &#8220;Peer-Groups&#8221; von bestehenden Inhalten, also den   Menschen, zu denen man öfter Kontakt hat und mit denen man Interessen  teilt. Auf  einmal definiert man &#8220;relevant&#8221; anders, und auch die  Mechanismen der Reputation  verändern sich.</p>
<p><em><strong>marktforschung.de: </strong></em><strong><em>Wie würden  Sie Menschen, die im Internet ungeniert ihre  Meinung kundtun und  persönliche Informationen preisgeben, beschreiben? Ist das  nur eine  Randgruppe oder sind die neuen Kommunikationsformen für alle  relevant</em>?</strong></p>
<p>Mirko Lange: Ich muss lächeln, weil die Frage  ziemlich manipulativ ist.  Warum sollte man sich denn &#8220;genieren&#8221;, wenn  man seine Meinung kundtut? Jemandes  Meinungen und Erfahrungen sind doch  grundsätzlich relevant und wertvoll für  andere Menschen, oder nicht?  Und was ist gegen &#8220;persönliche Informationen&#8221; zu  sagen? Schließlich:  warum wäre man eine &#8220;Rand&#8221;-Gruppe und nicht beispielsweise  eine kleine  Gruppe &#8220;im Zentrum&#8221;? Ich halte &#8220;persönliche Meinungen&#8221; für   ausgesprochen wichtig. Mich interessiert, was Menschen von einem  Produkt, einer  Partei, einem anderen Menschen halten – und zwar  persönlich, nicht das, was  sie gelesen haben und nur rezitieren.  Achtung, ich spreche nicht von &#8220;privaten&#8221;  oder gar &#8220;intimen&#8221;  Informationen, hier gibt es Grenzen. Und ich spreche nicht  von &#8220;jeder  Meinung&#8221;. Aber soziale Medien eröffnen gerade die Chance, von denen die   Meinung zu hören, die relevant sind. Das mögen nicht alle sein, aber  sehr viele.  Und ich kann nachfragen. Und sie antworten. Und selten  haben sie dabei  versteckte Interessen.</p>
<p>Meine persönliche Beobachtung ist, dass es hier  tatsächlich  eine 90-9-1-Regel gibt, die Jakob Nielsen im Jahre 2006  postuliert hat.  Danach tragen 90% in sozialen Netzen gar  nichts bei,  sondern hören nur zu, 9 Prozent tragen ab und zu etwas bei, und nur  1  Prozent sorgen für den ganzen &#8220;Content&#8221;. Das ist aber nicht nur im  Social Web  so, sondern in jeder Gruppe. Demnach wird der zur Verfügung  stehende Content –  der dann die Basis für die Meinungsbildung ist – nur  von wenigen Menschen  beigesteuert. Aber man kann nicht wegdiskutieren,  dass das einen Einfluss hat.  Übrigens: Das Phänomen ist nicht anders  zu beurteilen als im richtigen Leben  auch. In jeder Gruppe gibt es ein  paar Menschen, die ihre Meinung sagen, und  damit andere Menschen  führen. Und es gibt auch Schwätzer. Man muss sie hier wie  dort  unterscheiden. Und man muss es ins Verhältnis setzen: Vor 20 Jahren  wurden  die öffentlich zur Verfügung stehenden Informationen von ein  paar tausend  Menschen bestimmt, nämlich den Medien. Heute sind es &#8220;nur&#8221;  ein Prozent, aber das  sind eben in Deutschland rein rechnerisch in der  Summe doch 800.000 Menschen.  Und wenn man die neun Prozent  &#8220;Gelegenheitsmitteiler&#8221; dazu nimmt, haben wir auf  einmal sogar acht  Millionen Menschen. Das ist eine dramatische Veränderung,  oder?</p>
<p><em><strong>marktforschung.de: </strong><strong>Wissenschaftliches,  strukturiertes Vorgehen ist das Credo  der Marktforscher. Dagegen sind  die Inhalte des Social Web unstrukturiert und  chaotisch. Kann man als  Marktforscher überhaupt etwas mit den vielen  Informationen aus dem  Internet anfangen?</strong></em></p>
<p>Mirko Lange: In meinen Augen ist das Social Web ein  hundertprozentiges Abbild des  realen Lebens. Oder genauer: Ein  Ausschnitt. Wenn Sie das als chaotisch und  unstrukturiert bezeichnen,  die Marktforschung aber als wissenschaftlich und  strukturiert, dann  bildet vielleicht die Marktforschung das Leben nicht richtig  ab?</p>
<p>Im Ernst: Die Marktforschung hat Methoden gefunden,  wie sie das chaotische  Leben wissenschaftlich beschreiben und diese  Beschreibung strukturieren kann.  Solange man sich im Klaren darüber  ist, dass man sich über die Beschreibung  unterhält, ist das ja auch  völlig in Ordnung. Die Herausforderung für die  Marktforschung ist,  Methoden zu entwickeln, welche in der Lage sind, das  Phänomen Social  Media zu beschreiben.</p>
<p>Im Grunde ist das aber überhaupt nichts  Neues: Auch  in der Verhaltensforschung werden ja einerseits Laboruntersuchungen   gemacht, um einen einheitlichen wissenschaftlichen Rahmen zu haben, und  dann  werden die Ergebnisse durch Beobachtungen &#8220;in der freien Wildbahn&#8221;  ergänzt,  verifiziert oder falsifiziert. Social Media ist nichts  anderes: Marktforscher haben Gelegenheit , Menschen beim täglichen  Leben, Denken und Fühlen zuzuschauen. Dabei muss man nur  berücksichtigen, dass man besonders den  eher extrovertierten Menschen  zuschaut und das bei der Beurteilung mit  einbeziehen. Aber auch das ist  ja nicht neu: Auch in der klassischen  Marktforschung hat die  Wissenschaft damit zu kämpfen, dass erstens nicht jeder  an einer  Marktforschung teilnimmt, und dass zweitens das Setup &#8220;Marktforschung&#8221;   notwendigerweise die Antworten beeinflusst. &#8220;Struktur&#8221; und  &#8220;Objektivität&#8221; sind  doch eine Chimäre.</p>
<p><em><strong>marktforschung.de: </strong><strong>Was bedeutet die  Tatsache, dass Kunden Erfahrungen mit  Produkten in Foren austauschen,  Unzufriedenheit in Youtube-Filmen verbreiten und  Meinungen in  Bewertungsportalen abgeben für die Arbeit im  Kundenbindungsmanagement?</strong></em></p>
<p>Mirko Lange: Unternehmen verlieren die &#8220;Kontrolle&#8221;  über die  Meinungsbildung. Sie können sie nicht mehr dominieren. Werbung  konnte man  kaufen. Gegebenenfalls auch einen Journalisten. Das  funktioniert heute alles  nicht mehr. Das bedeutet, dass Unternehmen  anfangen müssen mitzureden. Wenn man  das mit etwas Abstand betrachtet,  ist das doch alles ganz natürlich – und  eigentlich sogar richtig.  Jahrzehntelang hat die Industrie das Bild der Produkte  dominiert &#8211;  durch das Marketing und dadurch, dass sie die Massenkommunikation   mitbestimmt haben. Dadurch entstand oft ein unzutreffendes Bild, auch  wenn es  durch &#8220;unabhängigen Journalismus&#8221; dann wieder grade gerückt  wurde.</p>
<p>Die Menschen  setzen jetzt dazu einen Gegenpol. Das  Problem ist, dass vielen Menschen dieser  Gegenpol authentischer  vorkommt. Sie wissen, dass auch das oft nicht die  Wahrheit ist, sie  vermuten aber hinter diesen Darstellungen keine versteckten  Interessen,  die der Industrie immer unterstellt werden – zumindest ein   kommerzielles Interesse.</p>
<p>Wer als Unternehmen klug ist, wird den Dialog nicht  führen  als &#8220;Marketing vs. Social Media&#8221;, sondern wird einen echten  Dialog führen. Dazu  müssen die Unternehmen &#8220;auf die Straße&#8221; gehen, und  dort mit den Menschen  sprechen, wo die eben über die Themen sprechen.  Und sie müssen sich so  verhalten, dass sie auch als Gesprächspartner  akzeptiert werden. Zumindest  &#8220;müssen&#8221; sie das, wenn sie an der Debatte  teilnehmen, und ihre Perspektive auf  die Dinge einbringen wollen. Und  man darf auch nicht vergessen, dass es ja im  Web nicht nur Schelte  gibt: Wir beobachten sehr oft, dass gute Produkte oder  Meinungen  durchaus empfohlen werden: Und das direkt, ausdrücklich und alles   andere als selten. Nach unserer Auffassung gibt es drei Aufgaben:  Debatten  führen, Fürsprecher generieren und dadurch Werte schaffen. Die  Alternative ist,  dass die Meinungsbildung immer &#8220;unkontrollierbarer&#8221;  wird.</p>
<p><em><strong>marktforschung.de: </strong><strong>Wagen Sie zum  Abschluss einen Blick in die Zukunft: Wird  die Marktforschungsbranche  durch das Web 2.0 revolutioniert und gänzlich  verändert oder entwickelt  sie sich in dem Sinne  weiter, dass Bewährtes erhalten  bleibt und  durch Neues ergänzt wird?</strong></em></p>
<p>Mirko Lange: Eigentlich ändert das Web 2.0 nichts.  Es macht nur  transparent, was schon immer da war. Durch die enorme  Sichtbarkeit drängt es  sich allerdings auf. Man kann es nicht  ignorieren. Scherzhaft wird heute &#8220;ROI&#8221; im  Zusammenhang mit Social  Media schon mit &#8220;Risk of Ignoring&#8221; übersetzt. Wenn es &#8220;die   Marktforschung&#8221; klug anstellt, bekommt sie durch Social Media eine  zusätzliche  Perspektive, die ihr hilft, die Welt zutreffender  abzubilden. Sie muss im Denken  allerdings auch flexibler werden.  Offener werden für das eigene &#8220;Denken&#8221;.</p>
<p>Natürlich ist der Vorteil einer rein  wissenschaftlichen Ebene, dass man sich  rein auf die Zahlen berufen  kann – und sich auch ein Stück hinter ihnen  verstecken. Es wird  Marktforscher geben, die das weiterhin tun werden, und diese  werden  weiterhin Kunden haben, die sich nur darauf verlassen. Aber es wird auch   sehr viele Unternehmen geben, welche die Sache differenzierter  betrachten, und  durchaus verstehen, dass man Dinge auch inhaltlich  beurteilen muss.  Letztendlich geht es bei der Marktforschung immer  darum, Entscheidungen  abzusichern. Die reinen Zahlen waren auch nie  hundertprozentig verlässlich. Wenn jemand  schlau ist, und ein gutes  Gefühl für die Meinungen anderer entwickelt, wird er  bessere  Vorhersagen treffen können. Das ist die Chance der  Marktforschung.</p>
<p><em><strong>marktforschung.de: Herr Lange, herzlichen Dank  für das Interview!</strong></em>
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